Brandstifter mit Samurai-Schwert soll in die Psychiatrie

Vor Gericht gibt ein schizophrener Mann die Vorwürfe zu: Er habe sich verfolgt gefühlt und deswegen Feuer gelegt.
| John Schneider
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Schwere Brandstiftung: David F. zündete ein Haus an.
Thomas Gaulke/jot Schwere Brandstiftung: David F. zündete ein Haus an.

München - Mehr als 80 Feuerwehrleute kämpften am 14. Februar 2016 sechs Stunden lang bis auch das letzte Glutnest gelöscht war. Den Totalschaden (170.000 Euro) konnten sie nicht verhindern. Immerhin wurde niemand verletzt und der Brandstifter war auch schnell gefasst.

Der schizophrene Mann, der das Feuer in dem Schlierseer Wohnhaus gelegt haben soll, soll in der Psychiatrie untergebracht werden. Hausbewohner David F. (36) gibt die Vorwürfe in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft zu. Er hatte Mobiliar in Küche und Wohnzimmer gestapelt, 80-prozentigen Stroh Rum darüber ausgeschüttet und angesteckt.

Sein Mandant habe bereits davor gespürt, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtere, erläutert Anwalt Alexander Eckstein. Dann ergreift David F. selber das Wort, erzählt im Detail was passiert ist und was ihn zur schweren Brandstiftung getrieben hat.

Warum er das Feuer gelegt hat? Er habe sich verfolgt gefühlt und sich vor jedem Menschen gefürchtet.

Am Tattag habe er versucht, sich "hermetisch von der Außenwelt abzuschließen". Als die Flammen loderten, stieg er mit einem "Samurai-Schwert" aus einem Fenster im Flur des Hauses. Mit der 60 Zentimeter-Klinge in der Hand postierte er sich vor der Wohnungstür seiner 83-jährigen Großmutter, die in demselben Haus wohnte.

Erst als der Onkel auf der Bildfläche erschien, nahm David F. Reißaus. Da stand das Haus bereits in Flammen. Das Feuer hatte von der Wohnung aus auf den Dachstuhl übergegriffen. Die Großmutter konnte sich bei Nachbarn rechtzeitig in Sicherheit bringen.

David F. floh in den Wald, wurde aber vier Stunden nach dem Ausbruch des Feuers dank einer groß angelegten Suchaktion mit Hubschraubern und Hundestaffel gefunden und in die Psychiatrie gebracht.

Der 36-Jährige berichtet vor Gericht, dass er jede Menge Erfahrung mit Alkohol und Drogen von Crystal bis LSD und Psychopharmaka hat. Als ihn seine Freundin verließ, habe er einen Selbstmordversuch unternommen.

Holzbearbeitungsmechaniker hat er mal gelernt. Aber das sei lange her, erklärt David F.. Zuletzt habe er als Stationshelfer in einem Altenheim gearbeitet: "Das hat mir Spaß gemacht." Mehr jedenfalls als die Arbeitstherapie in der Psychiatrie. Dort muss er Krippen herstellen.

Wie er sich seine Zukunft vorstellt, will der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann wissen. "Eine betreute Wohngemeinschaft ist besser für mich", sagt der 36-Jährige. Alleinsein, das weiß er nun, kann bei ihm gefährlich werden.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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