Böhringer-Prozess: Aufruhr im Gerichtssaal

Eklat um abgelehnte Beweisanträge im Prozess um den Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer. Der Angeklagte wollte "den Schmarrn nicht mehr hören". Musste er aber - und bleibt weiter im Hungerstreik.
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Der Angeklagte: Benedikt T. (33).
Ronald Zimmermann Der Angeklagte: Benedikt T. (33).

MÜNCHEN - Eklat um abgelehnte Beweisanträge im Prozess um den Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer. Der Angeklagte wollte "den Schmarrn nicht mehr hören". Musste er aber - und bleibt weiter im Hungerstreik.

Blass schien er, noch schlanker als zuvor, und sprach mit leiser, monotoner Stimme: „Ich befinde mich weiter im Hungerstreik.“ Benedikt T. (33), angeklagt des Mordes an seiner Tante, der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer, hat in drei Wochen über sieben Kilo abgenommen. Das schwächt. Doch als das Gericht unter Vorsitz von Manfred Götzl am Freitag Beweisanträge seiner Verteidiger ablehnte, sprang er plötzlich auf und drang energisch Richtung Tür. „Den Schmarrn hör’ ich mir nicht mehr an“, rief er. Drei Justizbeamte verstellten ihm den Weg. Richter Götzl befahl: „Setzen Sie sich!“ Doch Benedikt T. blieb stehen: „Ich sitze seit zwei Jahren ...“

Unschuldig, wie er sagt. In einer TV-Sendung sei behauptet worden, sein Mandant hätte gestanden, berichtet Peter Witting, dann das Geständnis aber widerrufen. Auch das ein Schmarrn, wie Staatsanwalt Martin Kronester bestätigte.

Benedikt T. verfolgte wie seine Familie und seine Freunde im Publikum stehend den Protest seiner Anwälte gegen die Ablehnung des DNA-Vergleichs aller Beschuldigten im Fall Ursula Herrmann. Das Gericht kann trotz der Übereinstimmung der DNA bei einer Schraube im Fall Herrmann mit der DNA auf einem Glas in der Küche Böhringers keinen Zusammenhang der beiden Fälle mehr erkennen. Begründung: Die Küche habe beim Mord keine Rolle gespielt ...

Doch die Spuren in der Spülmaschine seien am Tattag entstanden, hielten die Verteidiger dagegen. Das Gericht würde Zweifel am „Indiziengebäude“ einfach abblocken, belasse es stattdessen bei „Scheinaktivitäten“. Witting: „Da können wir doch gleich das Urteil machen.“

Der Prozess geht erst am 28. Mai weiter. Bis dahin werden Witting und Stefan Mittelbach ihren sechsten Befangenheitsantrag stellen. Und Benedikt T. wohl noch etwas schmaler werden.

John Schneider

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