Blitzüberweisung: Münchner Ehepaar zahlt 1,1 Millionen Euro – an den Falschen

Die beiden Münchner kauften eine Wohnung im vornehmen Bogenhausen. Die Summe, rund 1,1 Millionen Euro, überwiesen sie per Blitzüberweisung. Die Kontonummer war allerdings gefälscht. Wie das den Betrügern gelang und wie Sie sich vor der Betrugsmasche schützen können. 
von  Ralph Hub
Der Immobilienmarkt in München ist heiß umkämpft, die Preise sind hoch. Bei Kauf einer Wohnung oder eines Hauses geht es schnell in die Millionen. (Symbolbild)
Der Immobilienmarkt in München ist heiß umkämpft, die Preise sind hoch. Bei Kauf einer Wohnung oder eines Hauses geht es schnell in die Millionen. (Symbolbild) © IMAGO/Rolf Poss

In der neuen Wohnung in Bogenhausen wollte das Münchner Ehepaar sorgenfrei und entspannt seinen Lebensabend genießen. In den Kauf der Immobilie hatten die 60-Jährige und ihr Mann die kompletten Ersparnisse eines ganzen Arbeitslebens investiert, insgesamt rund 1,1 Millionen Euro.

Der Notartermin stand bereits

Der Deal war zumindest auf dem Papier unter Dach und Fach und damit so gut wie abgeschlossen: Die Immobiliengesellschaft, der Makler und die beiden Käufer hatten sich geeinigt. Der Termin beim Notar war auch schon vereinbart. Mit der Schlüsselübergabe Mitte August 2026 sollte alles erledigt sein.

Betrüger fälschen Kontoverbindung

Zuletzt bekam das Ehepaar, wie vorher vereinbart, eine E-Mail mit einer Zahlungsaufforderung. Darin war eine Kontoverbindung mit IBAN genannt, auf der die komplette Kaufsumme eingezahlt werden sollte. Was die 60-Jährige und ihr Mann aber nicht bemerkt hatten: "Die in der Mail genannte Kontoverbindung stimmte nicht mit der ursprünglichen IBAN im Kaufvertrag überein", sagt Ermittler Sebastian Wirth vom Kommissariat 122.

Sebastian Wirth (li.) und Michael Schanderl vom Kommissariat 122. beim Polizeipräsidium München ermitteln in dem dreisten Millionenbetrug.
Sebastian Wirth (li.) und Michael Schanderl vom Kommissariat 122. beim Polizeipräsidium München ermitteln in dem dreisten Millionenbetrug. © Hub

1,1 Millionen Euro per Blitzüberweisung

Das Ehepaar bezahlte daher ahnungslos die geforderte Summe, rund 1,1 Millionen Euro, über ihre Hausbank per Blitzüberweisung. Bei einer SEPA‑Echtzeitüberweisung oder einem "Instant Payment" wird das Geld elektronisch innerhalb von zehn Sekunden auf das Empfängerkonto transferiert. „Der gesamte Vorgang ist innerhalb von Minuten abgeschlossen“, sagt Michael Schanderl vom ermittelnden Kommissariat 122, "da bleibt kaum Zeit, noch etwas zu stoppen oder das Geld zurückzuholen."

Heimlich die E-Mails verändert und umgeleitet

Das Geld landete auf einem falschen Konto, weil Betrüger die E‑Mail-Kommunikation bei dem Immobiliengeschäft gekapert hatten, ohne dass es eine der beteiligten Parteien gemerkt hätte. Die echte Mail vom Makler an die beiden Käufer hatten die Gauner abgefangen und durch eine eigene Mail mit gefälschter Kontonummer ersetzt.

Täter gründen eigens eine Strohfirma

Die Betrüger hatten für das Geschäft extra eine eigene Firma gegründet, eine GmbH. Dazu war eine finanzielle Einlage von rund 20.000 Euro notwendig. Ein kleiner Betrag, wenn man bedenkt, dass es um über eine Million Euro bei dem Deal ging. Die Kripo nimmt die GmbH und die Personen, die sie gegründet haben, genau unter die Lupe. Vermutlich handelt es sich dabei um Strohmänner, die von den Betrügereien wohl nichts wussten. Die echten Betrüger können via Internet von überall auf der Welt arbeiten.

Der Betrug fliegt im allerletzten Moment auf

Der Schwindel flog erst Mitte August 2026 auf, als der Notar sich bei dem Ehepaar telefonisch meldete und sich erkundigte, wo sie denn blieben. Das Ehepaar war nicht zum vereinbarten Termin für die Schlüsselübergabe erschienen. Da war klar, dass die komplette E-Mail-Kommunikation von Betrügern heimlich manipuliert worden war.

900.000 Euro zurückgeholt

Das Ehepaar aus München erstattete Anzeige. Bank und Polizei reagierten schnell: Rund 900.000 Euro des überwiesenen Geldes konnten inzwischen sichergestellt und den Besitzern wieder zurückgegeben werden. Allerdings sind rund 200.000 Euro futsch. Dafür musste das Ehepaar zum Kauf der Wohnung einen Kredit aufnehmen. Der ursprüngliche Immobiliendeal ist inzwischen übrigens abgeschlossen. Die Wohnung in Bogenhausen gehört den beiden Münchnern. Die Kripo ermittelt allerdings weiter, die Identität der Betrüger ist ungeklärt, vermutlich sind die Täter schon wieder auf der Suche nach einem neuen Opfer.

Präventionshinweis der Polizei:

Schutz vor E-Mail-Betrug und manipulierten Zahlungsaufforderungen
Betrüger können sich Zugang zu E-Mail-Konten verschaffen und bestehende Kommunikation nutzen, um gefälschte Zahlungsaufforderungen oder geänderte Bankverbindungen zu versenden.
Mit den folgenden Maßnahmen können Sie sich schützen:
E-Mail-Konto absichern
• Aktivieren Sie eine Mehr-Faktor-Authentisierung (MFA).
• Verwenden Sie für jeden Dienst ein starkes und individuelles Kennwort.
• Geben Sie Ihre Zugangsdaten niemals an andere Personen weiter.

• Ändern Sie Ihr Kennwort sofort, wenn Sie einen unbefugten Zugriff vermuten.

E-Mail-Konto regelmäßig prüfen

Kontrollieren Sie, ob unbekannte Geräte oder Anmeldungen angezeigt werden. Überprüfen Sie außerdem regelmäßig die eingerichteten Weiterleitungen und Postfachregeln. Achten Sie insbesondere darauf, ob Nachrichten unerwartet weitergeleitet, verschoben oder gelöscht werden. Reagieren Sie umgehend auf ungewöhnliche Kontoaktivitäten.
Zahlungsaufforderungen sorgfältig überprüfen
Änderungen von Bankverbindungen und ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen sollten Sie immer über einen zweiten, unabhängigen Kommunikationsweg bestätigen lassen.
• Nutzen Sie beispielsweise eine bereits bekannte Telefonnummer – nicht die Kontaktdaten aus der verdächtigen Nachricht.
• Beachten Sie bei Überweisungen die Warnhinweise der Empfängerüberprüfung.
• Wichtig: Auch wenn Name und IBAN übereinstimmen, ist damit nicht bestätigt, dass die Zahlungsaufforderung tatsächlich von Ihrem Geschäftspartner stammt.

Was tun bei Betrug oder unbefugtem Zugriff?

Handeln Sie schnell:
1. Kontaktieren Sie unverzüglich Ihre Bank, wenn bereits eine Überweisung veranlasst wurde.
2. Sichern Sie das betroffene E-Mail-Konto und ändern Sie sofort das Kennwort.
3. Beenden Sie unbekannte Sitzungen und Zugriffe.
4. Prüfen Sie die hinterlegten Sicherheits-, Weiterleitungs- und Postfachregeln.
5. Informieren Sie betroffene Geschäftspartner und Beschäftigte, damit weitere betrügerische Nachrichten rechtzeitig erkannt werden.
6. Sichern Sie verdächtige E-Mails und weitere Beweismittel. Löschen Sie diese nicht.
7. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und stellen Sie die gesicherten Informationen zur Verfügung.
Bei einem Immobilienkauf halten Sie sich bitte an die IBAN-Nummer, die in der notariellen Urkunde vermerkt wurde. Dazu wird mehrere Wochen nach der Beurkundung noch eine Fälligkeitsmitteilung zur Zahlung des Kaufpreises durch den Notar verschickt.
Wenn Sie dabei Änderungen der zuvor vereinbarten IBAN feststellen, setzen Sie sich bitte mit dem Notariat in Verbindung, um diesen Sachverhalt zu klären.

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