Bissiger Biber verletzt gleich mehrere Hunde

Nicht nur in Stockdorf, auch im Pasinger Stadtpark verteidigen die Nagetiere derzeit Reviere und Nachwuchs – manchmal mit schmerzhaften Folgen für unerwünschte Eindringlinge.
| Natalie Kettinger
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Airedale Terrier Afra hat der Biber ebenfalls gebissen. „Ein Albtraum“, sagt Besitzerin Roswitha Kitzinger.
privat Airedale Terrier Afra hat der Biber ebenfalls gebissen. „Ein Albtraum“, sagt Besitzerin Roswitha Kitzinger.

München - An diesen Spaziergang wird sich Roswitha Kitzinger noch lange erinnern – mit Schrecken: Beim Gassigehen im Pasinger Stadtpark wurde ihre Hündin unlängst von einem Biber gebissen. Die Wunde war so tief, dass sie vom Tierarzt geklammert werden musste.

Und Airedale Terrier „Afra“ hatte noch Glück: Der Labrador-Dame „Gina“ musste nach einem Biber-Angriff in einer Not-OP eine Zitze entfernt werden.

Roswitha Kitzinger war mit Afra südlich des Pasinger Krankenhauses an der Würm unterwegs. „Ich habe ihr einen Ball ins Wasser geworfen. Sie ist hinterhergesprungen und hat plötzlich ganz jämmerlich geschrien“, erzählt die 70-Jährige. Der völlig verstörte Hund paddelte so schnell wie möglich an Land.

Dort entdeckte Roswitha Kitzinger die blutende Bissverletzung an seinem Bein. „Dann habe ich den Biber gesehen. Er kam ans Ufer und ist dort so lange stehen geblieben, bis wir weg waren.“ Die Wunde an Afras Oberschenkel musste geklammert werden. Roswitha Kitzinger hat dieses Erlebnis sehr mitgenommen. „Wenn ich daran denke, wie viele Hundeleute an dieser Stelle spazieren gehen, bekomme ich Albträume“, sagt sie. „Ich selbst traue mich da gar nicht mehr hin.“

Laut Martin Hänsel vom Bund Naturschutz (BN) leben in München 50 bis 60 Biber in zehn Revieren: an der Isar, im Englischen Garten, auf der Museumsinsel, an mehreren Stadtbächen und seit etwa drei Jahren auch im Pasinger Stadtpark.

Eine Biber-Familie besteht in der Regel aus den Eltern, den Neugeborenen und ihren Geschwistern aus dem Vorjahr. Denn junge Biber verlassen erst im Alter von zwei Jahren die heimatliche Burg, um sich ein eigenes Revier zu suchen.

„Biber sind eigentlich äußerst verträgliche Zeitgenossen“, sagt Martin Hänsel. „Sie ziehen sich lieber zurück, als auf Konfrontation zu gehen. Außerdem sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Das Konfliktpotenzial zwischen Mensch und Biber ist daher grundsätzlich gering.“

Es sei denn, der Biber sieht seinen Nachwuchs bedroht. Dann schnappt er zu, um die Kleinen zu verteidigen. Biber-Experten vermuten, dass deshalb vor kurzem ein Schwimmer und ein Spaziergänger an der Würm in Stockdorf gebissen worden sind.

Denn die Biber-Jungen, die im Mai geboren wurden, verlassen jetzt zum ersten Mal die Burg. Weil die Winzlinge noch ziemlich hilflos sind, werden sie von den Eltern und den älteren Geschwistern beschützt. Wenn es sein muss, unter Einsatz ihrer scharfen Nagezähne. „Auch deswegen weisen wir seit Jahren darauf hin, dass es keine gute Idee ist, Hunde frei laufen zu lassen, wenn Biber in der Nähe leben. Außerdem sind die Tiere streng geschützt“, sagt Martin Hänsel.

Philipp G. wusste, dass es im Pasinger Stadtpark Biber gibt, als er dort am Sonntag – wie immer – seine Labrador-Hündin Gina ausführte. „Aber man geht doch nicht davon aus, dass die aggressiv sind und aus dem Hinterhalt heraus angreifen“, sagt der 32-Jährige geschockt. Seine Gina habe einfach im Wasser gestanden, „als der Biber wie ein Hai aus dem Nichts von unten angeschossen kam und sie in die Bauchdecke gebissen hat.“

Der Münchner band die stark blutende Wunde mit einem T-Shirt ab und brachte seinen Hund in die Germeringer Tierklinik. „Zum Glück waren keine inneren Organe verletzt. Aber Gina musste in einer Not-OP eine Zitze entfernt werden“, erzählt er.

Von den Germeringer Ärzten erfuhr Philipp G. zudem, dass seine Gina bereits der dritte Hund war, der in den letzten Tagen wegen einer Biber-Attacke in der Tierklinik behandelt werden musste. „Ich verstehe nicht, warum an der Würm keine Warnschilder angebracht werden“, sagt er und fordert: „Die Stadt muss da endlich mal was machen!“

Dafür zuständig wäre das Baureferat. Doch dort wusste man bislang nichts vom bissigen Pasinger Biber. „Wir müssen den Sachverhalt erst einmal prüfen“, sagte Sprecherin Dagmar Rümenapf der AZ.

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