Update

Bereits am ersten Warnstreiktag: Verdi kündigt weitere Aktionen im Nahverkehr an

Busse und Bahnen bleiben zum Wochenbeginn vielerorts stehen. Beim Pendeln in München ist jetzt viel Geduld gefragt. Einige versuchen auf alternative Fortbewegungsmittel umzusteigen.
von  Julia Volkenand, Ben Sagmeister, Maja Aralica, Sophia Willibald
Die U-Bahnhöfe sind am Montag menschenleer
Die U-Bahnhöfe sind am Montag menschenleer © Ben Sagmeister

Update, 15.32 Uhr: Der 24-stündige Warnstreik begann am frühen Morgen um 3.30 Uhr, er soll dementsprechend am frühen Dienstagmorgen enden. S-Bahnen und Nahverkehrszüge wurden nicht bestreikt, da die Bahn nicht von den Kommunen betrieben wird.

Der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Sinan Öztürk stellte für die kommenden Tage weitere Aktionen in Aussicht: Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 13. Februar sei "mit weiteren Warnstreiks zu rechnen". "Wann und wie lange, geben wir mit angemessener Vorlaufzeit bekannt." Der Tarifvertrag Nahverkehr gilt laut Verdi für etwa 20 Unternehmen mit 9.000 Beschäftigten. Darüber hinaus stehen neue Warnstreiks auch im öffentlichen Dienst bevor.

Nahverkehrs-Warnstreik trifft fast ganz Deutschland

Mit Ausnahme Niedersachsens hatte Verdi in allen Bundesländern zum Nahverkehrs-Warnstreik aufgerufen. In München waren U-Bahnen außer Betrieb, außerdem mit Ausnahme der Tramlinie 20 auch alle Straßenbahnen. Allerdings hielt die Verkehrsgesellschaft MVG den Busverkehr auf sämtlichen Linien aufrecht, wenn auch teilweise mit stark ausgedünntem Fahrplan. 

In Nürnberg standen U-Bahnen und Straßenbahnen ebenfalls still, das kommunale Verkehrsunternehmen VAG hielt einen Notfahrplan mit 16 Buslinien aufrecht. In Augsburg waren von den rund 140 Bussen und Straßenbahnen, die morgens normalerweise ausrücken, nur 8 Straßenbahnen und 7 Busse unterwegs. "Die Stimmung ist sehr gut, Aufbruchstimmung", sagte ein Verdi-Sprecher in München am Morgen. Unter den größeren bayerischen Städten vom Warnstreik ausgenommen war unter anderem Würzburg.

Verdi synchronisiert bayerische Verhandlungen mit übrigen Bundesländern 

Den bislang letzten Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV gab es 2023. Dieser "Tarifvertrag Nahverkehr" (TV-N) war schon 2024 ausgelaufen. Verdi hatte sich damals jedoch entschieden, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in den übrigen Bundesländern wieder Verhandlungen anstehen. 

Den Arbeitgebern ist die Forderung zu hoch 

Für die laufende Tarifrunde fordert die Gewerkschaft 668,75 Euro mehr Gehalt, eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und eine Verlängerung der Mindestruhezeit auf elf Stunden. Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück. Nach Berechnungen des Kommunalen Arbeitgeberverbands Bayern entsprächen 668,75 € mehr im Schnitt aller Tarifgruppen einer Gehaltserhöhung um knapp 17 Prozent.

Die Finanzlage vieler Kommunen ist wegen der stark gestiegenen Kosten ohnehin schlecht, im öffentlichen Nahverkehr sind die Defizite der kommunalen Verkehrsgesellschaften in den vergangenen Jahren gestiegen.

Update, 10.45 Uhr: Am Trambetriebsbahnhof in der Einsteinstraße haben sich die Streikenden am Montagmorgen zu einer Kundgebung versammelt. Gegen 10. 30 Uhr war diese beendet.

Streikende versammeln sich in München für eine Kundgebung.
Streikende versammeln sich in München für eine Kundgebung. © Maja Aralica

Update, 10 Uhr: Der Warnstreik im ÖPNV hält in München die Pendler bei Atem. Am Ostbahnhof versuchen einige Münchner, auf alternativen Wegen ihr Ziel zu erreichen. Eine Dame wollte wohl, wenig erfolgreich, aufs Radl umsteigen. Der Lenker schlackert hin und her – die Frau hat sichtlich Mühe, voranzukommen. Der Reifen ihres blauen Fahrrads ist platt. Vermutlich erging es ihr wie vielen anderen Münchnern heute Morgen. Der Streik zwang sie, schnell eine Lösung zu finden, fernab des öffentlichen Nahverkehrs.

Ebenso geht es einer Frau, die am Ostbahnhof vor dem Bahnhofsgebäude wartet. Die 46-Jährige hält einen Kaffeebecher in der einen und eine Bäckertüte in der anderen Hand. Über eine Durchsage in der Bahn habe sie von dem Streik erfahren, erzählt sie. „Als ich am Freitag davon gehört hab, dass nichts fährt, hab ich mir gedacht: Schön, das passt ja wieder ins Bild.“

Pendler zeigen Verständnis, aber sind auch gestresst

Sie ist Beamtin und hat an diesem Tag Termine in der ganzen Stadt verteilt. „Morgen wäre besser gewesen, da hätte ich keinen gehabt, aber das kann man sich eben nicht immer aussuchen“, sagt sie und lacht. Grundsätzlich könne sie aber verstehen, dass gestreikt wird:  „Ich kenne Leute, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, und ich weiß, dass die immer schon sehr schlechte Arbeitsbedingungen hatten.“ 

Stress bedeutet der Streik für sie heute trotzdem. Doch die Unterhachingerin hat Glück: Ein Kollege holt sie gleich ab und fährt sie zu ihrem ersten Termin ins Olympia-Einkaufszentrum. Während sie wartet, ziehen im Minutentakt Taxis an ihr vorbei. Sie bremsen, halten kurz und schwärmen sofort wieder aus – schon besetzt mit dem nächsten Fahrgast.

Erstmeldung, 8 Uhr: Wegen eines bundesweiten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi kommt es heute vielerorts ganztägig zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben bei vielen kommunalen Verkehrsunternehmen infolge des Arbeitskampfs in den Depots. Betroffen sind nahezu alle 16 Bundesländer, wie Verdi mitteilte. 

Münchner Hauptbahnhof: U-Bahn abgesperrt

Die Zugänge zu den U-Bahnen wurden wegen des Streiks am Münchner Hauptbahnhof mit Absperrgattern und Toren abgesperrt, damit sich während des Streiks keine Fahrgäste hierher verirren. Der U-Bahnverkehr ist komplett zum Erliegen gekommen.

Die U-Bahnzugänge sind am Hauptbahnhof gesperrt.
Die U-Bahnzugänge sind am Hauptbahnhof gesperrt. © Maja Aralica

Züge der Deutschen Bahn nicht betroffen: Münchner drängen in Regionalbahnen

Die Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn fahren derweil ohne Einschränkungen. "Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Nürnberg, Rhein-Main und der Regional- und Fernverkehr der DB werden als Unternehmen nicht von Verdi vertreten und sind daher von dem Streik nicht betroffen", teilte der bundeseigene Konzern mit. 

Dementsprechend voll waren die Regionalzüge Richtung Münchner Innenstadt am Montagmorgen, wie Reporter vor Ort berichten. Dicht an dicht gedrängt standen Pendler in den Gängen, von freien Sitzplätzen weit und breit keine Spur.

Am Mittleren Ring ist auf Höhe Harras noch kein verstärkter Verkehr erkennbar.
Am Mittleren Ring ist auf Höhe Harras noch kein verstärkter Verkehr erkennbar. © sag

Viele Münchner sind am Streiktag auf das Auto umgestiegen, man muss daher mit stockendem Verkehr oder Stau rechnen. Auf der Landshuter Allee Richtung Donnersbergerbrücke kommt es zu Verzögerungen, zeigt der Anbieter Google Maps (Stand: 9.25 Uhr).

Generell: Ein Blick auf die Verkehrskarten von Google Maps und Bayerninfo zeigt, dass sich auf Münchens Straßen der Verkehr erwartungsgemäß punktuell staut. Zumindest am Harras hielt der Autoverkehr sich auf dem Mittleren Ring um 8.30 Uhr in Grenzen, auf den ersten Blick scheint es hier kein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen zu geben. In Sendling dagegen ist das Auto-Aufkommen sichtbar deutlich höher als sonst. Selbst in den Nebenstraßen staut es sich.

Stau gibt es am morgen auch auf der Brudermühlbrücke im Pendlerverkehr: Zwischen Taufkirchen-West und München-Giesing kam es zu einem Stau von zwei Kilometern Länge. Autofahrer mussten mit einer Wartezeit von neun Minuten rechnen. Nach dem Candidtunnel floss der Verkehr zäh weiter.

Auf der Brudermühlbrücke staute sich der Verkehr.
Auf der Brudermühlbrücke staute sich der Verkehr. © tsi

Busse fahren in größeren Abständen

Wie die MVG mitteilt, fahren die Busse in der Landeshauptstadt noch. Allerdings kommt es zu größeren Abständen im Fahrplan, auch Verspätungen und Ausfälle sind möglich. Man sollte also auch hier viel Geduld mitbringen. Die Linie 62 Richtung Rotkreuzplatz fährt so am Morgen nur etwa alle 45 Minuten. Über die genauen Fahrtabstände der einzelnen Buslinien können Fahrgäste sich auf der Homepage der MVG schlaumachen. 

Die Tramlinien sind außer Betrieb. Nur die Linie 20 (Karlsplatz/Stachus - Moosach Bf.) fährt alle 10 Minuten. Der Betrieb ist derzeit bis ca. 13 Uhr sichergestellt, so die Verkehrsgesellschaft.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.