Beratung beim Medienzentrum München: Hilfe für Internet-Anfänger

Eine Telefonhotline soll Senioren helfen, für soziale Kontakte oder Unterhaltung online zu gehen. Warum das gar nicht so schwer ist, erklärt ein Experte vom Medienzentrum München. 
| Jasmin Menrad
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AZ-Interview mit Linus Einsiedler. Der 28-Jährige arbeitet am Medienzentrum München.
JFF AZ-Interview mit Linus Einsiedler. Der 28-Jährige arbeitet am Medienzentrum München.

München - Ein jeder scheint zur Zeit im Internet zu sein, mit der Familie im Videochat zu telefonieren, Filme zu schauen oder einkaufen zu gehen. Doch dieses Gefühl trügt: Einige Menschen sind ausgeschlossen, weil sie sich (noch) nicht auskennen in der digitalen Welt.

In Zusammenarbeit mit Pixel – dem Raum für Medien, Kultur und Partizipation im Gasteig und West up!, bietet der Verein Kulturraum München Menschen, die im Umgang mit dem Internet noch ungeübt sind, aber auch jenen, die sich auskennen, aber die ein oder andere Frage haben, digitale Hilfe am Telefon. Einfach die Telefonnummer 552 671 83 anrufen, und ein Experte ruft zurück.

AZ-Interview mit Linus Einsiedler. Der 28-Jährige arbeitet am Medienzentrum München.
AZ-Interview mit Linus Einsiedler. Der 28-Jährige arbeitet am Medienzentrum München. © JFF

Linus Einsiedler ist einer der Berater des Projekts, das vom Kulturreferat der Stadt gefördert wird - und er erklärt, warum es sich gerade für ältere Menschen lohnt, sich mit der vermaledeiten Technik auseinanderzusetzen.

Ausprobieren und Fragen stellen

AZ: Herr Einsiedler, wie schön, dass Sie anrufen! Mein Computer spinnt gerade, da bin ich froh, telefonieren zu können.
LINUS EINSIEDLER: (lacht) Diese Probleme kennt jeder.

Warum sollten sich dann gerade ältere Menschen das antun?
Die meisten Menschen sind im Internet unterwegs und uns geht’s darum, dass auch ältere Menschen daran ganz normal teilhaben können und nicht abgehängt werden. Jeder soll selbst entscheiden, ob er Lust hat, über das Internet Kontakte zu pflegen, Unterhaltung oder Nachrichten zu konsumieren oder zu shoppen. Gerade jetzt in der Krise findet vieles, was früher im Alltag passiert ist, nur noch im Internet statt.

Was raten Sie Senioren, die auch ins Internet wollen?
Einfach ausprobieren und drauflos klicken. Man kann eigentlich nichts Falsches klicken oder etwas für immer löschen. Viele Jüngere legen online einfach drauflos, die Älteren sorgen sich eher und überlegen bei jedem Klick zweimal.

Fake News: Faktencheck und gesunder Menschenverstand

Aber wir warnen in dieser Zeitung auch immer wieder vor den Gefahren des Internets.
Ich glaube, dass Ihre Leser sich nicht auf dubiosen Seiten herumtreiben. Sonst reicht völlig aus, was ein neuerer Laptop oder ein Smartphone serienmäßig an Schutz installiert haben. Da bin ich pragmatisch, wenn Sie das updaten, reicht das. Wenn es darum geht, Anhänge in E-Mails von unbekannten Absendern zu öffnen oder persönliche Daten anzugeben, sollte man versuchen, mit gesundem Menschenverstand heranzugehen und kurz nachzudenken. Wer sich unsicher ist, einfach jemanden fragen, zum Beispiel uns, manchmal kann auch der Nachbar weiterhelfen.

Gibt es Apps, also Anwendungen, die besonders für Senioren geeignet sind?
Ich kann da keine grundsätzliche Empfehlung aussprechen. Bei unserer Telefonberatung schauen wir, was der Mensch machen möchte und versuchen abzuklären, was sein Umfeld nutzt. Wenn die Kinder, mit denen ich Bilder hin- und herschicken möchte, Whatsapp haben, dann macht es Sinn, sich diese App auch zu holen. Ich finde zum Beispiel die Tagesschau-App nützlich, weil ich jederzeit die Tagesthemen sehen kann und Eilmeldungen bekomme. Andere würden das vielleicht stressig finden, ständig informiert zu werden.

Wer im Netz unterwegs ist, begegnet oft Fake News – ohne sie unbedingt als solche zu erkennen.
Ja, gerade in Zeiten der Krise sind die Menschen besonders anfällig. Das kann der Facebook-Beitrag sein, bei dem man scheinbar ein E-Bike gewinnen kann, aber auch scheinbar nachrichtliche Beiträge. Das Internet ist nicht kuratiert wie eine Zeitung. Wir raten dazu, zu schauen, von wem das kommt: Hat die Seite ein Impressum? Was wird dort sonst so verbreitet? Dann sollte man den Faktencheck machen, ob es weitere Quellen gibt. Und sich zum Schluss die Bilder anschauen, ob die womöglich aus dem Zusammenhang gerissen sind, diese bei Google in die Bildersuche ziehen, ob sie überhaupt bei diesem Ereignis gemacht wurden.

Häufigste Frage: Die E-Mail-Adresse

Was sind die Probleme, mit denen sich die Münchner an Sie wenden?
Der Klassiker ist die E-Mail-Adresse. Ob man eine hat und wie man sie bekommt.

Und was sagen Sie?
Meist dauern die Telefonate rund eine Stunde. Aber wer ein Smartphone hat, hat meist schon eine E-Mail-Adresse. Oft ist sie mit einem Brief gekennzeichnet. Wir probieren dann Dinge aus, ich schicke dem Anrufer eine Mail, er schreibt mir eine. Wenn man das ein bisschen übt, klappt das schon.

Das heißt, nach dem Telefonat mit Ihnen geht die Arbeit erst richtig los?
Ja, aber das macht ja auch Spaß, sich im Internet zu bewegen. Ich wünsche mir, dass Kinder, Freunde, Nachbarn, die schon fit im Internet sind, auf Senioren in ihrem Umfeld zugehen und ihnen helfen.

Lesen Sie hier: Corona-Krise - Hilfsangebote und Tipps für Senioren

Lesen Sie hier: Coronavirus-News - Deutlicher Anstieg der Neu-Infektionen in München

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