Bei Pegida-Aufmarsch: Polizei sperrt Viscardigasse

Pegida hetzt vor der Feldherrnhalle und die Polizei sperrt die Viscardigasse – eine historisch schwierige Konstellation.
| Florian Zick
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Die Viscardigasse am Montag: von der Polizei versperrt. Links oben: Das frühere Ehrenmal an der Feldherrnhalle: Wer hier nicht den Hitlergruß zeigen wollte, nahm die sogenannte Drückebergergasse.
M. Offman/ho Die Viscardigasse am Montag: von der Polizei versperrt. Links oben: Das frühere Ehrenmal an der Feldherrnhalle: Wer hier nicht den Hitlergruß zeigen wollte, nahm die sogenannte Drückebergergasse.

München - Es soll kein Vorwurf an die Polizei sein, sagt Stadtrat Marian Offman (CSU). Aber die Viscardigasse zu sperren, während Pegida-Aktivisten ein paar Meter weiter ihre ausländerfeindlichen Parolen skandieren, das, sagt Offman, sei zumindest ein schwerer Fall von gedankenloser Geschichtsvergessenheit. Die Viscardigasse ist vielen besser bekannt als Drückebergergasse. Die Nazis hatten 1933 an der Ostseite der Feldherrnhalle ein Ehrenmal für die getöteten Teilnehmer am Hitlerputsch aufgestellt. Von Passanten wurde an dieser Stelle fortan eine huldigende Geste in Form des Hitlergrußes erwartet. Wer sich dem entziehen wollte, bog kurz vor der Feldherrnhalle von der Residenzstraße in ebenjene Viscardigasse ab – welche dadurch zu ihrem Spitznamen kam.

Auch am Montagabend hätte man die Viscardigasse nutzen können. Dieses Mal, um den mit Rechtsradikalen und Neonazis durchsetzten Pegida-Aufmarsch zu umgehen. Doch die Gasse war gesperrt. „Wenn man das im historischen Kontext sieht“, sagt Offman, „ist das schwer irritierend.“

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Einigen Münchnern ging es da offenbar ebenso wie Offman. Sie setzten sich über die Anweisungen der Polizei einfach hinweg, quetschten sich durch die Absperrgitter und hinterliefen somit die Pegida-Demo. Auch einige Polizisten zeigten sich betroffen, als Offman ihnen die geschichtliche Bedeutung der Drückebergergasse erklärte. „Die wurden sehr nachdenklich“, sagt der 67-Jährige, und hätten die Menschen daraufhin auch nicht aufgehalten, die den Weg durch die Gasse suchten.

Die Polizei erklärte auf AZ-Anfrage, die Viscardigasse sei nur kurzzeitig gesperrt worden. Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten hätte in der Residenzstraße versucht, den Aufmarsch von Pegida zu verhindern. Um den Überblick behalten zu können, sei daraufhin die Viscardigasse abgeriegelt worden – aber eben nur zwischenzeitlich.

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Offman will diese Beteuerung nicht so ganz glauben. Er geht vielmehr davon aus, dass die Gasse den ganzen Abend dicht war. Es geht ihm, wie er betont, aber auch gar nicht darum, der Polizei Vorwürfe zu machen. Nur etwas mehr Sensibilität für die Münchner Gegebenheiten, die dürfte schon sein. Dass wieder Neonazis unbehelligt vor der Feldherrnhalle aufmarschieren dürfen, sei schließlich schon schlimm genug, sagt Offman. Da muss nicht auch noch so etwas vorfallen wie am Montagabend.

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