Bei Müller-Brot: Söders Mann fürs Grobe

Einst kümmerte sich Michael Höhenberger um Gabi Pauli und jetzt um die Gesundheit. Wie nebenbei informierte er die Abgeordneten über„Käfer, Motten und Schadnager”.  
| Angela Böhm
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Einst der Ausputzer Edmund Stoibers: Michael Höhenberger (r.) ist jetzt Söders Mann fürs Grobe.
dpa Einst der Ausputzer Edmund Stoibers: Michael Höhenberger (r.) ist jetzt Söders Mann fürs Grobe.

Einst kümmerte sich Michael Höhenberger um Gabi Pauli und jetzt um die Gesundheit. Wie nebenbei informierte er die Abgeordneten über„Käfer, Motten und Schadnager”.

MÜNCHEN - Markus Söder hat Glück. Im „Grünen Salon” der Residenz bilanziert er die Besucher der Schlösser und feiert sich, den Finanzminister, als „Lordsiegelbewahrer der bayerischen Tradition”. Maden, Mäusekot und Kakerlaken bei Müller-Brot passen da nicht ins Bild. Auch wenn er als „Lebensminister” bis vor drei Monaten dafür zuständig war. Wann er über den Ekel- Zustand informiert wurde? Söder schweigt. Zuständig in seinem damaligen Ministerium war Michael Höhenberger, Edmund Stoibers Ausputzer.

„Edis Vasallen” nennen sie ihn. Bei Markus Söder, dem „letzten Stoiberianer”, fand der CSU-Mann Unterschlupf als Ministerialdirektor. Höher geht’s für einen Beamten nicht mehr. 30 Jahre lang war Höhenberger Stoibers rechte Hand und am Ende der Auslöser für seinen Niedergang. Er horchte einen CSU-Spezl über das Privatleben der damaligen Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli aus, als die seinem „Chef” mit ihrer Kritik zu gefährlich wurde. Stoiber habe nichts gewusst, versicherte Höhenberger.

Das war nicht das erste Mal. Als Stoiber 1991 noch Innenminister war, hatte er für ihn eine Analyse über die mögliche Ausweitung der CSU in die neuen Bundesländer verfasst. Der Filz zwischen Staats- und Parteiarbeit flog auf. Höhenberger schützte seinen Chef: Der habe natürlich von alledem nichts gewusst. Er habe die Arbeit in seiner Freizeit gemacht.

Geschadet hat’s ihm nie. Nach dem Pauli-Skandal verschwand Höhenberger kurz in der Versenkung, bis er zum Ministerialdirektor in Söders Gesundheitsministerium befördert wurde.

Im Landtag legt Höhenberger seitdem den Jahresbericht des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vor. Zuletzt am 7. Juli 2011. Wie nebenbei informierte er die Abgeordneten, dass in vier Bäckereien von der Spezialeinheit „Käfer, Motten und Schadnager” aufgespürt wurden. Als „lässliche Sünden” tat er das ab. Das „Hygienebewusstsein” habe sich „deutlich verbessert”. Von dem seit 2009 schwelenden Ekel-Skandal bei Müller-Brot sagte er nichts.

Die Abgeordneten wollen am Donnerstag im Umweltausschuss Antworten. Der Chef des Gremiums, Christian Magerl (Grüne): „Wir wollen endlich wissen, warum die Verbraucher nicht rechtzeitig informiert wurden.”

Söder würde seine Vergangenheit lieber vergessen. Er hat sich eine Antwort auf alle Fragen zurechtgelegt: „Es war alles im Einklang mit geltendem Recht.”

Inzwischen wird ein Gutachten vom 1. Februar 2012 laciert, das offensichtlich Müller-Brot in Auftrag gegeben hat. Es habe zwar in mehreren Bereichen einen aktiven Schabenbefall gegeben, heißt es darin. Mäusekot habe man aber keinen gefunden. Den habe die Spezialeinheit des Landesamts erst nach intensiver Suche vereinzelt nachweisen können.

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