Baywa vor Klagewelle? Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Manager

Die Schieflage des Münchner Traditionskonzerns ist noch längst nicht behoben. Baywa muss eine Klagewelle befürchten und muss selbst für das Agrargeschäft Standorte schließen. Was die Krise der Aktiengesellschaft mit Donald Trump zu tun hat – und wann es mehr Klarheit über Baywas Zukunft geben wird.
von  Ralf Müller
Die Basis von Baywa, das Agrargeschäft in Bayern, läuft ebenfalls nicht gut. Baywa-Standorte in Scheßlitz, Neu-Ulm, Obertraubling, Kronach und Schwandorf wurden bereits im vergangenen Jahr geschlossen.
Die Basis von Baywa, das Agrargeschäft in Bayern, läuft ebenfalls nicht gut. Baywa-Standorte in Scheßlitz, Neu-Ulm, Obertraubling, Kronach und Schwandorf wurden bereits im vergangenen Jahr geschlossen. © - (Ukrinform)

Seit zwei Jahren schwelt die Krise beim bayerischen Agrar-Traditionskonzern Baywa AG, ohne dass ein Sanierungsdurchbruch erkennbar wäre. "Ein Jammertal", fasst Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Lage zusammen: "Wir warten noch auf den nächsten Jahresabschluss, und dann wird es losgehen."

Mit "losgehen" meint die Münchner Rechtsanwältin die Schadenersatzklageflut, welche von den Anlegern der Baywa gegen die ehemaligen Baywa-Topmanager, aber auch gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ausgelöst werden könnte. Ob alle Beteiligten immer alles richtig gemacht und kommuniziert haben, prüft die Staatsanwaltschaft München I.

Donald Trumps energiepolitischer Kurs schadet Baywa

Sie hat Ermittlungsverfahren gegen ehemalige Baywa-Manager wie Ex-Vorstandschef Klaus Josef Lutz und Ex-Finanzvorstand Marcus Pöllinger wegen des Verdachts der Untreue oder Bilanzmanipulation eingeleitet, deren Abschlüsse noch auf sich warten lassen.

Käme es zur Anklage oder auch nur einem Strafbefehl, wären zivilrechtliche Schadenersatzklagen von Anlegern die logische Folge. Drohende Schadenersatzforderungen sind für die Krisenmanager der Baywa derzeit aber die geringere Sorge. Das ursprüngliche Sanierungskonzept, das im Schatten eines Schuldenbergs in Höhe von fünf Milliarden Euro mühsam mit den Großaktionären und Banken erarbeitet wurde, ist im Grunde obsolet geworden.

Daran ist auch US-Präsident Donald Trump schuld, der einen zerstörerischen Kurs gegen Erneuerbare Energien fährt. Die seinerzeit mit großen Erwartungen als aussichtsreiches neues Baywa-Standbein aus der Taufe gehobene Tochter "Baywa renewable energy", deren Verkauf die Schuldenlast um 1,3 Milliarden Euro reduzieren sollte, ist ohne gewaltige Abschläge nicht an einen Investor zu bringen.

US-Präsident Donald Trump fährt einen zerstörerischen Kurs gegen Erneuerbare Energien. Das trifft auch die Verkaufspläne der Baywa AG.
US-Präsident Donald Trump fährt einen zerstörerischen Kurs gegen Erneuerbare Energien. Das trifft auch die Verkaufspläne der Baywa AG. © Mark Schiefelbein/AP/dpa

Baywas Bereinigung des Portfolios stößt auf Hindernisse

Der Verkauf der Beteiligung war ein wichtiger Baustein des Sanierungskonzepts, das eine Reduzierung der Schulden bis 2028 um 3,7 Milliarden Euro vorsah. Die Baywa r.e. werde "profitabel wirtschaften, jedoch mit geringeren Ergebnissen als bisher prognostiziert", heißt es in der jüngsten Quartalsmitteilung des Agrarkonzerns.

Der größte Verkaufscoup, der den Sanierern bisher gelungen ist, war die Veräußerung der niederländischen Tochtergesellschaft Cefetra mit Sitz in Rotterdam, die zusammen mit anderen Verkäufen die Schuldenlast der Baywa AG um etwa 1,3 Milliarden Euro reduziert hat.

Die Baywa ist in einer schweren Krise. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Baywa-Manager wie Ex-Vorstandschef Klaus Josef Lutz und Ex-Finanzvorstand Macus Pöllinger wegen des Verdachts der Untreue oder Bilanzmanipulation.
Die Baywa ist in einer schweren Krise. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Baywa-Manager wie Ex-Vorstandschef Klaus Josef Lutz und Ex-Finanzvorstand Macus Pöllinger wegen des Verdachts der Untreue oder Bilanzmanipulation. © Daniel Karmann/dpa

Eine weitere "Portfoliobereinigung" stößt aber nicht nur in Sachen Baywa r.e., sondern auch beim Verkauf des an sich profitablen Obstvermarkters T&G Global (Sitz: Auckland) auf Hindernisse. Im Fall von T&G legt sich angeblich ein chinesischer Mitgesellschafter quer, der einen Anteil von etwa 20 Prozent hält.

Baywa hat auch Probleme im Agrargeschäft

Während sich die Sanierer mit weltweiten Transaktionen herumschlagen, bröselt es an der ureigensten Baywa-Basis, nämlich dem Agrargeschäft in Bayern. Baywa-Standorte in Scheßlitz, Neu-Ulm, Obertraubling, Kronach und Schwandorf wurden bereits im vergangenen Jahr geschlossen. 2026 stehen Hersbruck und Regen auf der Liste. Bundesweit sieht der Sanierungsplan die Schließung von 26 Standorten vor.

Während die Mitarbeiter aufgegebener Standorte oft auf andere verteilt werden können, müssen viele Beschäftigte in der als aufgebläht geltenden Münchner Zentrale um ihre Jobs bangen. Die Mehrzahl der 1300 Arbeitsplätze, die laut Sanierungsplan gestrichen werden, betreffen den Münchner Hauptsitz. Insgesamt arbeiten in Deutschland 8000 Menschen für die Baywa, weltweit mehr als 20.000.

Dass die Verwerfungen im Konzern das Vertrauen der Landwirte in ihren traditionellen Agrarhandelspartner nicht stärken und Angst vor Zahlungsausfällen ausgelöst haben, war voraussehbar. So droht der Baywa das Abbröckeln ihres Kerngeschäfts mit Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie dem Ankauf von Getreide, Mais und Raps.

Die Probleme der Baywa haben die Agravis Raiffeisen AG mit Sitz in Münster auf die naheliegende Idee gebracht, sich im Süden Deutschlands als Alternative zur Baywa anzubieten. Bemerkenswert: Die Agravis gehört ebenso zum Raiffeisenverbund wie die beiden Baywa-Ankeraktionäre Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest GmbH (RAI). Agravis kündigte auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz eine strategische Marktoffensive in Süddeutschland an.

Ende des Jahres soll es über Baywa mehr Klarheit geben

So wie es derzeit aussieht, ist der ursprüngliche Sanierungsplan der Baywa nicht einzuhalten. Das wird das Management erst im zum Herbst erwarteten Jahresabschluss 2025 eingestehen und gleichzeitig einen neuen Plan mit weiteren Stillhalteabkommen mit den Gläubigerbanken vorlegen müssen. Erst gegen Ende des Jahres soll es eine Jahreshauptversammlung geben.

Der zur Sanierung eingesetzte Vorstandschef Frank Hiller musste im Januar dieses Jahres nach nur zehn Monaten im Amt die Baywa verlassen. Grund war angeblich ein Strategiekonflikt mit den Großaktionären aus dem Genossenschaftssektor.  

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