Bayerns Abgeordnete ziehen in Likör-Fabrik

Der Landtag mietet die Praterinsel für Wohnbüros, rund 40 Abgeordnete sollen in die berühmte Likörproduktionsstätte des Münchner Spirituosenfabrikanten Anton Riemerschmid ziehen. Mit einem schockierenden Nachbarn.
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Die Angeordneten ziehen ab Juni 2011 in die Spirituosenfabrik
Mike Schmalz / Ronald Zimmermann Die Angeordneten ziehen ab Juni 2011 in die Spirituosenfabrik

MÜNCHEN - Der Landtag mietet die Praterinsel für Wohnbüros, rund 40 Abgeordnete sollen in die berühmte Likörproduktionsstätte des Münchner Spirituosenfabrikanten Anton Riemerschmid ziehen. Mit einem schockierenden Nachbarn.

Bayerns Landtagsabgeordnete müssen ab in die Fabrik. Zum 1. Juni 2011 werden sie mit ihren Wohnbüros in die berühmte Likörproduktionsstätte des Münchner Spirituosenfabrikanten Anton Riemerschmid auf der Praterinsel umziehen. Dort wurde einst der berühmte Kräuterlikör Escorial Grün hergestellt. Ob sie sich auch mit ihren neuen Nachbarn grün sind, wird sich erst zeigen. Provokationskünstler Wolfgang Flatz (58), der gerne schockt, hat hier sein Atelier. Sein berühmtester Slogan: „Fressen, Ficken, Fernsehen“, den er für eine Postkarte in Schwarz, Rot, Gold gestaltete.

Rund 40 Volksvertreter sollen hier zwischen Kunst und Party eine neue Heimat finden, wenn sie in München regieren. Sie waren bisher rund um den Landtag auf zwei Gebäude in der Max-Planck und der Ismaninger Straße verteilt. Ihre alten Wohnbüros sind abgenutzt und nicht mehr zumutbar. Wegen Legionellen-Befalls hieß es bei manchen sogar: „Duschen nur auf eigene Gefahr.“

Seit Jahren gibt es ein Hin und Her um die von der Isar umspülte Insel. Sie zählt zu den Top-Adressen Münchens. Ein Projekt als Museumsinsel scheiterte. Die Künstler, die dort ihre Ateliers hatten, sind bis auf Flatz ausgezogen. Seit Jahren wird nach einem Käufer gesucht. Zuletzt wollte der italienische Geschäftsmann Franco Levis die alte Likörfabrik übernehmen, auf dessen großzügige Versprechungen auch die Spielvereinigung Unterhaching hereingefallen war. Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag schloss er den Kaufvertrag ab, zahlte aber nicht. Gegen Levis ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Der Kaufvertrag aber konnte rückabgewickelt werden.

Haupteigentümer sind je zur Hälfte eine dänische und eine holländische Pensionskasse. Die Augsburger Patrizia Immobilien AG hält gut sechs Prozent, managt aber die Immobilie und sucht Mieter. Der Landtag will das Haus Nummer 2 mit 1500 Quadratmetern Nutzfläche übernehmen und bis 2019 anmieten. Es geht nur noch um Formalien. Die Patrizia wird das Gebäude für die Abgeordneten herrichten. Luxuriös aber wird das nicht. Nicht alle Wohnbüros bekommen einen eigenen Sanitärbereich. Die Miete müssen die Abgeordneten aus der eigenen Tasche bezahlen.

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