Bayernkaserne: Wo aus Schuttbergen neue Häuser werden

Der alte Beton der Bayernkaserne wird recycelt und neu verbaut. Die Dimensionen sind einzigartig und nun geht es los.
| Christina Hertel
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So sieht die Baustelle derzeit aus.
So sieht die Baustelle derzeit aus. © Daniel von Loeper

München - Aus alten Militärbaracken soll auf dem Areal der Bayernkaserne ein neues Viertel für 15.000 Menschen entstehen. Um all den Schutt zu entsorgen, der beim Abriss der alten Gebäude anfällt, müsste ein Lastwagen etwa 82 mal um die Erde fahren. So heißt es in Unterlagen des Kommunalreferats. Diese Fahrten will sich die Stadt sparen. Der Bauschutt wird deshalb noch vor Ort recycelt. Das sei ein Projekt, bei dem München eine "Vorreiterrolle" einnehme, wie es Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) ausdrückt.

Bauschutt-Recycling spart jede Menge Geld

Denn das Recycling spart nicht nur Ressourcen und Transportwege, sondern auch viel Geld: 11,5 Millionen Euro können wohl eingespart werden, wenn nicht ständig Material entsorgt und wieder herangekarrt werden muss.

Baustelle hinter der Mauer nahe der Bayernkaserne.
Baustelle hinter der Mauer nahe der Bayernkaserne. © abz

Bereits 2019 stellte das Kommunalreferat diese Pläne vor. In der Zwischenzeit wurde an dem Recyclingkonzept geforscht und getüftelt. Und nun beschloss der Stadtrat in einer nicht-öffentlichen Sitzung, dass das Bau-Recycling tatsächlich angewendet werden soll.

Ziel muss es sein, beim Bau von Straßen und Plätzen sowie Grünanlagen das Recyclingmaterial einzusetzen, so heißt es in den geheimen Sitzungsunterlagen, die der AZ vorliegen. Als weitere Beispiele werden das Jugendzentrum und die Feuerwehr genannt. Auch bei einer Schule soll der Einsatz des Materials geprüft werden.

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Das ist innovativ: Denn bis jetzt wird in Bayern recycelter Schutt fast ausschließlich für den Straßenbau verwendet, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Auf der Bayernkaserne sollen jedoch auch Wohnhäuser daraus gebaut werden.

Die GWG, die städtische Wohnungsbaugesellschaft, habe sich bereits verpflichtet, recyceltes Baumaterial zu verwenden, erzählt Bauingenieur Daniel Rank, der bei der Stadt das Projekt leitet.

Trotz bestandener Prüfungen sind Bauträger vorsichtig

Mit anderen Bauträgern gibt es allerdings noch keine Verträge. "Obwohl der Recycling-Beton allen Prüfungen standhielt, sind viele Bauträger noch vorsichtig", sagt Rank. "Denn sie haben noch keine oder nur wenig Erfahrungen mit dem Material." Um diese Bedenken auszuräumen, bauen Architektur- und Bauingenieursstudenten gerade einen Musterraum aus dem neuen Baustoff. Danach, hofft Rank, soll es richtig losgehen mit dem Bauschutt-Recycling.

Denn bis jetzt seien etwa 20.000 Tonnen Recycling-Beton auf der Bayernkaserne hergestellt worden. Mit diesem Material wurde bisher vor allem Baustellensicherung betrieben - und erste Erfahrungen gesammelt. So schildert es Rank. Doch in Zukunft sollen aus dem Material auch Gebäude errichtet werden. Insgesamt kann aus altem Schutt etwa 200.000 Tonnen neuer Beton entstehen.

So wird der Bauschutt auf der Bayernkaserne recycelt.
So wird der Bauschutt auf der Bayernkaserne recycelt. © Daniel Rank/ Stadt München

Neben Beton wird aus dem alten Schutt auch Schüttmaterial für den Straßen- und Wegebau sowie Substrate zum Beispiel für Pflanzenerde produziert. Insgesamt macht das eine Menge von 600.000 Tonnen an Baustoff. Allerdings ist das gerade mal die Hälfte dessen, was insgesamt an Abbruchmaterial anfällt. Der Rest sei schadstoffhaltig oder ungeeignet.

Um all die neuen Wohnhäuser zu bauen, reicht der Bauschutt der alten Kaserne ohnehin nicht: 3,9 Millionen Tonnen sind dafür notwendig. Aus Ranks Sicht kann das Projekt deshalb nur ein Anfang sein. Er wünscht sich einen unabhängigen Recyclinghof, wo geeigneter Schutt aufgearbeitet wird.

Julia Schmitt-Thiel (SPD).
Julia Schmitt-Thiel (SPD). © privat

Auch Julia Schmitt-Thiel, die Umwelt-Expertin der Stadtrats-SPD, fordert ein Umdenken. Statt billige Verbundstoffe solle die Stadt wieder auf natürliche Ressourcen setzen. Denn, dass sich die alten Kasernen so gut recyceln lassen, habe einen Grund: "1936 gab es noch keinen Asbest."

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