Baum-Massaker im Münchner Westen? Warum jetzt Hunderte Eschen fallen

In dem historischen Park stehen unter anderem 160 Eschen auf der Abholzliste. Und auch im Hartmannshofer Park sollen ab dieser Woche Dutzende Bäume gefällt werden. Das sind die Gründe.
von  Nina Job
Der Nymphenburger Schlosspark (hier mit Pagodenburg) ist berühmt für seinen uralten Baumbestand.
Der Nymphenburger Schlosspark (hier mit Pagodenburg) ist berühmt für seinen uralten Baumbestand. © IMAGO/Sandra Alkado

Ab dieser Woche müssen Besucher, die durch den Nymphenburger Schlosspark wandeln oder im Landschaftsschutzgebiet Hartmannshofer Park spazieren gehen, stark sein. Dort werden in den kommenden Tagen und Wochen jahrzehntealte Bäume gefällt. Allein im Nymphenburger Schlosspark stehen 160 Eschen auf der Abholzliste. Im Hartmannshofer Park, der nördlich von Schloss Nymphenburg, Botanischem Garten und Kapuzinerhölzl liegt, sollen rund 40 Eschen plus weitere Bäume gefällt werden.

Auch anderswo – wie hier im Ruhrgebiet – werden erkrankte Eschen abgeholzt.
Auch anderswo – wie hier im Ruhrgebiet – werden erkrankte Eschen abgeholzt. © IMAGO/Morris Willner

Dass die große Baumfällaktion vorwiegend Eschen trifft, liegt an einem asiatischen Pilz mit dem harmlos klingenden Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus). 2002 wurde der Pilz erstmals in Deutschland nachgewiesen, seitdem hat er sich dramatisch verbreitet. Unzählige Eschen sind bereits gestorben.
Junge Bäume rafft er meist schnell dahin, bei den alten schleicht sich der Tod langsam an.

Eindämmen lässt sich das Eschentriebsterben bislang nicht. Laut dem Bundesverband Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist der Einsatz von Fungiziden und Pflanzenschutzmitteln nicht sinnvoll. Kurzfristige Lösungen gebe es bislang nicht – obwohl mehrere große Studien zu dem Thema laufen.

Auch in und um München und in den Parks hat der Pilz sich ausgebreitet. Das Eschentriebsterben "schädigt die Kronen stark und verursacht durch Folgeschädlinge, wie den Hallimasch-Pilz, erhebliche Wurzelschäden", erläutert die Schlösserverwaltung.

Untrügliches Zeichen, dass eine Esche von dem gefährlichen Pilz befallen ist: Die Krone wird kahl.
Untrügliches Zeichen, dass eine Esche von dem gefährlichen Pilz befallen ist: Die Krone wird kahl. © IMAGO/Hans-Jürgen Serwe

"Die Stand- und Bruchsicherheit dieser Bäume ist dadurch nicht mehr gewährleistet." Die große Baumfällaktion sei also auch zum Schutz der Parkbesucher notwendig. Sie diene "der Verkehrssicherheit" – und "langfristig dem Erhalt des Baumbestandes", so die Schlösserverwaltung.

Außer den kranken oder bereits abgestorbenen Eschen müssen auch einige Linden gefällt werden, teilte die Schlösserverwaltung weiter mit. Die Linden seien durch Mistelbefall (Viscum alba) geschwächt und somit insbesondere in Trockenperioden anfälliger.

Aber auch einige jüngere Bäume müssen weichen, da sie "wertvolle oder denkmalpflegerisch bedeutende Gehölze beeinträchtigen". Zudem soll die historische Zusammensetzung der Baumarten im Gartendenkmal erhalten bleiben.

Prächtige Alleebäume und teils uralte Solitäre zeichnen den Park am Schloss Nymphenburg aus.
Prächtige Alleebäume und teils uralte Solitäre zeichnen den Park am Schloss Nymphenburg aus. © imago/Hanna Wagner

Die Baumfällarbeiten im Nymphenburger Schlosspark und im Hartmannshofer Park beginnen an diesem Montag, 12. Januar – außerhalb der Vogelbrutzeit. Die Schlösserverwaltung bittet nun die Parkbesucher um Verständnis für vorübergehende Einschränkungen und Absperrungen während der Arbeiten.

Im Frühjahr sollen Bäume nachgepflanzt werden: verschiedene Eschenarten, die ursprünglich aus Nordamerika stammen – und die wohl weniger anfällig sind für den Pilz.

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