Interview

"Kann man sich nicht besser wünschen": "Bares für Rares"-Star Julian Schmitz-Avila bewertet Schmuckstücke in München

TV-Händler Julian Schmitz-Avila von "Bares für Rares" bewertet auf der Munich Show in Riem Schmuck, Edelsteine und Nachlässe. Mit Voranmeldung schätzen er und sein Team Herzensstücke, erzählen die Geschichten dahinter und erklären, woran man seriöse Händler erkennt.
von  Hüseyin Ince
Julian Schmitz-Avila ist eigentlich zuhause in Bad Breisig, das liegt zwischen Bonn und Koblenz. Doch er ist im Grunde ständig unterwegs in ganz Deutschland.
Julian Schmitz-Avila ist eigentlich zuhause in Bad Breisig, das liegt zwischen Bonn und Koblenz. Doch er ist im Grunde ständig unterwegs in ganz Deutschland. © Julian Schmitz-Avila

Julian Schmitz-Avila (40) ist in ganz Deutschland als Händler in der beliebten ZDF-Sendung "Bares für Rares" bekannt. Er kennt sich mit antiken Möbeln, aber auch mit Edelsteinen aus. Und bald ist er in München auf der Messe zu sehen.

Der "Bares für Rares"-Star hat zum sechsten Mal auf der Messe Munich Show (ab 22. Oktober) neben der Stephan Hermann GmbH einen eigenen Stand. Dort geht es um Edelsteine. Mit Voranmeldung kann man hier seine Herzensstücke von Schmitz-Avila und seinem Team bewerten lassen oder bei Interesse an ihn verkaufen. Alles anbieten, was man problemlos tragen kann, ist nur die Vorgabe. Die AZ konnte den Rheinländer im Vorfeld sprechen.

Herr Schmitz-Avila, verfolgt Sie Ihre Bekanntheit manchmal?
JULIAN SCHMITZ-AVILA: Täglich! Am Samstag ging ich in Bad Breisig – das ist zwischen Bonn und Koblenz – zum Brötchen holen. Da bin ich natürlich im Fokus, wenn ich aus dem Haus gehe und da werde ich angesprochen. Aber das freut mich auch immer.

Welche Fragen bekommen Sie?
Natürlich geht es um "Bares für Rares". Und da hab ich ja Glück, es ist eine tolle Sendung. Wir sind fair und führen niemanden vor. Da wird dann beim Bäcker gefragt: Wann kommt die nächste Sendung, ist der Horst (Lichter) wirklich so, wie er im Fernsehen ist? Und: Wisst Ihr wirklich vorher nie, was auf den Auktionstisch kommt?

"Das kann man sich als Händler nicht besser wünschen"

Und was ist die Antwort?
Horst ist sogar noch viel sympathischer als im Fernsehen! Und nein, wir wissen nie, was auf dem Tisch landet. Wir müssen den Raum verlassen, wenn die Sendung vorbereitet wird. Wenn es nach Benzin riecht, weiß ich, dass wohl keine Kommode kommt. Das ist auch das Geile. Immer kuratierte Stücke. Das kann man sich als Händler nicht besser wünschen.

Der Überraschungseffekt ist bei der Munich Show auch groß, oder?
Absolut. Oft steckt hinter einem spannenden Stück eine tolle Geschichte. Seit 2019 bin ich daher in München dabei.

Da dürfte sich eine riesige Schlange bilden, bei Ihrer Bekanntheit.
Zum Glück nicht. Bei den ersten Ankaufstagen ist es tatsächlich ausgeufert. Da kam vereinfacht gesagt Tante Erna mit dem Bollerwagen und brachte ihr gesamtes Porzellan mit. Inzwischen haben wir es reguliert mit einer kleinen Voranmeldung. Aber das interessiert viele Leute nicht und sie kommen trotzdem ohne Vorankündigung. Aber auch das lösen wir immer irgendwie. Auf der Messe in Gießen kam mal unangekündigt eine Frau mit Porzellan aus Ungarn. Eigentlich kaufe ich selten Porzellan an. Aber auch da haben wir uns auf einen Preis geeinigt.

"Ich hatte mal die Stimmgabel von Ludwig II."

Was ist der Schwerpunkt in München?
Natürlich Schmuck. In allen Facetten.

Welche Stücke sind das?
Wir machen viel Nachlassbewertung. Oft kommt die Erbengemeinschaft mit dem Schmuck der Großmutter zum Beispiel. Da geht es dann um faire Aufteilung zwischen den Geschwistern. Es waren auch schon Hochadelige da, die sich mit falschem Namen angemeldet haben. Einmal konnte ich eine Sammlung von Ludwig II. kaufen.

Ludwig II., vom bayerischen König? Was war da dabei?
Eine Stimmgabel zum Beispiel, die ist schon weiterverkauft. Mit Ludwig-II.-Emblem und mit Diamanten besetzt. Er war ja großer Musikliebhaber. Eine Taschenuhr von Ludwig II. wurde mir mal angeboten, aber da hatten wir unterschiedliche Preisvorstellungen. Ich finde die Figur Ludwig II. extrem interessant. Auch sein Tod wirkt ja bis heute geheimnisvoll. Ich habe inzwischen schon mal das Tagebuch seines Leibarztes gesehen.

"Einmal durfte ich einen goldenen Legostein kaufen"

Was war in den sechs Jahren Munich Show Ihr Highlight?
Wir haben mal sieben interessante Uhren gekauft, aus den 60ern und 70ern sowie den 80ern, alle noch original verpackt. Letztes Jahr habe ich mal einen Hausverkauf vermittelt. Einmal durfte ich einen goldenen Lego-Stein ankaufen. Es eröffnet sich jedes Mal eine Schatzkammer. Wenn es Gegenstände sind, die wir gut weiterverkaufen können, zahlen wir auch gerne gutes Geld.

Was sind die Herausforderungen?
Zurzeit ist es der Materialwert. Oft übersteigen die aktuell hohen Materialpreise den ursprünglichen Wert des Gegenstandes. Deshalb gehen auch viele schöne Stücke verloren, weil sie häufig eingeschmolzen werden.

"Wichtig ist, dass die Händler zertifiziert sind"

In Ihrem Beruf gibt es häufig unseriöse Geschäftsleute.
Deshalb versuche ich, dem Ganzen entgegenzuwirken. In Hamburg, Gießen und Koblenz bin ich regelmäßig auf ähnlichen Messen wie der Munich Show. Wichtig ist, dass die Leute zertifiziert und geprüft sind. Ich habe zum Beispiel ein IHK-Zertifikat: Allgemein öffentlich bestellter und vereidigter Versteigerer. Das ist die höchstmögliche Prüfung. Auf solche Details sollte man achten.

Wie kommt es, dass Sie bei einer Mineralien- und Edelsteinshow auftreten?
Eigentlich bin ich ja Experte für antike Möbel aus dem 17. oder 19. Jahrhundert. Die Begeisterung dafür war schon früher da, nur das Wissen nicht. Ich habe mich ein wenig umgestellt, als ich Kontakt zur Firma Hermann bekam. Ich wollte mich dafür zertifizieren lassen und bin nach Idar-Oberstein gefahren, dem Mekka für Diamanten und Edelsteine. Dort ließ ich mich zum Diamantgutachter ausbilden, das war 2021.

Die Munich Show auf der Messe in Riem beginnt am 22. Oktober und endet am Sonntag. Ankaufstage bei Julian Schmitz-Avila sind Samstag und Sonntag, Voranmeldung unter Tel. 0261/133 08 52. Schmitz-Avila ist ab 22. Oktober in München und bei Bedarf jederzeit verfügbar, wie er am Telefon betonte. 

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