Motiv Mobbing? Münchner Bankangestellte soll fast 500.000 Euro gestohlen haben: Jetzt steht sie vor Gericht

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Vor dem Landgericht München I startete am Freitag ein Prozess gegen eine Bankangestellte, die fast eine halbe Million Euro aus dem Tresor ihres Arbeitgebers gestohlen haben soll. Laut Staatsanwaltschaft täuschte sie anschließend einen Raubüberfall vor.
Auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Michael Schönauer antwortet sie nur leise, sehr leise. Für die Zuhörer des Prozesses ist die angeklagte Maria P.(23) nur sehr schwer zu verstehen. Laut und deutlich dagegen ist ihr Verteidiger Santosh Gupta zu hören. Seine Mandantin gebe die Vorwürfe voll umfänglich zu, erklärt er.
Vorwurf: Diebstahl, Vortäuschen einer Straftat und Missbrauch von Notrufen
Der Vorwurf: Laut Anklage hat die junge Frau ihren Arbeitgeber, eine Bankfiliale in Obermenzing, um eine knappe halbe Million Euro gebracht, indem sie einen Bankraub vortäuschte und sich zuvor selber im Tresorraum am Bargeld der Bank bediente. Sie ist deswegen wegen Diebstahls, Vortäuschens einer Straftat und Missbrauchs von Notrufen angeklagt.
Ihr Notruf löste am 25. Oktober vergangenen Jahres einen großen Polizeieinsatz aus, bei dem sogar zwei Männer, auf die ihre angebliche Täterbeschreibung passte, festgenommen wurden.
Die Angeklagte ist geständig
Maria P. gibt zu, dass sie mit einem unbekannten Mittäter, den Namen will sie nicht nennen, den Tatplan geschmiedet habe. Sie selber bekam laut Anklage von den 459.940 erbeuteten Euro 80.000 Euro. Die 23-Jährige korrigiert die Ankläger in diesem Punkt. Sie habe tatsächlich 100.000 Euro erhalten. Wo der Rest ist, bleibt vorläufig ein Geheimnis.
Also wendet sich das Gericht ihrem Lebenslauf zu. Maria P. gibt an, dass sie eine schwere und auch von häuslicher Gewalt geprägte Kindheit gehabt habe. Ihre Mutter habe sich für einen neuen Partner entschieden und sie und ihre drei Schwestern allein gelassen.
Überfordert war sie auch im Beruf. Bei der Arbeit sei sie gemobbt worden, weil sie damals „deutlich über 100 Kilo“ wog. Auch nach einer Magenverkleinerung und drastischer Gewichtsabnahme hätten die „Hänseleien“ nicht aufgehört.
Sie sei oft mit allen Aufgaben allein gelassen worden und mit der Situation überfordert gewesen. Außerdem sei sie „privat in Kreise abgedriftet, was sie heute bereut“, sagt ihr Anwalt. Und weiter: „Das Ganze tut ihr natürlich jetzt rückblickend sehr leid.“
Freund und Komplize mitangeklagt
Mitangeklagt ist ihr 20-jähriger Freund, der Geld aus dem Diebstahl bekommen haben soll und wegen Begünstigung angeklagt ist. Er hatte das gestohlene Geld nach dem fingierten Banküberfall laut Anklage in einer Matratze in seiner Wohnung versteckt.
Nach dem Beginn der Beziehung mit ihm habe sie, die nach eigenen Angaben bei der Bank zuletzt zwischen 2300 und 2400 Euro netto verdiente, Schulden gemacht, sagt die 23-Jährige, unter anderem für Möbel, Klamotten, Mietautos und Online-Spiele.
Ein weiterer Vorwurf
Der jungen Frau wird in einem weiteren Fall das unrechtmäßige Eröffnen eines Girokontos für die Großmutter ihres Freundes in ihrer Bankfiliale zur Last gelegt. Dank des Kreditrahmens dieses Kontos wurden insgesamt 10.500 Euro vom Konto abgehoben. Der Bank sei dadurch ein Schaden in dieser Höhe entstanden. Ihr Freund soll geplant haben, mit diesem Geld ein Auto zu kaufen.
Das Gericht hat fünf Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte demnach am 24. September fallen.
Die Anklagebehörde wirft ihr unter anderem Diebstahl, Vortäuschen einer Straftat und Missbrauch von Notrufen vor. Ihr Freund und mutmaßlicher Komplize wird der Begünstigung beschuldigt. Das Gericht hat fünf Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte demnach am 24. September fallen.
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