AZ-Interview mit Münchens Polizeivizepräsident Werner Feiler

Polizeivizepräsident Werner Feiler geht zum 1. März in Ruhestand. Mit der AZ spricht er über seinen letzten großen Einsatz - die Sicherheitskonferenz. 
| Interview: Ralph Hub
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Für Polizeivizepräsident Werner Feiler (kleines Foto) wird die Münchner Sicherheitskonferenz der letzte große Einsatz sein.
Sven Hoppe/dpa,Polizei Für Polizeivizepräsident Werner Feiler (kleines Foto) wird die Münchner Sicherheitskonferenz der letzte große Einsatz sein.

Polizeivizepräsident Werner Feiler geht zum 1. März in Ruhestand. Der 61-Jährige schaffte es vom Streifenbeamten bis an die Spitze des Präsidiums. Mit der AZ spricht er über seinen letzten großen Einsatz - die Sicherheitskonferenz.

München - Werner Weiler im AZ-Interview: Der 61-Jährige ist seit 30 Jahren bei der Sicherheitskonferenz dabei. Heuer ist sein letzter Einsatz.

AZ: Herr Feiler, wie ist die Stimmung bei Ihnen?
WERNER FEILER: Jetzt, wo der Einsatz läuft, ist alles gut. Ich fühle mich wie ein Dirigent, der ans Pult tritt und sein Orchester fängt an zu spielen. Die Unruhe der letzten Tage ist vorbei. Da fragt man sich immer, haben wir an alles gedacht? Sind wir auf alles vorbereitet?

Wie läuft der Job als Einsatzleiter?
Viel Zeit, um durchzuschnaufen bleibt einem nicht. Von Freitagmorgen bis Sonntagnachmittag kommen da bei mir etwa 50 Stunden zusammen, in denen ich schaue, ob alles so klappt und abläuft, wie wir das geplant haben.

50 Stunden. Zusätzlich zu den Überstunden, die jeder Polizist hat. Wie hoch ist Ihr Berg?
Das hab’ ich nie nachgerechnet. Als ich 2013 vom Innenministerium ins Präsidium wechselte, waren es 3.000 Überstunden, die verfallen sind. Weiter möchte ich darüber nicht nachdenken.

Werner Feiler kann wütend werden?
Oh ja. Aber ich versuche, mich dann zusammenzureißen. Das klappt zwar nicht immer, aber meistens.

Bei der Protestdemo gegen die Siko sieht man Sie meist nur freundlich lächelnd.
Ich versuche, Menschen so zu behandeln, wie auch ich von ihnen behandelt werden möchte. Man muss nicht immer einer Meinung sein. Man kann sich auch streiten, aber das muss an der Sache orientiert sein. Es darf nie ins Persönliche abgleiten.

"Der Amoklauf 2016 war furchtbar"

Welche Siko war für Sie die Heikelste?
Das war ganz klar 2002. Nach den Ausschreitungen beim G8 Gipfel von Genua. ,Genua nach München holen’, lautete damals eine Parole. ,Feuer und Flamme für die Stadt’ eine andere. Wir hatten Hinweise, dass in München während der Siko schwere Krawalle angezettelt werden sollten. Daher kam es zum Demo-Verbot. Die Entscheidung der Gerichte halte ich noch heute für richtig. Die Leidtragenden waren damals all diejenigen, die friedlich ihren Protest in der Stadt zeigen wollten.

Und wie ist heute die Lage?
München hat eine tolle Protestkultur. Das haben wir bei vielen großen Demonstrationen gesehen. Auch die Proteste gegen die Siko verliefen die letzten Jahre erfreulich friedlich.

Die Siko bringt wichtige Leute in die Stadt, haben Sie einige näher kennengelernt?
Ich habe Hillary Clinton getroffen, Donald Rumsfeld und viele andere Menschen, von denen ich nie gedacht hätte, ihnen zu begegnen. Sogar Joe Biden, damals US-Vizepräsidenten, hab ich die Hand geschüttelt. Das werd’ ich nie vergessen.

Was waren Ihre schwersten Stunden auf Ihrem Posten?
Der Amoklauf mit neun Toten im OEZ 2016 war furchtbar für uns alle. Ebenso 2017 die Schüsse auf unsere Kollegin im S-Bahnhof in Unterföhring.

Viele Ihrer Mitarbeiter hätten gerne gesehen, wenn Sie verlängert hätten. Warum gehen Sie in Ruhestand?
Weil jetzt ein guter Zeitpunkt ist. Ich hab’ den gesetzlichen Ruhestand erreicht. Außerdem gibt es keine größeren Probleme, für die ich noch benötigt werden würde.

Wer wird Ihr Nachfolger?
Das werde ich Ihnen nicht verraten.

"Meine Nachfolger verrate ich nicht"

Am 28. Februar räumen Sie ihren Schreibtisch. Kommt dann das große Loch nach fast 45 Jahren als Polizist?
Kein Loch, nicht mal ein Löchlein. Ich habe noch viel vor. Ich bin ein Familienmensch. Ich habe drei Kinder und vier Enkel. Für die habe ich im Ruhestand dann endlich mehr Zeit. Ich will mit meiner Frau in Urlaub fahren, nach Hamburg, das haben wird uns schon so lange vorgenommen. Zudem gibt es zuhause einiges zu renovieren.

Ein Job am Schreibtisch, den wollten Sie eigentlich nie!
Stimmt. Ich wollte immer Polizist sein, im Streifenwagen unterwegs sein. Und ich wollt immer in meine Heimat Oberfranken zurück. Hier wollte ich nur fünf Jahre bleiben.

Dafür haben Sie's lange ausgehalten.
Und es hat Spaß gemacht. Ich habe in die Sicherheit der Stadt und ihrer Menschen viel Zeit investiert. Das war eine schöne Aufgabe. Jetzt verlasse ich meine Polizeifamilie und wechsle zu meiner privaten Familie. Der Abschied fällt mir schwer.

Newsblog: Sicherheitskonferenz 2019 in München

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