Autodiebe landen im Graben

Eine rumänische Bande hat Fahrschulen im Visier, klaut Autos im Wert von 210 000 Euro. Den Haupttäter (33) erwartet eine sehr lange Haftstrafe. Der Prozess.
| John Schneider
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Die fünf Angeklagten mit ihren Anwälten und Dolmetschern.
jot Die fünf Angeklagten mit ihren Anwälten und Dolmetschern.

München Die österreichische Autobahnpolizei kontrollierte in der Nacht zum 2. August 2015 fünf Männer, die ihre BMW- und VW-Limousinen und -Vans auf einem Autobahnparkplatz abgestellt hatten. Die Kontrolle verlief ohne Ergebnis. Alles in Ordnung. So schien es.

Was die Polizisten nicht wussten: Die Wagen waren wenige Stunden zuvor in München von dem Gelände einer Truderinger Fahrschule gestohlen, aber noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Immerhin hatte die Autobahn-Kontrolle die fünf Autodiebe nervös gemacht. Sie wichen auf Landstraßen aus und fuhren viel zu schnell. Zwei der Wagen gerieten in Melk (Niederösterreich) von der Fahrbahn und landeten im Graben. Die Fahrer der Unfallautos stiegen zu ihren Komplizen und brausten davon.

Die Spurensicherung durch die österreichische Polizei nach dem Unfall und die Hinweise, die bei der Durchsuchung der beiden Unfallfahrzeuge gefunden wurden, brachten die Ermittler schließlich auf die Spur der Täter.

Seit Mittwoch muss sich nun ein rumänisches Quintett vor dem Landgericht für die Diebstähle verantworten. Weil einer der Täter erst 19 Jahre alt ist, landete der Prozess bei der Jugendkammer des Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Stephan Kirchinger.

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Und der hatte es nicht nur mit den Prozessbeteiligten zu tun, sondern auch mit den Angehörigen der Angeklagten, die sich im Gerichtsflur gegenseitig bedrohten. Sollte sich das wiederholen, drohte der Richter mit Konsequenzen. Möglicher Hintergrund der Streitigkeiten: Die Männer sollen sich im Ermittlungsverfahren gegenseitig beschuldigt haben.

Staatsanwalt Markus Michel zählte drei Diebstahl-Aktionen in der Anklage auf. Neben dem Diebstahl der fünf Truderinger Fahrschul-Autos, sollen zwei der Männer laut Anklage eine Woche zuvor zwei weitere Münchner Fahrschul-Autos gestohlen haben.

Der Haupttäter Alexandru H. (33) soll zudem in der Freinacht 2015 einen Mercedes E 350 vom Gelände eines Autohändlers am Frankfurter Ring gestohlen haben. Den Wert der acht gestohlenen Autos schätzt die Staatsanwaltschaft auf etwa 210 000 Euro.

Bei einem Geständnis bot das Gericht nach Absprache mit den Verteidigern und Staatsanwalt Michel drei der Männer Bewährungsstrafen an. Sie waren zuvor nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Das ist bei einem 24-jährigen Mitangeklagten nicht der Fall. Seine Taten fallen in drei offene Bewährungen. Er wird wohl über zwei Jahre in den Knast gehen.

Noch schlimmer wird es den Haupttäter treffen. Bei ihm kommen bis zu fünf Jahre Haft für die drei Anklagepunkte zusammen. Dazu droht ihm die Rücknahme von Bewährungen. Das würde noch einmal fast drei Jahre zusätzliche Haft bedeuten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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