Auto-Boom wegen Corona: München tritt wieder aufs Gas

Weil die Münchner nach wie vor ungern in Bus und Bahn steigen, kaufen sie wieder mehr Autos. Vor allem das Abenteuer im eigenen Camper hat es den Städtern angetan.
| Marie Heßlinger
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Händler Mieran Ali beobachtet, dass in den vergangenen Monaten mehr Kunden kommen. Der Wunsch nach einem Auto wird größer.
Händler Mieran Ali beobachtet, dass in den vergangenen Monaten mehr Kunden kommen. Der Wunsch nach einem Auto wird größer. © Daniel von Loeper

München - In der Autowelt Kaufmann im Münchner Westen gibt es Neu- und Gebrauchtwagen, Jaguars und Smarts, Teslas und VWs – das Angebot richtet sich immer nach der Nachfrage. Während des Lockdowns verzeichnete man, wie viele Händler, Umsatzeinbußen um die 90 Prozent. Die Neuzulassungen nahmen ab. Nun aber steigt die Nachfrage – und das Kaufverhalten wirkt bisweilen paradox.

Mini, Fiat und Smart als begehrte Stadtautos

In den vergangenen Monaten, sagt Mieran Ali, Prokurist der Autowelt Kaufmann, hätten sich viele ein kleines Stadtauto gekauft, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Mini, Fiat und Smart waren begehrte Marken. Nun hat sich der Trend geradezu umgekehrt: Vor allem große gebrauchte Autos, die sich zu Campingbussen umbauen lassen, sind beliebt.

Gebrauchte Transporter wie der Transit von Renault oder der T5 von VW "sind gefragter denn je", sagt Ali. Er erklärt sich das damit, dass viele Käufer "die Zeit, die sie drin waren, jetzt wieder kompensieren wollen". Corona scheint einen Wunsch nach Reisen und Unabhängigkeit geweckt zu haben. Viele würden sich die Transporter zu Campingbussen ausbauen.

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Transporter für Senioren, jüngere Familien, Singles

Das Klientel, das sich die Transporter kauft, sagt Ali, "geht kunterbunt durch die Reihen: ältere Senioren, jüngere Familien, Einzelgänger, Singles". Viele hätten nach den Corona-Erfahrungen Lust auf Abenteuer.

Für Gebrauchtwagenhändler ist es deshalb mittlerweile schwieriger geworden, an gebrauchte Transporter zu kommen. Die Preise sind gestiegen: Ein T5, der früher gebraucht noch 19.000 Euro gekostet habe, sei nun schon 23.000 Euro wert.

Während des Lockdowns scheint sich der Trend aber nicht nur von kleinen zu großen Autos gewandelt zu haben, er schwankt auch im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit. In den vergangenen Monaten, sagt Ali, war es "eher Trend, dass auch klimaschädlichere Fahrzeuge gekauft wurden". Die Abgasnorm Euro 6 schien nicht mehr so wichtig zu sein wie vor der Pandemie.

Elektroautos werden immer beliebter

Nun aber hat die Autowelt Kaufmann viele Elektroautos im Sortiment. "Wenn Corona eher zweitrangig wird, wird die Klimadebatte wieder hochkommen", sagt Ali, "vor allem, wenn wir eine grüne Regierung bekommen." Auch die aktuellen staatlichen Subventionen regten die Nachfrage an.

Der Staat beteiligt sich bis 2025 mit bis zu 6.000 Euro, Hersteller mit rund 3.000 Euro beim Kauf von Elektroautos, hinzu kommen steuerliche Vergünstigungen und Rabattaktionen. Ein Seat Mii Electric beispielsweise könne damit rund 12.000 Euro kosten, sagt Ali. "Das ist für einen Neuwagen unschlagbar."

Bequemerer Einstieg: Ältere kaufen Mini-SUVs

Nicht nur in der Autowelt Kaufmann, auch in anderen Autohäusern sind Elektroautos beliebt. "Wir können sagen, dass wir ohne die Elektroautos nicht so ein gutes Jahr gehabt hätten", sagt ein Auszubildender eines VW-Händlers, "die haben uns wirklich gerettet."

Auf der anderen Seite erfreuten sich die umweltschädlicheren Verbrenner-SUVs weiterhin einer großen Beliebtheit. Insbesondere Mini-SUVs seien bei älteren Menschen begehrt, da sie ein leichtes Einsteigen ermöglichten und einen guten Überblick über die Straßen. Ein anderer VW-Verkäufer beobachtet: Gerade auch Fahranfänger seien SUVs wegen ihrer Verkehrssicherheit zugeneigt.

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Beim Autohaus Häusler hingegen sind die Trends: "Campingfahrzeuge und alles, was elektrifiziert ist", sagt Verkaufsleiter Sasa Djordjevic. Bei Elektroautos sei, neben den staatlichen Subventionen, der Umweltgedanke ein großer Kaufanreiz, sowie die Sorge, "dass man irgendwann in der Zukunft vielleicht nicht mehr in die Innenstadt fahren kann, wenn man einen Verbrennermotor hat."

Campingautos seien schon seit ein paar Jahren beliebt, sagt Djordjevic, aber Corona habe diesen Wunsch nach Freiheit womöglich noch befeuert. Die Busse würden nicht nur für weite Reisen, sondern für Ausflüge ins Alpenvorland genutzt. Fahrräder ließen sich aufladen, "und wenn es schön ist", sagt Djordjevic, "bleibe ich auf dem Parkplatz und fahre erst morgen heim."

Das Autohaus Häusler verkauft vor allem neue Campingbusse mit eingebauten Koch- und Schlafnischen. Auch hier gehe die Nachfrage durch alle Altersgruppen: von bis Ü-50-Jährigen bis hin zu jungen Familien. Bloß Fahranfänger, die kauften am liebsten den Opel Corsa. "Ein Evergreen", sagt Djordjevic.

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