Auto-Anschlag auf Verdi-Demo: Was die Verteidigung für den Angeklagten fordert

Er fuhr in eine Demo, tötete eine Mutter und ihr Kind und verletzte zahlreiche Menschen. Die Verteidigung sieht keine religiöse Motivation, sondern eine Krankheit als Ursache. Was die Anwälte fordern.
AZ/dpa |
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Im Februar 2025 raste der Angeklagte mit einem Auto von hinten in den Demonstrationszug.
Im Februar 2025 raste der Angeklagte mit einem Auto von hinten in den Demonstrationszug. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Im Mordprozess nach dem Auto-Anschlag auf eine Gewerkschaftsdemonstration in München hat die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren und die Unterbringung in der Psychiatrie gefordert. "Der Angeklagte leidet an einer hebephrenen Schizophrenie, und diese hat sich in der Tatbegehung Bahn gebrochen und hat zu schrecklichem Leid und dem Tod von zwei Menschen geführt", sagte einer der beiden Verteidiger des 25-Jährigen vor dem Oberlandesgericht München

Die hebephrene Schizophrenie ist eine im Jugendalter beginnende Form der psychischen Erkrankung, bei der anstelle von Wahnvorstellungen vor allem ein wirres Gefühlsleben und unberechenbares Verhalten im Vordergrund stehen.

Der Verteidiger verwies darauf, dass das Gericht nicht an die Beurteilung des Sachverständigen gebunden sei. Der Gutachter hatte nur eine mittelgradige Persönlichkeitsstörung, jedoch keine akute Psychose festgestellt.

Manche Opfer können Alltag bis heute kaum bewältigen 

Der Angeklagte selbst nutzte sein letztes Wort nicht, um Reue und Bedauern auszudrücken oder auch nur eine Erklärung für seine Motivation abzugeben, wie es sich viele Nebenklägervertreter am Vortag noch einmal gewünscht hatten. Manche der Opfer sind bis heute schwer physisch wie psychisch gezeichnet und können zum Teil ihren Alltag kaum bewältigen.

Der Angeklagte war im Februar 2025 mit einem Auto von hinten in den Demonstrationszug gefahren. Dabei starben eine Frau und ihre zweijährige Tochter, zahlreiche Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. 

Die Bundesanwaltschaft hatte dem Angeklagten deshalb am Vortag unter anderem zweifachen Mord, versuchten Mord in 22 Fällen sowie – überwiegend gefährliche – Körperverletzung in 22 Fällen vorgeworfen. Die Vertreter der Anklage werten die Tat als religiös motivierten politischen Anschlag und fordern eine lebenslange Haftstrafe sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, was eine Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren Gefängnis erheblich erschweren würde. Das Urteil wird für den 6. August erwartet.

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  • Gieasinger Bua am 29.07.2026 12:55 Uhr / Bewertung:

    Als Außenstehender ist das kaum realistisch zu beurteilen. Hier entscheiden die Emotionen, verständlicherweise! Aber ist es eine Form seiner psychischen Erkrankung, dass man mit dem Auto in eine Menschenmenge rast, oder leitet diese Krankheit dazu an Menschen zu töten? Wenn ja, dürfte er gar nicht mehr frei kommen. Oder welches Motiv steckt wirklich dahinter? Und können Psychologen tatsächlich zu 100% die Krankheit und Krankheitsgrad festlegen, was ich durch die Vergangenheit anderer Fälle doch sehr bezweifel. Bin mir sicher, das ein guter Schauspieler eine psychische Erkrankung auch sehr gut vortäuschen kann. Das wahre Motiv däs Täters wäre hier interessant. Aber vielleicht hat der Verteidiger dazu geraten nichts zu sagen?! Wie gesagt, alles schwer zu beurteilen und zu verstehen.

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