Ausgrabung am Marienhof: Mittelalterliche Haarmode im Labor

Die Münchner sind bereits damals gerne zum Friseur gegangen - so eine Analyse des LKA.
| Ralph Hub
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Am Marienhof wird für die Zweite Stammstrecke der S-Bahn gebaut. Im Zuge dessen laufen auf dem Gelände auch archäologische Untersuchungen.
Am Marienhof wird für die Zweite Stammstrecke der S-Bahn gebaut. Im Zuge dessen laufen auf dem Gelände auch archäologische Untersuchungen. © LKA

München - Die Menschen in München legten bereits im Mittelalter offenbar großen Wert auf ihre Haartracht. Das ergab die Analyse von mittelalterlichen Haarbüscheln, die im Labor des Landeskriminalamts (LKA) untersucht wurden.

"Dieser Fund zeigt, dass diese Person eine Frisur hatte"

Die Haare seien glatt abgeschnitten gewesen wie beim Friseur, teilten die Experten des Fachbereichs für Biologie am Freitag mit. Die Proben werden auf die Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert datiert. "Dieser Fund zeigt, dass diese Person eine Frisur hatte", sagte Eleonore Wintergerst, Archäologin an der Archäologischen Staatssammlung, für die das LKA die Untersuchung durchführte. Einen konkreten Modetrend konnten die Forscher aber nicht erkennen: "Welche Frisur, können wir nicht sagen."

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Die Haare seien an beiden Enden geschnitten. Das deute darauf hin, dass sie öfter gestutzt wurden. Die Haare waren bei Ausgrabungen am Marienhof hinter dem Rathaus entdeckt worden - ein extrem seltener Fund, da sich Haare normalerweise schnell zersetzen. Hier aber seien sie bei Feuchtigkeit dicht abgeschlossen gewesen, so dass kein Sauerstoff herankam.

Die Archäologen hatten die Haare in einem Brunnenschacht entdeckt, der um das Jahr 1261 angelegt wurde. Es ist die älteste bislang bekannte Baukonstruktion Münchens. In dem früheren Brunnen sei der persönliche Abfall von Menschen entsorgt worden. In oberen Schichten entdeckten die Forscher die Haarbüschel.

Eine Haarsträhne unter dem Mikroskop.
Eine Haarsträhne unter dem Mikroskop. © LKA

Der Fund sei ein wichtiger Mosaikstein bei der Rekonstruktion des Bildes, wie die Menschen im Spätmittelalter in München lebten und worauf sie Wert legten. "Menschliche Haare an sich haben in allen Kulturen eine besondere Bedeutung", so Wintergerst.

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