Ausgestreikt? Was MVG-Fahrer jetzt in München verdienen
Alle, die nicht mit dem Auto oder dem Fahrrad zur Arbeit kommen, können aufatmen: In der fünften Verhandlungsrunde zum Tarifvertrag für die bayerischen kommunalen Nahverkehrsunternehmen haben sich Verdi und die Arbeitgeber endlich geeinigt. Insgesamt sechs Warnstreiks haben Münchner laut MVG ertragen müssen, am Dienstag war erst die jüngste Geduldsprüfung. Hat sich das immerhin für die streikenden Beschäftigten gelohnt?
Das entscheiden sie in einer Mitgliederbefragung bis zum 15. Mai. Bis dahin ist jedenfalls Ruhe mit den Streiks. Sinan Öztürk, stellvertretender Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, sagt zu den Ergebnissen: "Dieser Abschluss bringt spürbare Verbesserungen bei Arbeitszeit und Zuschlägen."
Weniger Arbeitszeit für Betroffene
Die wöchentliche Arbeitszeit reduziert sich ab 2029 von derzeit 38,5 Stunden auf 37,5 Stunden. Der Sonntagszuschlag klettert von 25 auf 30 Prozent der gefahrenen Stunden. Künftig dürften laut Verdi monatlich im Schnitt 40 Euro extra für die Beschäftigten rausspringen, also rund sieben Euro mehr als zuvor.
Vollends zufrieden sind die Gewerkschafter nicht. Katharina Wagner, die Verhandlungsführerin von Verdi Bayern, sagt: "Wir hätten uns gerade für die Kolleginnen und Kollegen in den unteren Entgeltgruppen eine stärkere Erhöhung gewünscht. Am Verhandlungstisch war mit den sieben Prozent jedoch das Maximum erreicht."
7,14 Prozent: So soll der Lohn steigen
Tatsächlich erhöht sich der Lohn insgesamt um etwa 7,14 Prozent, denn die Anhebungen erfolgen gestaffelt: Rückwirkend zum 1. Januar gibt es 4,1 Prozent obendrauf. Dieser Wert erhöht sich September wiederum um ein Prozent. Und im Januar 2027 steigt das Gehalt nochmal um 1,9 Prozent.
Wie hoch das tatsächliche Plus auf dem Lohnzettel ausfällt, lässt sich anhand der Entgeltgruppe berechnen (siehe Tabelle). Bus-, Tram- und U-Bahnfahrer in München fallen in Gruppe 4, wie Verdi der AZ bestätigt. Bis auf München, Nürnberg, Fürth, Erlangen und Landshut gehören die Fahrer im Rest Bayerns zur Entgeltgruppe 3b.
Die Auswirkungen im Detail
Ein Münchner Busfahrer, der bereits drei Jahre lang Passagiere von A nach B bringt, fällt in Stufe 3 der Entgeltgruppe 4. Bisher verdiente er 3238 Euro brutto pro Monat, Zuschläge ausgeklammert. Ab 2027 erhält er stattdessen 3469 Euro – das ist ein Lohnplus in Höhe von 231 Euro.
Neben den Fahrern profitieren aber auch die anderen Mitarbeiter der MVG und der anderen Nahverkehrsunternehmen in Bayern. Für einen Kollegen im Gleisbau bedeutet das Ergebnis im Schnitt um die 300 Euro mehr. Das gilt auch für die Mitarbeiter, die als Elektroniker oder Mechatroniker schuften. Maximal sind es für sie 360 Euro extra.
Ein Disponent – jene Beschäftigten, die Fahrpläne, Streckennetze und eingesetzte Fahrzeuge miteinander abstimmen – fallen in die Entgeltgruppen 6 und 7. Sie bekommen maximal 280 Euro mehr. Bei Kontrolleuren sind es rund 200 Euro zusätzlich (Entgeltgruppe 3).
Der neue Tarifvertrag würde – insofern die Gewerkschaftsmitglieder ihn akzeptieren – bis Ende 2029 laufen. An die neue Entgelttabelle sind sie jedoch nur bis Ende 2027 gebunden. Heißt, Gehaltserhöhungen können wesentlich früher neu verhandelt werden.
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