Aus der Luft gezaubert: Hier entsteht Lebensraum über Parkplätzen

Grad wird noch fleißig gesägt, gebohrt und geklebt: Das "Zuhaus", wie Clemens Hoyer seine Quartierzimmer nennt, ist kurz vor der Fertigstellung an diesem Freitagmittag. Ab Samstag steht das temporäre Gebäude zwei Monate lang hier an der Ecke Metzstraße/Wörthstraße über einem Fahrradparkplatz – der auch weiterhin benutzt werden kann.
Gratis-Zimmer für Haidhausen
"Ganz grundsätzlich geht es dabei um die Frage, ob Parkflächen in der Wohnraumfrage eine Rolle spielen können", sagt Hoyer beim Gespräch mit der AZ vor Ort.

Die beiden Quartierszimmer, eins größer und eins ein bisschen kleiner, erreichbar über eine Treppe vom Bürgersteig, kann man über die Webseite zum Projekt gratis buchen. Strom gibt es von einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach.
Dann kann man dort arbeiten, ein Buch lesen, mit Kindern zum Spielen hingehen, einen Spieleabend machen – alles ist möglich. Nur Schlafen darf man dort nicht, dafür fehle die Bewilligung, sagt Hoyer. Darum sind die Räume von 7 bis 22 Uhr jeweils buchbar.

Zusätzlicher Raum fürs Viertel
Gerade in dichten Quartieren, von denen es in München ja viele gibt, möchte Hoyer so mehr Platz schaffen. "Durch solche flexiblen Räume kann man Nutzungen auslagern, die sonst in Wohnungen eingeschrieben sind", sagt er. Wenn also zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern ein drittes Kind bekommt, in München aber große Schwierigkeiten hat, eine größere Wohnung zu finden, könnte dieser zusätzliche Raum Abhilfe schaffen.

"So kann ich den Bestand flexibilisieren und unterschiedliche Szenarien vorstellen", sagt Hoyer. Auch ebenerdig wären solche "Zuhäuser" denkbar. Auch richtiger Wohnraum – zum Beispiel Wohnungen für Studenten – wären vorstellbar.

Der Architekt macht dieses Projekt im Rahmen seiner Promotion an der TU Darmstadt, darum gibt es begleitend eine Umfrage (auch auf der Webseite), deren Antworten Hoyer in seine Arbeit einfließen lässt.
Hoyer hat auch beachtet, dass das "Zuhaus" die bestehenden Nutzungen nicht behindert, sondern ergänzt: Die Fahrradständer auf der Fläche bleiben fast komplett erhalten, den Mietern im Erdgeschoss wird kein Sonnenlicht weggenommen, weil die ihre Fenster sowieso zugeklebt haben. Und jene im ersten Stock können über das "Zuhaus" hinwegschauen, das hat Hoyer berücksichtigt bei der Planung.

Auch die Nachbarn vom Feinkostladen L'Angolina freuen sich über das Projekt: "Es ist mal etwas Neues", findet Francesco Cerone, der den Laden mit seiner Frau Santa seit 31 Jahren führt. "Die Leute sind begeistert und fragen nach. Man sieht, dass viel Arbeit drinsteckt".

Am Wochenende ist große Eröffnung, am Montag gibt es außerdem auf dem Bordeauxplatz ein öffentliches Gespräch mit Hoyer und Vertretern der Stadt. Geplant sind noch Workshops zum Möbelbau für das "Zuhaus" und weitere solche Informationsgespräche. Unterstützt wurde Hoyer vom Baureferat, dem Bezirksausschuss und auch von einer Holzbaufirma aus Peiting.