Aus der Luft gezaubert: Hier entsteht Lebensraum über Parkplätzen

In Haidhausen entsteht mit dem "Zuhaus" temporärer, kostenlos buchbarer Zusatzraum fürs Viertel: zwei flexibel nutzbare Quartierszimmer über einem Fahrradparkplatz, gedacht zum Arbeiten, Spielen und Begegnen – und als Experiment, wie Parkflächen neuen Wohn- und Lebensraum schaffen können.
Jan Krattiger
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Clemens Hoyer begleitet die letzten Bauarbeiten an seinem Projekt "Zuhaus" in Haidhausen. Zwei Monate lang stehen die Räume gratis allen zur Verfügung, die sie nutzen möchten.
Clemens Hoyer begleitet die letzten Bauarbeiten an seinem Projekt "Zuhaus" in Haidhausen. Zwei Monate lang stehen die Räume gratis allen zur Verfügung, die sie nutzen möchten. © Jan Krattiger

Grad wird noch fleißig gesägt, gebohrt und geklebt: Das "Zuhaus", wie Clemens Hoyer seine Quartierzimmer nennt, ist kurz vor der Fertigstellung an diesem Freitagmittag. Ab Samstag steht das temporäre Gebäude zwei Monate lang hier an der Ecke Metzstraße/Wörthstraße über einem Fahrradparkplatz – der auch weiterhin benutzt werden kann.

Gratis-Zimmer für Haidhausen

"Ganz grundsätzlich geht es dabei um die Frage, ob Parkflächen in der Wohnraumfrage eine Rolle spielen können", sagt Hoyer beim Gespräch mit der AZ vor Ort.

Der Architekt Clemens Hoyer hat das "Zuhaus" im Rahmen seiner Promotion konzipiert. Jetzt steht es zwei Monate lang in der Metzstraße in Haidhausen.
Der Architekt Clemens Hoyer hat das "Zuhaus" im Rahmen seiner Promotion konzipiert. Jetzt steht es zwei Monate lang in der Metzstraße in Haidhausen. © Jan Krattiger

Die beiden Quartierszimmer, eins größer und eins ein bisschen kleiner, erreichbar über eine Treppe vom Bürgersteig, kann man über die Webseite zum Projekt gratis buchen. Strom gibt es von einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

Dann kann man dort arbeiten, ein Buch lesen, mit Kindern zum Spielen hingehen, einen Spieleabend machen – alles ist möglich. Nur Schlafen darf man dort nicht, dafür fehle die Bewilligung, sagt Hoyer. Darum sind die Räume von 7 bis 22 Uhr jeweils buchbar.

Noch etwas Baustelle, bald gratis nutzbar: Die zwei Räume des "Zuhaus" in Haidhausen.
Noch etwas Baustelle, bald gratis nutzbar: Die zwei Räume des "Zuhaus" in Haidhausen. © Jan Krattiger

Zusätzlicher Raum fürs Viertel

Gerade in dichten Quartieren, von denen es in München ja viele gibt, möchte Hoyer so mehr Platz schaffen. "Durch solche flexiblen Räume kann man Nutzungen auslagern, die sonst in Wohnungen eingeschrieben sind", sagt er. Wenn also zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern ein drittes Kind bekommt, in München aber große Schwierigkeiten hat, eine größere Wohnung zu finden, könnte dieser zusätzliche Raum Abhilfe schaffen.

Über den Radlparkplätzen in der Metzstraße steht jetzt zwei Monate lang das "Zuhaus". Es besteht aus zwei Zimmern, die man gratis nutzen darf.
Über den Radlparkplätzen in der Metzstraße steht jetzt zwei Monate lang das "Zuhaus". Es besteht aus zwei Zimmern, die man gratis nutzen darf. © Jan Krattiger

"So kann ich den Bestand flexibilisieren und unterschiedliche Szenarien vorstellen", sagt Hoyer. Auch ebenerdig wären solche "Zuhäuser" denkbar. Auch richtiger Wohnraum – zum Beispiel Wohnungen für Studenten – wären vorstellbar.

Letzte Arbeiten am "Zuhaus": Ein rundes Fenster wird noch montiert.
Letzte Arbeiten am "Zuhaus": Ein rundes Fenster wird noch montiert. © Jan Krattiger

Der Architekt macht dieses Projekt im Rahmen seiner Promotion an der TU Darmstadt, darum gibt es begleitend eine Umfrage (auch auf der Webseite), deren Antworten Hoyer in seine Arbeit einfließen lässt.

Hoyer hat auch beachtet, dass das "Zuhaus" die bestehenden Nutzungen nicht behindert, sondern ergänzt: Die Fahrradständer auf der Fläche bleiben fast komplett erhalten, den Mietern im Erdgeschoss wird kein Sonnenlicht weggenommen, weil die ihre Fenster sowieso zugeklebt haben. Und jene im ersten Stock können über das "Zuhaus" hinwegschauen, das hat Hoyer berücksichtigt bei der Planung.

Francesco und Santa Cerone vom Feinkostladen L'Angolina in der Wörthstraße in Haidhausen.
Francesco und Santa Cerone vom Feinkostladen L'Angolina in der Wörthstraße in Haidhausen. © Jan Krattiger

Auch die Nachbarn vom Feinkostladen L'Angolina freuen sich über das Projekt: "Es ist mal etwas Neues", findet Francesco Cerone, der den Laden mit seiner Frau Santa seit 31 Jahren führt. "Die Leute sind begeistert und fragen nach. Man sieht, dass viel Arbeit drinsteckt".

Das "Zuhaus" ist auch so gestaltet, dass man ganz neue Blicke auf den Bordeauxplatz und die Wörthstraße erhaschen kann.
Das "Zuhaus" ist auch so gestaltet, dass man ganz neue Blicke auf den Bordeauxplatz und die Wörthstraße erhaschen kann. © Jan Krattiger

Am Wochenende ist große Eröffnung, am Montag gibt es außerdem auf dem Bordeauxplatz ein öffentliches Gespräch mit Hoyer und Vertretern der Stadt. Geplant sind noch Workshops zum Möbelbau für das "Zuhaus" und weitere solche Informationsgespräche. Unterstützt wurde Hoyer vom Baureferat, dem Bezirksausschuss und auch von einer Holzbaufirma aus Peiting.

Mehr Infos: zuhaus-haidhausen.de

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3 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
  • AK1 am 23.06.2026 20:05 Uhr / Bewertung:

    In den "dichten Quartieren" ist es bestimmt eine gute Idee, die letzten freien Flächen auch noch zu überbauen...

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  • 1Muenchner am 30.05.2026 21:34 Uhr / Bewertung:

    Wieder eine Luftschneise zugebaut.

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  • FredC2 am 30.05.2026 14:19 Uhr / Bewertung:

    Tolle Idee!
    Und dann könnte man sich als nächstes ein paar Kfz-Parkplätze vornehmen, davon gibt es nämlich 1000x mehr.

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