Aus dem Biergarten nach Fernost

Das Asia Filmfest, das heute beginnt, feiert heuer seinen fünften Geburtstag. Zum Jubliäum bekommen auch die Hamburger und die Berliner Auszüge aus dem Programm zu sehen.
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Coole Typen, dicke Karren: Asiatische Filme glänzen bisweilen durch ihre Abgefahrenheit – wie der Streifen „Lovedeath“ (2008).
Bogeydom Licensing Coole Typen, dicke Karren: Asiatische Filme glänzen bisweilen durch ihre Abgefahrenheit – wie der Streifen „Lovedeath“ (2008).

Das Asia Filmfest, das heute beginnt, feiert heuer seinen fünften Geburtstag. Zum Jubliäum bekommen auch die Hamburger und die Berliner Auszüge aus dem Programm zu sehen.

Natürlich geschah es im Biergarten. Dort entstehen in München nun einmal die besten Ideen. Manuel Ewald (26) dachte sich 2004, dass ein Festival mit asiatischen Filmen der bayerischen Landeshauptstadt ganz gut zu Gesicht stehen würde. Zügig setzten er und sein Freund Armin Schmidt (28) die Idee um. Das Asia Filmfest war geboren und entwickelte sich prächtig. In diesem Jahr gibt es vom 30. Oktober bis zum 9. November bereits die fünfte Ausgabe .

Und es expandiert. Nach Berlin und Hamburg, ein Wochenende (14. bis 16. November) lang, natürlich mit kleinerem Programm. Ungefähr so, wie es 2004 in München anfing. 14 Filme an drei Tagen zeigten Ewald und Schmidt damals. „Es war ein Experiment, das geklappt hat“, erinnert sich Armin Schmidt. Sie waren Anfang 20 und hatten eine Menge privates Geld investiert. Doch Bedenken im Vorfeld erwiesen sich als absolut unbegründet: Das Mini-Festival wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein Jahr später waren es beim Asia Filmfest bereits 28 Filme. Heuer sind es 55, die über die Leinwände in den Münchner Kinos Gloria Palast und Mathäser laufen.

Natürlich haben Armin Schmidt und Manuel Ewald eine Vorgeschichte. Die beiden Cutter lernten sich kennen, weil sie Fans von Filmen sind, die es so nur in Fernost gibt und die die schönste aller Genrebezeichnung tragen: „Heroic Bloodshed“, was sich als „heldenhaftes Blutvergießen“ übersetzen lässt. Die Filme entwickeln sich um eine Choreografie des Sterbens herum – es wird gefeuert, was die Magazine hergeben, in Schießereien, die schöner sind als manches Ballett.

„Jetzt trauen wir uns auch, zur Hauptschiene große Dramen zu spielen“, sagt Schmidt und weist dabei auf den Spagat hin, den das Festival mittlerweile gut hinbekommt. Genrekino einerseits, Anspruch andererseits.

"Ashes of Time Redux" von Wong Kar-wai eröffnet das Festival

Eröffnet wird das auf elf Tage erweiterte Festival am 30. Oktober um 20 Uhr von Wong Kar-wais „Ashes of Time Redux“, der beim Asia Filmfest seine Deutschland-Premiere feiert. Der Regie-Zauberer aus Taiwan überarbeitete seinen bereits 1994 entstandenen Kampfkunstfilm gründlich und verpasste ihm einen neuen Schnitt, neue digitale Effekte sowie einen neuen Soundtrack. Dem Regisseur ist auch die diesjährige Retrospektive gewidmet.

Eine Neuerung in diesem Jahr ist die Reihe „Asia Spezial“, die von Ewald und Schmidt als „Querschnitt durch 60 Jahre asiatisches Kino“ angepriesen wird. Die 15 Filme, die alle als 35-Millimeter-Kopie vorliegen, zeigen in der Tat, wie vielfältig das Kino in Fernost ist: von „Godzilla“ (1954) über die formal vollendete Yakuza-Studie „Tokyo Drifter“ (1966) und den spektakulären modernen Klassiker „A Chinese Ghost Story“ (1987) bis zum Animé-Meisterwerk „Ghost In The Shell“ (1995) sowie Takashi Miikes „Audition“ (1998). Natürlich fehlen auch Ang Lees vierfacher Oscar-Gewinner „Tiger & Dragon“ (2000) und Zhang Yimous fabelhafter „Hero“ (2004) nicht.

Das Asia Filmfest funktioniert ohne öffentliche Förderung. „Es läuft ja“ - bekommen die Organisatoren immer wieder zu hören. „Wir machen keine Verluste“, bestätigen Ewald und Schmidt, die allerdings froh sind, von einem Sponsor unterstützt zu werden. Aber ein größeres Budget als die momentanen 50.000 Euro würde mehr Möglichkeiten bedeuten. „Wir würden auch gern mehr Gäste einladen können“, sagt Schmidt. In diesem Jahr mussten sie dem Regisseur des Abschlussfilms „Paco and the Magical Book“ absagen. Weil es nicht finanzierbar war, Tetsuya Nakashima aus Japan einzufliegen. Dafür läuft sein Filmknallbonbon, das kunterbunt ist wie Nakashimas Vorgängerfilme „Kamikaze Girls“ und „Memories Of Matsuko“ - am 9. November um 20 Uhr im Münchner Gloria-Palast als Weltpremiere.

Andreas Fischer

Auf einen Blick

Was: Asia Filmfest

Wann: 30. Oktober bis 9. November

Wo: Gloria Palast, Karlsplatz 4, und Mathäser Filmpalast, Bayerstraße 5.

Tickets: an den Kinokassen, Reservierung unter Tel.37414620 (Gloria), Tel.515651 (Mathäser); www.asiafilmfest.de

Preise: Asia Dokus, Asia Matineen und DV-Projektionen: 5,50 Euro, 35mm und HD-Projektionen: 8 Euro, 20 Uhr-Vorführungen: 8,50 Euro

Dauerkarte: 150 Euro

Infos: www.asiafilmfest.de

Programm: Das kostenlose Filmfest-Magazin liegt in beiden Kinos und in verschiedenen Gaststätten in München aus.

Eröffnungsparty: Im Anschluss an die Deutschlandpremiere von „Ashes of Time Redux“ findet am 30. Oktober ab ca. 22 Uhr die traditionelle Eröffnungsparty im Match Club (direkt am Stachus) statt. Der Eintritt ist für Festivalbesucher mit der Kinokarte des Eröffnungsfilms frei.

Wiederholungen: Vom 10. bis 12. November werden im Gloria Palast einige Highlights des Filmfestes wiederholt.

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