"Auftrag zum Handeln": Münchner Studenten schlagen bei Mietkosten Alarm
Die neuen Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts zeigen: Die Mietpreise für Studenten steigen zwar langsamer als zuvor – von Entlastung kann jedoch keine Rede sein. "Im Gegenteil: Die Wohnkosten haben sich auf einem extrem hohen Niveau einzementiert", teilt der Arbeitskreis (AK) Wohnen der Münchener Studierenden mit.
AK Wohnen: "Die Mietexplosion ist nicht vorbei – sie hat sich nur verlangsamt"
Die studentische Vertretung setzt sich als hochschulübergreifenden Zusammenschluss der Studierendenvertretungen in München seit 2022 für bezahlbaren und qualitativ angemessenen Wohnraum für alle Studierenden ein. Bundesweit zahlen Studierende im Schnitt über 500 Euro für ein WG-Zimmer, in München rund 800 Euro – und das bereits das zweite Semester in Folge.
Für die Politik sei das kein Grund zum Aufatmen, sondern ein Auftrag zum Handeln. "Die Mietexplosion ist nicht vorbei – sie hat sich nur verlangsamt. Für Studierende bedeutet das keine Entlastung, sondern dauerhaft unbezahlbare Mieten. Wer 800 Euro als selbstverständlichen Preis für ein Studium an Münchens Exzellenz-Unis akzeptiert, hat die Ausnahmesituation bereits zur Normalität erklärt", sagt AK-Wohnen-Sprecherin Patricia Leuchtenberger.
AK Wohnen: Entwicklung war absehbar – politische Konsequenzen bleiben aus
Gerade in München werde deutlich, was diese Entwicklung konkret bedeutet. Hohe Preise treffen auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt – mit der Folge, dass bezahlbarer Wohnraum für viele Studierende faktisch nicht mehr verfügbar ist, argumentiert die Studenten-Vertretung.
Bereits zum Wintersemester 2025/26 hatte der AK Wohnen auf Basis der damaligen Zahlen vor einer weiteren Verschärfung der Lage gewarnt. Schon damals wurde erstmals die 500-Euro-Marke im Bundesdurchschnitt überschritten – München lag bereits an der absoluten Spitze.
AK Wohnen will Forderungspapier zur Wohnungssituation veröffentlichen
"Die Entwicklung war absehbar – passiert ist zu wenig. Die neuen Zahlen bestätigen, dass die Wohnungsnot für Studierende in München weiter eskaliert", wird AK-Wohnen-Sprecher Alexander Schiller in der Mitteilung zitiert. Man werde in Kürze ein umfassendes Forderungspapier zur Wohnungssituation veröffentlichen, kündigte der AK Wohnen an.
Passend zum Beginn des Sommersemesters fordert die Grüne Jugend Bayern einen garantierten Wohnheimplatz für alle, die ein Studium oder eine Ausbildung im Freistaat beginnen. Die bereits im Oktober 2025 beim Landesparteitag der Grünen beschlossene Forderung der Parteijugend soll laut einem Sprecher per Petition in den Landtag eingebracht werden – zudem soll es dazu einen offenen Brief an die Staatsregierung geben.
Grüne Jugend Bayern: "Bezahlbarer Wohnraum ist Grundvoraussetzung für Chancengleichheit"
"Wer in Bayern studieren oder eine Ausbildung beginnen will, bei dem darf es nicht an der Miete scheitern", sagt Anna Gmeiner, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. Bezahlbarer Wohnraum sei "Grundvoraussetzung für Chancengleichheit". Wohnheimzimmer sind etwa im Vergleich zu herkömmlichen WG-Zimmern oft deutlich günstiger.
Forderung: 50 Millionen Euro pro Jahr für Wohnheime
Die geforderte Wohnraum-Garantie soll laut Grüne Jugend sicherstellen, dass alle, die in Bayern lernen wollen, auch ein Zimmer bekommen. Andernfalls bleibe Bildung "ein Privileg für jene, die sich teure Mieten leisten können". Die Forderung beinhaltet auch, dass zusätzliche Studienplätze nur mit einem tragbaren Wohnraumkonzept genehmigt werden dürfen.
Wohnkosten auf Rekordniveau
Für die Umsetzung soll der Freistaat mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr bezuschussen. Bei neuen Berufsschulen fordert die Grüne Jugend Wohnraumquoten und die Stärkung von Azubiwerken, die günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen sollen. Der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer befindet sich bundesweit auf einem Rekordhoch, wie die Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts zeigen.
Zu Beginn des Sommersemesters lagen die Mieten demnach durchschnittlich bei 512 Euro monatlich pro Zimmer, ein Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Bayern liegt die Miete laut den Angaben deutlich über dem Bundesniveau: 605 Euro sind hier die Durchschnittskosten. München ist demnach mit 800 Euro sogar Spitzenreiter unter den deutschen Städten. Zum Vergleich: In München kostet ein Wohnheimzimmer laut Angaben des Studierendenwerks zwischen 350 und 570 Euro.
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