Auch in München keine Miete gezahlt: So steht es um die vier Galeria-Filialen in der Stadt

Die negativen Nachrichten zum Kaufhof am Rotkreuzplatz reißen nicht ab. Nun reicht’s in Neuhausen offenbar nicht mal mehr für die Miete – die, so heißt es, vergleichsweise niedrig sein soll. 
Nina Job
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Galeria ist Mieter in dem Backsteinbau am Rotkreuzplatz. Der Eigentümer will neu bauen.
Galeria ist Mieter in dem Backsteinbau am Rotkreuzplatz. Der Eigentümer will neu bauen. © IMAGO

Es sind Nachrichten, die nichts Gutes ahnen lassen. Selbst unerschütterliche Optimisten, die bislang fest an die Zukunft von Galeria glaubten, geraten ins Nachdenken. Nach gesicherten AZ-Informationen hat der Warenhauskonzern die April-Miete für den Kaufhof am Rotkreuzplatz nicht gezahlt.

Und nicht nur für diesen Standort reicht das Geld offenbar nicht mehr. Wie die"Immobilienzeitung" ("IZ") berichtete, blieb Galeria auch an mehreren anderen Standorten in Deutschland die Miete schuldig. Demnach soll es sich um die Häuser handeln, deren Zukunft eh auf der Kippe steht. Droht nun die nächste Schließungswelle?

1981 wurde das Gebäude im Zentrum von Neuhausen gebaut.
1981 wurde das Gebäude im Zentrum von Neuhausen gebaut. © Daniel von Loeper

Am 10. März hatte Galeria mitgeteilt, dass das Unternehmen für acht Filialen die Miete neu verhandeln will: Das betrifft außer der Filiale am Rotkreuzplatz in München auch die Berliner Filialen am Kurfürstendamm und Hermannplatz, die beiden Kölner Filialen Hohe Straße und Breite Straße sowie die Häuser in Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg.

"Es besteht die Möglichkeit von Schließungen."

Das Schreiben war kaum anders zu interpretieren als ein blumig verpacktes Entweder-oder: Entweder die Vermieter senken die Miete – oder Galeria macht die Filiale dicht. So hieß es: "Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen." Für diesen Fall würden "zeitnah vorsorglich Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan für die betroffenen Filialen aufgenommen".

Hat Ende Juni 2023 dichtgemacht: der Galeria Karstadt Kaufhof zwischen Hauptbahnhof und Stachus.
Hat Ende Juni 2023 dichtgemacht: der Galeria Karstadt Kaufhof zwischen Hauptbahnhof und Stachus. © IMAGO

Nun haben mehrere Vermieter der "IZ" unabhängig voneinander berichtet, dass Galeria sie darum gebeten habe, die Miete für April und September 2026 zinslos zu stunden. "Eine Rückzahlung sollte dann im April und Oktober 2027 erfolgen", heißt es in dem Bericht. Galeria wollte sich dazu nicht äußern, eine Sprecherin teilte der AZ mit: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu laufenden Gesprächen sowie Verhandlungen mit unseren Vertragspartnern keine Auskunft geben."

Eine Projektgesellschaft hat das Gebäude gekauft

Der Vermieter der Immobilie am Rotkreuzplatz wurde nach AZ-Informationen nicht einmal um Stundung gebeten. Die Miete sei einfach ausgeblieben. Und das, obwohl sie sehr niedrig sei. Die OFB, eine Tochter der Helaba, hatte das Gebäude aus der Signa-Insolvenz erworben – und musste den Mietvertrag mit Galeria beim Kauf übernehmen.

Aktuell hat Galeria noch vier Standorte in München.
Aktuell hat Galeria noch vier Standorte in München. © IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Galeria hat bereits drei Insolvenzen hinter sich (2020, 2022, 2024). Bis vor zwei Jahren hatte der Konzern noch 129 Filialen, aktuell sind es 83. In München betreibt Galeria vier Häuser: die Filiale am Marienplatz (das deutschlandweit umsatzstärkste Galeria-Haus), die Filiale an der Münchner Freiheit, das Kaufhaus im OEZ und eben den Standort am Rotkreuzplatz.
Gesellschafter von Galeria sind seit der letzten Insolvenz und der Übernahme aus der Signa-Insolvenzmasse die US-Gesellschaft NRDC (65,8 Prozent), hinter der die amerikanische Unternehmerfamilie Baker steht, der deutsche Unternehmer Bernd Beetz (28,2 Prozent) und der Finanzinvestor Bain Capital (6 Prozent).

Die Geschäfte liegen "deutlich unter Plan"

Das Geschäftsjahr 2024/25 galt mit einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro als "operativ profitabel". Im laufenden Geschäftsjahr (seit Oktober 2025) soll es allerdings nicht mehr gut gelaufen sein. Laut Branchenblatt "Textilwirtschaft" würden die Geschäfte "deutlich unter Plan" liegen.

In dieses denkmalgeschützte Gebäude am Hauptbahnhof sollte Galeria nach der Sanierung wieder einziehen. Das Vorhaben platzte mit der Pleitewelle von Benkos Signa.
In dieses denkmalgeschützte Gebäude am Hauptbahnhof sollte Galeria nach der Sanierung wieder einziehen. Das Vorhaben platzte mit der Pleitewelle von Benkos Signa. © Bernd Wackerbauer

Mietschulden hin oder her, für Galeria am Rotkreuzplatz (120 Mitarbeiter) sind die Tage allem Anschein nach sicher gezählt. Denn die Eigentümer-Projektgesellschaft will an dem Standort neu bauen (AZ berichtete). Geplant sind Büros, Handel, ein Hotel und Wohnungen. Sofern die Genehmigungen rechtzeitig vorliegen, will die OFB bereits im Frühjahr 2027 mit dem Rückbau der oberirdischen Geschosse beginnen. Der Mietvertrag mit Galeria läuft bereits am 31. Januar 2027 aus.

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