Arzt und Betrüger: "Mir ist alles über den Kopf gewachsen"

Der Internist bestellte, ohne zu bezahlen. Das Amtsgericht gewährt ihm eine Bewährungsstrafe.
| John Schneider
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Arzt und Betrüger: Peter C. auf dem Weg in die Freiheit.
jot Arzt und Betrüger: Peter C. auf dem Weg in die Freiheit.

München „Da haben Sie völlig Recht.“ Diesen Satz wird Peter K. (60, Name geändert) während der Verhandlung bestimmt ein dutzend Mal gesagt haben. Damit signalisierte der Internist mehr als deutlich, dass er das Unrecht seiner Taten vollkommen einsieht.

Sechs Jahre lang hat der völlig überschuldete Arzt immer wieder Waren und Dienstleistungen bestellt, ohne ernsthaft vorzuhaben, jemals zu bezahlen. Unter den Opfern seiner mangelnden Zahlungsmoral finden sich Handwerker, Zahnärzte, Therapeuten, Anwälte, Krankenkassen und Elektro-Supermärkte. 49 Fälle zählt die Anklage auf. Der Schaden liegt bei knapp 120 000 Euro.

Peter K. ist kein unbeschriebenes Blatt für die Justiz. Es gibt einschlägige Vorverurteilungen. Zuletzt wurde er 2012 wegen Bankrotts verurteilt. „Hat Ihnen das als Warnung nicht gereicht?“, will die Amtsrichterin wissen.

Er habe die Dinge wohl immer zu rosig gesehen. An die 200 Rechnungen seien jedes Jahr bei ihm aufgelaufen. Da habe er halt mal acht oder so vergessen zu bezahlen. „Mir ist alles über den Kopf gewachsen.“

Auch krankheitsbedingt. Peter K. ist laut Gutachter Matthias Hollweg aufgrund einer bipolaren Störung mal allzu euphorisch, mal depressiv.

Seit 2002 arbeitet der Mediziner selbstständig, häufte immer mehr Schulden an. 1,8 Millionen Euro sind es immer noch. Dabei habe er als Arzt fast immer gut verdient.

Peter K. bescheinigt sich aber einen durchaus bescheidenen Lebenswandel. „Warum dann eine Poggenpohl-Küche und keine von Ikea“, hakt die Richterin nach. Der Preis-Unterschied sei nicht so groß gewesen, sagt der Arzt. Und der luxuriöse Mercedes vor der Haustür sei ihm sozusagen von seiner Firma zur Verfügung gestellt worden.

Das Gericht belässt es bei einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Gestraft ist er trotzdem. Elf Monate U-Haft hat er hinter sich, außerdem wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit seine Approbation verlieren.

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