Arbeitsgruppe Baumschutz ratlos - Masterplan abgelehnt: Die ernüchternde Baumschutz-Bilanz - München verliert nach Berechnung des BN jedes Jahr mehr als 2000 Bäume

Ein Projekt von den Bezirksausschüssen und dem Bund Naturschutz wollte mit einem Masterplan viel tun für das Stadtgrün. Es hat bisher wenig erreicht.
| Anja Perkuhn
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Die Immobilienpreise in München schaden der Gesellschaft. Ein Kommentar von Anja Perkuhn.
AZ/dpa Die Immobilienpreise in München schaden der Gesellschaft. Ein Kommentar von Anja Perkuhn.

München - Ein Baum, der kein Christbaum auf dem Marienplatz ist, hat es schwer, die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen – und vor allem in einer Großstadt sind Bäume, ist Stadtgrün großen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig sind Bäume für Luft und Stadtklima unermesslich wichtig – darum hat sich vor drei Jahren in München die "Arbeitsgruppe Baumschutz" gegründet.

"Die Verwaltung hat den Ernst der Lage nicht begriffen"

Das überparteiliche Projekt aus den Bezirksausschüssen (BA) und dem Münchner Bund Naturschutz (BN) hat ein Antragspaket ausgearbeitet, um den weiteren Verlust von Bäumen in der Stadt zu stoppen.

21 verschiedene Anträge wurden geprüft

Rüdiger Schaar vom BA Pasing-Obermenzing hat jetzt, zwei Jahre nach dem Paket, bei einem Treffen der BAs viele Blätter ausgedruckt, auf denen die Forderungen der Arbeitsgruppe stehen. 21 sind es, mit bunten Sternen darauf – Rot für "Antrag gescheitert", Gelb für "teilweise erfolgreich", Grün für "erfolgreich". Ein grüner Stern ist da, dazu drei gelbe. "Ich hätte Ihnen gerne etwas vorgestellt, das mehr nach Revolution aussieht", sagt Schaar müde. Die Stadtverwaltung hätte sich offensichtlich viel Mühe gegeben mit den Antworten – "aber wir haben den Eindruck, sie hat den Ernst der Lage nicht richtig begriffen."

Der Baum-Masterplan wurde abgelehnt

Unter den abgelehnten Anträgen ist auch der, einen Baum-Masterplan zu erarbeiten zum aktiven Aufbau eines nachhaltigen Baumbestandes – der Kernpunkt des Pakets. Denn München verliert nach Berechnung des BN jedes Jahr mehr als 2000 Bäume. "Ein totales Drama", sagt der Landtagsabgeordnete Christian Hierneis (Grüne), Vorsitzender des Münchner BN, zumal in Zeiten des Klimawandels.

Das Antragspaket zeigt auf, wie schwer es Bäume in der Stadt haben: Die Baumschutzverordnung gilt zwar in bebautem Gebiet, aber nicht in Parks. Baumpflanzungen bleiben nicht zwingender Bestandteil von Baugenehmigungen. Laut Stadt gibt es keine Möglichkeit, mit einer Erhaltungssatzung vorhandene private Grünflächen vor der Bebauung zu schützen. Der geforderte Baum-Kataster, um einen Überblick über den Bestand zu haben, sei nicht möglich wegen des immensen Aufwands. Immerhin hat die Stadt zugesichert, zu prüfen, ob man die Ausmaße von neu gebauten Tiefgaragen beschränken kann, damit im Boden neben den Gebäuden noch Raum bleibt für Bäume und deren Wurzeln.

Auch bei den Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume gibt es einen Fortschritt: Bisher wurden sie kaum kontrolliert und mit 750 Euro Ausgleichszahlung pro Baum konnte man sich freikaufen. Künftig will die Stadt 60 Prozent der Pflanzungen kontrollieren. "Das würden wir gern auf 100 Prozent kriegen", sagt Schaar. Es bleibt noch viel zu tun. Die AG wird weitermachen


Kommentar: Ein schönes Beispiel

 

Die Immobilienpreise in München schaden der Gesellschaft. Ein Kommentar von Anja Perkuhn.
Die Immobilienpreise in München schaden der Gesellschaft. Ein Kommentar von Anja Perkuhn. © AZ/dpa

Uff, 21 Anträge gestellt – und nur einen durchbekommen. War das den Aufwand der letzten drei Jahre wert? Natürlich war es das. Die "Arbeitsgruppe Baumschutz" hat parteiübergreifend gearbeitet, bis auf drei Bezirksausschüsse haben sich alle mit dem Antragspaket auseinandergesetzt. Ein schönes Beispiel für Lokalpolitik mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Jetzt nach vorne sehen und weitermachen!
 

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