Anthony und Finn: Sie retteten einem Mann das Leben

Die beiden Schüler aus München beobachten, wie mehrere Männer auf dem Platz bewusstlos werden. Während die Erwachsenen achtlos vorbeigehen, schlagen die Teenager Alarm.
| Ralph Hub
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Anthony (13, l.) und Finn am Tag nach ihrem entschlossenen Einschreiten am Sendlinger Tor.
rah Anthony (13, l.) und Finn am Tag nach ihrem entschlossenen Einschreiten am Sendlinger Tor.

München - „Ich würde mir wünschen, dass die Erwachsenen schneller helfen und nicht einfach wegsehen“, sagt Finn. Er ist zwar erst 12 Jahre alt, doch er hat schon begriffen, was im Leben wirklich wichtig ist: Mitgefühl und Zivilcourage.

Finn und Anthony (13) sind am Samstagnachmittag auf dem Heimweg. Sie hatten mit Freunden Yu-Gi-Oh, ein Strategie- und Fantasy-Spiel gespielt. Als sie am Sendlinger Tor ankommen, fallen ihnen ein paar Männer auf, die im Schatten der Bäume vor der Matthäuskirche auf einer Bank sitzen.

Drei sind völlig apathisch, die anderen beiden liegen am Boden. „Die sahen nicht wirklich gesund aus“, erzählt Anthony. „Einer hat versucht, seine Kumpels wachzurütteln, doch das klappte nicht. Der ist dann einfach in Richtung U-Bahn verschwunden.“

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Zu den Männern hingehen, sie ansprechen, das wollen die Schüler nicht. Dazu sind ihnen die Typen zu unheimlich. Rund um den Nußbaumpark halten sich oft Betrunkene und auch Drogensüchtige auf.

Eine Zeugin hatte kurz zuvor beobachtet, dass die Männer Bier getrunken und selbstgedrehte Zigaretten mit Spice, einer berauschenden Gewürzmischung, geraucht hatten.

Die beiden Freunde sehen sich um. Jede Menge Erwachsene laufen vorbei. „Die haben gesehen, dass es den Männern schlecht ging“, berichtet Anthony. „Doch stehenbleiben und helfen wollte keiner.“

„Mensch, lass uns den Rettungsdienst alarmieren“, schlägt Finn vor. Die Freunde wählen auf dem Handy die 112. Nur wenige Minuten später sind vier Rettungswagen und Notärzte vor Ort.

Die Helfer kümmern sich um die Männer. Ein 40-Jähriger und ein 37-Jähriger müssen reanimiert werden. Ein 39-Jähriger ist nicht mehr ansprechbar. Die Retter entscheiden, dass die drei Münchner sofort ins Krankenhaus müssen.

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Anthony und Finn trauen ihren Augen nicht, was sie nun beobachten. „Als die Sanitäter die Männer versorgen, bleiben plötzlich etliche Erwachsene stehen. Manche zückten ihre Handys und begannen, Videos aufzunehmen“, erzählt Finn. Selbst geholfen hatte keiner der Gaffer.

Wie man im Notfall helfen kann, haben Anthony und Finn in der Schule gelernt. Daher kannten sie auch die Notfallnummer 112. „Die kann man doch einfach schnell anrufen“, sagt Finn, „da ist doch nichts dabei.“ Die Polizei will die Buben für die Lebensrettermedaille vorschlagen. Polizeisprecher Carsten Neubert: „Finn und Anthony haben sich vorbildlich verhalten und alles richtig gemacht.“

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