„Anstrengend und laut“: Darum streiken Münchens Erzieherinnen

Mehr Druck, mehr Arbeit, weniger Geld: An diesem Mittwoch treten 6500 Münchner Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe im öffentlichen Dienst in den Streik. Sie fordern von ihrem Arbeitgeber mehr Engagement für ihre Gesundheit - und mehr Geld.
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Birgit Hammer-Sommer fordert mehr Geld und mehr Gesundheits-Hilfe am Arbeitsplatz.
Gregor Feindt Birgit Hammer-Sommer fordert mehr Geld und mehr Gesundheits-Hilfe am Arbeitsplatz.

MÜNCHEN - Mehr Druck, mehr Arbeit, weniger Geld: An diesem Mittwoch treten 6500 Münchner Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe im öffentlichen Dienst in den Streik. Sie fordern von ihrem Arbeitgeber mehr Engagement für ihre Gesundheit - und mehr Geld.

Wir tun es nicht aus Jux und Dollerei.“ Die Münchner Erzieherinnen haben ihre Gründe, warum sie heute streiken. Ihnen geht es um die körperlichen Belastungen der Arbeit, um gesellschaftliche Anerkennung und eben auch ums Gehalt.

„Wir bewundern, was ihr mit den Kindern macht. Und das bei der Bezahlung“, hört Birgit Hammer-Sommer oft von Eltern. Die 52-Jährige leitet die städtische Kinderkrippe am Hansapark. Sie kennt den Alltag in Kindertagesstätten. „Es ist wunderschön, aber auch anstrengend und laut.“

Vor allem der Rücken leidet in diesem Beruf. „Den ganzen Tag auf Mini-Stühlen sitzen, sich ständig bücken müssen, das dauernde Heben von Kindern“, zählt eine Münchner Kindergarten-Leitern die Belastungen für die Bandscheibe auf. Trotzdem weigern sich die Arbeitgeber, über einen Tarifvertrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu verhandeln. Mit einem solchen Vertrag müssten die Träger von Kindergärten mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun: mit speziellen Stühlen gegegen Rückenbeschwerden zum Beispiel. Verdi hat die rund 6500 Beschäftigten der kommunalen Kindertagesstätten, Kinderkrippen, Tagesheime und Horte heute zum Warnstreik aufgerufen. „Da bewegt sich sonst nichts“, bedauert Birgit Hammer-Sommer.

Eine Stunde Autowerkstatt kostet mehr als die Betreuung von Kindern

„Erfreulicherweise haben die Eltern Verständnis, jedenfalls in meiner Einrichtung“, sagt die Erzieherin. Obwohl sie kurzfristig Ersatz-Betreuung für ihre Kleinen organisieren mussten. Doch in der breiten Bevölkerung fehlt die Unterstützung für die Erzieherinnen. Eine Stunde Autowerkstatt kostet mehr als die Betreuung von Kindern.

Und in dem Beruf steckt mehr als die bloße Beaufsichtigung. Es steht auch die frühkindliche Förderung auf dem Programm. Und neben der täglichen Arbeit mit den Kindern und der ständigen Verantwortung gibt es seit Jahren mehr und mehr Aufgaben.

So müssen Erzieherinnen die kindliche Entwicklung dokumentieren, damit Fördergelder beantragt werden können. Dazu kommen noch die Elterngespräche über frühkindliche Bildung oder eventuelle Defizite beim Sprechen oder in der Motorik. „Das ist alles sehr zeitintensiv“, so Hammer-Sommer. Und bedeutet Stress für Körper und Geist.

"Unser Beruf ist nicht irgendein Job"

„Dabei habe ich mit meinem Arbeitgeber, der Landeshauptstadt München, noch Glück“, räumt die Krippen-Leiterin ein. „Denn hier gibt es eine Betriebsvereinbarung zur Gesundheitsförderung.“ Doch die allein reiche nicht aus. „Ich finde es wichtig, dass es einen bundesweiten Standard gibt, der uns schützt, stützt und unterstützt.“ Dafür streiken sie und ihre Kolleginnen heute.

Eine davon meint: „Auch in Zeiten der Krise müssen wir schauen, wo wir bleiben.“ Und sie will, dass der Gesellschaft eins klar wird: „Unser Beruf ist nicht irgendein Job. Das ist eine Berufung.“

Barbara Brießmann

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