Angeklagter im Fall Böhringer: Will er sich zu Tode hungern?

Eingefallene Wangen, den Kopf kahl rasiert, tief liegende Augen – als Benedikt T. (33), der mutmaßliche Mörder der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer (†59), am Mittwoch den Münchner Schwurgerichtssaal betrat, waren die Zuschauer entsetzt.
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Der Angeklagte: Benedikt T. (33).
Ronald Zimmermann Der Angeklagte: Benedikt T. (33).

MÜNCHEN - Eingefallene Wangen, den Kopf kahl rasiert, tief liegende Augen – als Benedikt T. (33), der mutmaßliche Mörder der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer (†59), am Mittwoch den Münchner Schwurgerichtssaal betrat, waren die Zuschauer entsetzt.

„Das gibt’s doch nicht!“ Die Eltern, die noch keinen der 73 Prozesstage versäumt hatten, mussten sich sogar gegenseitig stützen. Der Mutter schossen die Tränen in die Augen. Hat ihr Beni sich bereits aufgegeben? Oder wollte der Student ein Zeichen gegen die aus seiner Sicht ungerechte Justiz setzen?

Fakt ist: Seit dem 21. April befindet sich Benedikt T. im Hungerstreik. 13 Kilo hat er bereits verloren. Künstlich ernährt wird er noch nicht. Das bestätigte Hans Herbert Moser, Chef der Justizvollzugsanstalt Stadelheim: „Ich wäre darüber informiert worden.“

Mord nach einem Erbstreit?

Über zwei Jahre befindet sich der Angeklagte in U-Haft. Er soll am Abend des 15. Mai 2006 seine Tante Charlotte Böhringer erschlagen haben. Motiv: ein Erbstreit. Sie wollte ihn aus dem Testament streichen, weil er sein Jura-Studium abgebrochen hatte. Benedikt T. bestreitet die Tat.

Seine Strafverteidiger Peter Witting und Stefan Mittelbach versuchen bis heute vergeblich, die Vorwürfe zu entkräften. Unzählige Beweisanträge wurden gestellt. Zeugen mehrfach verhört. Einige Beweise konnten entkräftet oder in Frage gestellt werden. Beispiel: Die Blutspur am 500-Schein, den man bei T. fand, stammt nicht vom Opfer. 100000 Euro Belohnung hat die Familie des Angeklagten zur Ergreifung des „wahren Täters“ ausgesetzt.

Benedikt T. selbst kann nicht mehr tun, als „stillen Protest“ betreiben. Und dies tut er derzeit recht eindrucksvoll.

Torsten Huber

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