"An Respektlosigkeit nicht zu überbieten": Warum die Wohngeldkürzung München hart trifft
In München beziehen rund 8000 Haushalte Wohngeld, sagt das Sozialreferat. Alle werden am 1.1.2027 mehr Geld fürs Heizen ausgeben müssen, denn der Bund plant, den Zuschuss zu halbieren.
"Münchner Wohngeldempfänger sind vor allem Aufstocker", erklärt Linken-Stadtrat Stefan Jagel: "Sie sind berufstätig und haben trotz einer Beschäftigung nicht genug Geld zum Wohnen." Andere hätten ein Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen, lebten jedoch von "kargen Renten". "Dass Merz bei diesen Menschen spart, ist an Respektlosigkeit nicht zu überbieten", ärgert sich der Linken-Fraktionsvorsitzende.

Die geplante Berliner Reform träfe München "mit voller Wucht", kritisiert der 42-Jährige: "In keiner Stadt Deutschlands geben die Menschen einen so großen Teil ihres Einkommens für das Wohnen aus."
Die Linke warnt: Die Reform der Bundesregierung "lässt Menschen mit ihren hohen Mieten allein". Sie führe dazu, dass viele Haushalte weniger Wohngeld erhalten oder ihren Anspruch verlieren: "Damit steigt das Risiko von Mietrückständen, Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit", befürchtet Stefan Jagel.
2400 Haushalte könnten Wohngeld verlieren
Nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes könnten ab Januar aus Sparzwängen bundesweit 500 000 Haushalte ihren Wohngeldanspruch verlieren.
Nach Berechnungen des Sozialreferats fallen dann rund 2400 Münchner Haushalte aus der Wohngeldförderung. Diese Zahl hat Die Linke von Stadtdirektor Stefan Eckhardt aus dem Sozialreferat erhalten. Die Linken-Fraktion im Rathaus hatte Sozialreferentin Dorothee Schiwy einen Fragenkatalog zu den Münchner Auswirkungen der Bundespolitik gesendet.
Prognose: 1000 Haushalte mehr in Grundsicherung
Von rund 2400 Münchner Haushalten, die ab Januar 2027 dann nicht mehr wohngeldberechtigt wären, müssten, nach aktueller Berechnung des Sozialreferats, rund 1000 Haushalte in die Grundsicherung wechseln — ein Abrutsch in die Sozialhilfe. "Ein Umzug in eine günstigere Wohnung ist illusorisch. Den aktuell noch Wohngeldberechtigten wird zum Teil nichts anderes übrig bleiben, als Grundsicherung zu beantragen", bestätigt das Stefan Eckhardt vom Sozialreferat. "Die Wohngeldreform drängt Münchner Haushalte in die Armutsspirale", beklagt Stefan Jagel.
Grundsicherung ist "mit Scham behaftet"
Für viele Rentnerinnen und Rentner und Beschäftigte mit einem niedrigen Einkommen, wäre Grundsicherung "mit Scham behaftet", meint Stefan Jagel: "Es bedeutet einen Verlust von Eigenständigkeit und Selbstwert. Betroffene sind verpflichtet, ihre geringen Ersparnisse weitgehend aufzubrauchen."
Kosten steigen für die Stadt: Kommune zahlt einen Teil der Grundsicherung
Weiterer Kritikpunkt: "Auf die Stadt kommt mehr Bürokratie und weitere Kosten durch die teilweise Übernahme der Mieten zu", kritisiert Stefan Jagel. Denn München, die Kommune, zahlt einen Teil der Grundsicherung für ihre Bürger.
Die Linke München ruft jetzt zum Protest: "Stoppt die Wohngeld-Kürzungen" - per Musterbrief nach Berlin.
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