Altstadt-Winter: Kurz, aber schön – ein Blick zurück auf das verschneite München
Erinnern Sie sich noch an den letzten Sommer? Die Nachrichten überschlugen sich mit Wetterkarten in verschiedenen Rottönen. Suggeriert wurde: Deutschland brennt. Mal mehr, mal weniger. Die Todeszone begann gefühlt bei 25 Grad. Immer wieder Hitzewarnungen – dabei war der Sommer, bis auf Ausnahmen, nicht besonders warm.
Vorletzte Woche begann es wieder. Eingefärbte Wetterkarten, Warnungen aus dem Haus zu gehen, eine Schneewalze kämpfe sich vom Norden aus über Deutschland.

Man verglich das mit dem Jahrhundertwinter 1978/79. Ich war damals gerade beim Bund (ja, es gab sie schon mal, die Wehrpflicht) und im Januar ‘79 in einem Manöver in Bergen-Hohne im Norden. Nachts hatten wir -27 Grad und wirklich viel Schnee.
Kurze winterliche Stimmung in der Stadt: Stadtspaziergänger Sigi Müller hielt alles mit der Kamera fest
Außer der Schneefarbe gab es keine Parallelen. Ich glaube das Schlimmste, was jetzt in Hamburg passierte, war die zerstörte Schneemannparade auf einem Brückengeländer, die ja von vielen Hamburgern wieder aufgebaut wurde.
Nun, nach Tagen der Panikmache, kam die Schneewalze auch in München an. Minus 7 Grad und 4 (!) Zentimeter Neuschnee. Wie ging es weiter? Wir haben überlebt. Früher hatten wir ein Wort für dieses Phänomen. Wir nannten es einfach Winter und da war dann alles inbegriffen.

Aber auch, wenn es nur vier Zentimeter waren, schön war es trotzdem und so zog ich durch die Stadt und machte Fotos. Begann in der blauen Stunde am Morgen am Marienplatz und war noch unterwegs, als die Sonne aufging und den Schnee beleuchteten. Irgendwie schon besonders, München im Winter.
Auf den Türmen der Frauenkirche hatten die Kuppeln weiße Kappen
Überall fuhren die Schneeräumer und auf dem Boden waren die gewaltigen Schneemassen schnell entfernt. Auf den Türmen der Frauenkirche hatten die Kuppeln weiße Kappen, die Eiszapfen am Fischbrunnen waren durch das Tauwetter vorher verschwunden und das Wasser plätscherte wieder.

Weiter durch die Fußgängerzone, rechts zur Frauenkirche, die Stufen vom Wasserpilzbrunnen schneebedeckt. Richtung Stachus, an dem schneebedeckten Wels und dem Keiler vorm Jagdmuseum vorbei. Irgendwann färbte sich der Himmel violett und die Sonne würde sicher bald über die Dächer kommen. Ich bummelte weiter durch die Altstadt und landete am Ende meines Spaziergangs in der Sendlinger Straße.

Na ja, Schneewalzen hatte ich mir anders vorgestellt. Ich weiß nicht, warum aus jedem Wind ein Sturm wird, aus jedem Nieselregen eine Sintflut. Ich jedenfalls freue mich immer noch, wenn’s mal schneit.
In diesem Sinne eine schöne Woche, Ihr Sigi Müller






