Als sich Tausende Münchner von Mosi verabschiedeten: Rudolph Moshammer starb vor 21 Jahren

Rudolph Moshammer war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Er verlieh München im ausgehenden 20. Jahrhundert und Anfang der 2000er Jahren Glanz und Glamour, immer neue Geschichten und Skandälchen, er war der bunteste Paradiesvogel in der Münchner Schickeria.

In seinem Geschäft Carnaval de Venise in der Maximilianstraße schwatzte er Promis aus aller Welt extravagante Seidenklamotten und sündteure Krawatten auf, während sich draußen vor der Tür neugierige Touristen herumdrückten.

Immer an seiner Seite: seine geliebte Mutter Else, die in ihren späten Jahren die toupierten Haare in der Farbe silber-lila trug. Und natürlich Yorkshire-Hündin Daisy. Starb das Schoßhündchen, folgte das nächste mit dem selbem Namen. Die kleinen Terrier trug er in einer Louis-Vuitton-Tasche herum und es heißt, sie durften ihr Geschäftchen auch drinnen machen. Denn spazieren ging Mosi nicht so gern.
21 Jahre liegt der tragische Tod des exzentrischen Münchners zurück. Die Trauerfeier für ihn ähnelte einem Staatsbegräbnis. So viel öffentliche Anteilnahme hatte es seit dem Tod von Franz Josef Strauß († 1988) nicht gegeben. Tausende Menschen säumten die Straßen, als Mosis Sarg im Leichenwagen durch die Maximilianstraße zum Ostfriedhof rollte. In einem Mausoleum neben seiner Mutter Else fand er dort die letzte Ruhe. Den denkmalgeschützten Bau hatte er für 50 Jahre erworben.

Moshammer, der Lebenskünstler, Exzentriker und Selbstdarsteller, wurde so pompös zu Grabe getragen, wie er zu seinen besten Zeiten gelebt hatte.
Seine andere Seite, die Schattenseite, war weniger bekannt. Rudolph und Else Moshammer hatten schlimme Zeiten erlebt. "Rudis" Vater wurde zum Trinker, nachdem er seine Arbeit verloren hatte. In den BR-Lebenslinien schilderte Moshammer, welch große Angst er um seine Mutter gehabt hatte. Und davor, dass der Vater wahrmachen würde, was er im Suff angekündigt hatte: aus "Schande" die ganze Familie "auszulöschen".
Mosi half regelmäßig: "Er machte kein Aufhebens darum"
Rudolph und seine Mutter Else zogen schließlich in einer Nacht- und Nebelaktion aus. Der Vater starb später verarmt und obdachlos.
Danach machte es sich Moshammer zur Lebensaufgabe, Obdachlose zu unterstützen. Er spendete Geld, brachte Geschenke. "Meistens machte er überhaupt kein Aufhebens darum", sagt Thomas Schmatz vom Moshammer-Verein Licht für Obdachlose zur AZ zum 20. Todestag. Ab und zu übergab er offiziell einen Spendenscheck, doch oft half er in aller Stille.
"Weihnachten hat er sich unter die Wittelsbacher Brücke mit ans Lagerfeuer gesetzt, von 18 Uhr bis Mitternacht", erzählt Schmatz. Mosi verkaufte auch ab und an das Biss-Magazin für Obdachlose. "Er hat sich stundenlang vor die Theatinerkirche am Odeonsplatz gestellt", erzählt Karin Lohr von Biss. Bis heute gibt es Menschen, die sich voll Dankbarkeit an Mosi erinnern.

Nach seinem Tod wurden Mosis Rolls-Royce, der Schmuck der Mutter und ein Hemd von Napoleon, das in seinem Besitz war, versteigert. Der Erlös – ein mittlerer sechsstelliger Betrag – floss in den neu gegründeten Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose. Was mit dem Geld verdient wird, wird ausgeschüttet.

Mosi unterstützt damit bis heute Biss-Verkäufer. Auch die Obdachlosenhilfe St. Bonifaz und die "Teestube Komm" des evangelischen Hilfswerks bekommen regelmäßig Zuwendungen von dem Verein. Je nachdem, wie viele Zinsen das zurückgelegte Geld abgeworfen hat, ist es mal mehr, mal weniger.

Christoph Lochner von der Teestube Komm sagt: "Wir sind sehr, sehr dankbar, dass uns Rudolph Moshammer bis heute unterstützt!" 2024 konnte etwa ein neuer Wäschetrockner angeschafft werden. Karin Lohr sagt: "Rudolph Moshammer war ein sehr großzügiger, warmherziger Mann. Danke, Mosi!"

"Spenden an den Verein sind in den vergangenen Jahren leider sehr zurückgegangen", so Thomas Schmatz im Januar 2025 noch zur AZ. Ein Jahr später, zum 21. Todestag von Rudolph Moshammer, gibt es den Verein nicht mehr. Wie der Bayerische Rundfunkbereits im Juni 2025 schrieb, wird der Verein aufgelöst. Das verbleibende Vereinsvermögen in Höhe eines niedrigen sechsstelligen Betrags soll in diesem Jahr zwei Münchner Initiativen zugutekommen – einmal dem bekannten Obdachlosenzeitungsprojekt "BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten" sowie der Münchner "Initiative für Menschen ohne Obdach".
Hinweis der Redaktion: Der Beitrag erschien zuerst zum 20. Todestag von Rudolph Moshammer im Januar 2025.