Als ob eine Kleinstadt zum Arbeiten kommt: Von hier pendeln die meisten nach München

Immer mehr Berufspendler meiden den überhitzten Münchner Immobilienmarkt und ziehen in die umliegenden Städte wie Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim. Entscheidend: Die Immobilienpreise in diesen Regionen sind deutlich günstiger.
von  Hüseyin Ince
Lieber eine halbe Stunde Zug fahren, statt Münchner Immobilienpreise zahlen. Das denken sich Tausende Arbeitnehmer.
Lieber eine halbe Stunde Zug fahren, statt Münchner Immobilienpreise zahlen. Das denken sich Tausende Arbeitnehmer. © Rüdiger Wölk

Regelmäßig erhebt der Immobiliendachverband Süd (IVD) Zahlen zum Münchner Immobilienmarkt und auch zur Stadt. Der begehrte Arbeits- und Immobilienmarkt der Stadt ist dabei im Fokus. Und in einer aktuellen Studie wird deutlich, woher inzwischen die meisten Berufspendler kommen.

"Ausweichbewegung" nennt sich das im Fachjargon. Sprich, Tausende potenzielle Münchner meiden inzwischen den überhitzten Immobilienmarkt der Stadt. Sie ist schlicht zu teuer geworden, wenn es darum geht, die eigenen vier Wände zu kaufen oder anzumieten.

Ausgewichen wird vor allem nach Rosenheim, Ingolstadt und Augsburg. Am beliebtesten ist dabei offenbar Augsburg. "Das ist die Pendlerstadt Nummer eins", sagt IVD-Chef Stephan Kippes. Von Augsburg kommen täglich die meisten Berufspendler nach München. Derzeit sind es laut IVD-Zahlen 11.000.

Augsburg hat derzeit knapp 310.000 Einwohner

Wem eine nackte Zahl nicht weiterhilft, um zu verdeutlichen, welche Menge an Menschen das ist, kann man das so einordnen: Eine kleine Kreisstadt wie Miesbach im Süden Münchens hat in etwa 11.500 Einwohner.

Also ist das in etwa so, als ob von Augsburg aus eine ganze Kreisstadt täglich per Bu soder Zug nach München zum Arbeiten kommt. Wer ausschließlich im Homeoffice für ein Münchner Unternehmen arbeitet, ist bei den aktuellen Zahlen noch gar nicht eingerechnet. Augsburg hat derzeit beinahe 310.000 Einwohner. Ein Zwölf-Jahresvergleich: 2013 waren es 275.000. Damals pendelten täglich 7000 Augsburger zur Arbeit nach München.

Auf Platz zwei und drei folgen in einem Vergleich zwischen Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim zunächst Ingolstadt mit täglich 3593 Pendlern und eben Rosenheim knapp dahinter mit 3269 Pendlern. Auch hier haben diese Zahlen seit 2013 um etwa ein Drittel zugenommen.

In Ingolstadt kann eine gute 100-Quadratmeter-Wohnung weniger als 400.000 Euro kosten

"Wer eine Immobilie kaufen oder ein eigenes Haus bauen will, spart sich in den Städten eine Menge Geld", sagt Kippes. Wer sich für Bestandsimmobilie interessiert, zahlt in München im Schnitt 7750 Euro je Quadratmeter. Dieser Wert halbiert sich in Ingolstadt (3750 Euro), in Rosenheim kostet das 4270 Euro und in Augsburg 3960 Euro.

Oder man stelle sich vor, jemand möchte bauen. "Dann ist der Preis für Baugrund ein entscheidender Faktor", sagt Kippes. In München kostet der Quadratmeter Baugrund 2700 bis 2800 Euro je Quadratmeter (gefallen von 3750 Euro im Jahr 2022). In den genannten Umlandstädten liegt der Wert bei unter tausend Euro. In Augsburg sind es etwa 700 Euro.

Die Verkehrsanbindung ist attraktiv. Ein pünktlicher Zug aus Rosenheim sowie Ingolstadt braucht derzeit laut IVD 36 Minuten bis zum Hauptbahnhof, aus Augsburg sogar nur 25 Minuten.

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