Alles muss raus! Mega-Schlange am Marienplatz
In der Küche des Ratskellers rumpelt und kracht es, während Handwerker schrauben, sägen und hämmern. Eigentlich ist das Gasthaus seit dem 31. Dezember 2025 geschlossen. Am Dienstagvormittag ist der Gastraum noch einmal geöffnet, um das Rest-Inventar zu verkaufen. Hier stapeln sich Teller, Bier- und Weingläser, alte Fotos, Tischdecken, Schürzen, Lampen – alles, was man in einem Traditionsgasthaus findet.
Flohmarkt im Ratskeller
Zwischen den Tischen schlendern Besucher, begutachten die Stücke und legen sie in mitgebrachte Körbe und Taschen. Magdalena Machulec hat zwei Keramikflaschen im Korb liegen – eine gelbe und eine weiße für Olivenöl. "Die sind wunderschön", sagt sie. Über Instagram hat sie von dem Flohmarkt erfahren und möchte "ein paar Schnäppchen ergattern".

Ratskeller-Flohmarkt zieht große Menschenmassen an
Auch Jens Schröder ist schon fündig geworden: eine weiße Engel-Skulptur und eine Getränkekarte. Das schwarze Leder ist abgenutzt, in gelb-goldener Schrift steht "Ratskeller München" drauf. "Die möchte ich in meine Vitrine legen", sagt er. Die Schließung des Ratskellers bedauert er. "Das ist ein Stück Münchner Geschichte, das da kaputtgeht."

Sandra Dosch kennt den Ratskeller gut: Sie war oft hier und hatte lange einen Stammtisch. Heute sucht sie Gläser und München-Fotos, um sich ein Stück des Hauses mitzunehmen. Auch die Lampen gefallen ihr.

Das sagt der Wirt zur Schließung
Viele der Stücke hat Wirt Peter Wieser extra für den Ratskeller anfertigen lassen – etwa die Lampen, die er in den 90ern und 2000ern von Künstlern machen ließ. "Ich habe viel Geld reingesteckt", sagt er. "Bereut habe ich es nie."

Die Küche, die Schankbereiche und weitere Räume müssten dringend renoviert werden, die Kosten wurden auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. Da das Neue Rathaus ab 2032 generalsaniert wird, lohnte sich diese Investition für Wieser nicht mehr. Die Stadt bot ihm daher an, bereits zum 31. Dezember 2025 aus dem Betrieb auszusteigen – ein Schritt, den er schweren Herzens ergriff.

Ihm gehe es jetzt, in der Endphase, bedeutend besser. "Mein größter Schmerz war, als ich mein Personal entlassen musste", so der Wirt. "Da habe ich viele Tränen verschüttet." Dass sie alle bis zum Schluss geblieben sind, erfüllt ihn mit Dankbarkeit. "Das habe ich gar nicht erwartet."

Bis Freitag verkauft er "ein paar Tausend" Stücke. Das Teuerste kostet 499 Euro: Der Heilige Urban, eine holzgeschnitzte Figur. Er und seine Frau haben sich für ihr Zuhause auch etwas mitgenommen. Bilder, Töpfe und Teller, die sie selber "tausendmal in der Hand gehalten haben".

Für die Zeit nach der Schließung haben sie eine Europareise mit dem VW-Bus geplant. Ihre Fahrräder nehmen sie mit, um Deutschland, Frankreich, den Balkan und den Norden Europas zu erkunden.

Noch bis Freitag, täglich von 10 bis 14 Uhr, verkaufen sie ihr Inventar. Am Dienstag um 11 Uhr bildet sich eine lange Schlange, die von der Treppe bis in die Mitte des Marienplatzes reicht. Ob bis Freitag noch viel übrig sein wird?
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