Albert Weinzierl und Rudi Kull: Ausgezeichnete Bescheidenheit

Die Münchner Wirte Albert Weinzierl und Rudi Kull sind in Berlin mit dem Special Award für designorientierte Stadthotellerie geehrt worden.
| Daniel Gahn
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München - Was macht den Münchner Erfolgsgastronomen aus? Er ist entweder Wiesnwirt oder prominenter Koch und in Klatschspalten mindestens genauso präsent wie in seinen Lokalen. So oder so ähnlich sieht die klischeehafte Vorstellung eines angesehenen Wirts an der Isar aus. Doch es geht auch anders, ein wenig zurückhaltender, bescheidener und ruhiger: Albert Weinzierl und Rudi Kull gehören seit fast 20 Jahren zu den erfolgreichsten Gastronomen der Stadt.

Unter Wirten sind sie bekannt, der Münchner war sehr wahrscheinlich schon bei ihnen essen, aber der große Rummel um ihre Personen ist nichts für die beiden Freunde. Nun kommen sie allerdings nicht mehr um das Rampenlicht herum. Am Montag sind Kull und Weinzierl zu den Hoteliers des Jahres gekürt worden. In Berlin bekamen sie den Special Award für ihre Vorbildfunktion für ihre designorientierte Stadthotellerie verliehen.

 

Auszeichnung ist eine Art Ritterschlag für Hotelbetreiber

 

Seit 1994 vergibt die AHGZ (Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung) den Preis an Hoteliers, die besondere Konzepte entwickelt haben. Die Auszeichnung ist eine Art Ritterschlag für Hotelbetreiber.

„Wir freuen uns außerordentlich über diesen tollen Preis“, sagt Kull und gibt das Lob sofort weiter: „Wir danken unseren Mitarbeitern, ohne die diese Auszeichnung undenkbar gewesen wäre.“

Die große Bühne ist nicht seine Welt. Der in Ingolstadt aufgewachsene Kull gibt sich bescheiden, auch wenn er das eigentlich gar nicht sein müsste.

Die Erfolgsgeschichte von Kull und Weinzierl beginnt, wie so viele Gastrogeschichten, abends in einer Bar mit dem Satz „Lass und doch zusammen einen Laden aufmachen.“

 

Zehn Lokale und Hotels in 20 Jahren

 

Die beiden lernten sich durch einen gemeinsamen Bekannten kennen und waren sofort auf einer Wellenlänge. 1996 eröffneten sie das Buffet Kull, wenig später übernahmen sie die Bar Centrale und 2001 folgte ihr erstes Hotel: das Cortiina in der Lederstraße.

Mittlerweile führt der studierte Restaurant-Manager Kull gemeinsam mit dem Architekten Weinzierl zehn Lokale und Hotels in der Innenstadt. Alle ihre Läden trennen nur wenige Meter – und sind doch über die gesamte City verteilt.

Kalkül war das nicht. „Das hat wohl so sein müssen“, sagt Kull mit einem Lächeln. Die Gastronomen prägen mit ihren Lokalen und Hotels das Stadtbild im Zentrum und zeichnen sich durch einen individuellen Stil aus, der eine Vorbildfunktion für die Branche hat. Auffallen wollen sie trotzdem nicht.

 

Individualität anstelle von Monotonie

 

Die Restaurants und Hotels von Kull und Weinzierl sind sich keineswegs ähnlich. Mal italienisch wie das Riva, dann äußerst designorientiert wie das Cortiina oder auch mit einer japanischen Note wie das Emiko im Louis Hotel. Es sind die Vielfalt, die Gestaltung und immer eine Prise Außergewöhnlichkeit, was ihre Läden auszeichnet.

Eine Sache ist jedoch überall gleich. Der kleinste gemeinsame Nenner lautet Service. Kull hat seine Karriere im Service begonnen und so legt er besonderen Wert auf die Freundlichkeit seiner Angestellten: „Schaut’s, dass der Gast mit einem Lächeln wieder raus geht“, erklärt Kull die Philosophie. „Wir haben jeden Tag die Chance, ein Tor zu erzielen. Das Feedback der Gäste motiviert uns“, sagt er.

Eigentore schießen Kull und Weinzierl nicht. All ihre Läden laufen ausgesprochen gut und vertreten immer die Ideologie, dass der Gast im Mittelpunkt steht und sich wohlfühlt. Bussi-Bussi und Arroganz, die der Münchner Gastroszene gerne nachgesagt werden, finden sich in keinem der Läden, die Kull und Weinzierl betreiben. Das ist nicht ihre Welt.

Ab und an wechselt Kull die Seiten und wird vom Hotelier wieder zum Gast und checkt in einem seiner Hotels ein: „Ich mache das regelmäßig. Ich will spüren, wie sich das anfühlt, wenn man in der eigenen Stadt übernachtet. Da entdeckt man immer wieder etwas Neues.“

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