Abzocke mit falschen WG-Inseraten: Ein besonders krasses Beispiel

Fake-Inserate auf einschlägigen Immobilienportalen bieten vermeintliche Top-Wohnungen zu bezahlbaren Preisen. Ein besonders dreistes wie krasses Beispiel aus München.
| Lukas Schauer
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395 Euro warm für eine Wohnung mitten in München - zu schön, um wahr zu sein?
Screenshot studenten-wg.de 3 395 Euro warm für eine Wohnung mitten in München - zu schön, um wahr zu sein?
In diesem Haus in der Himmelreichstraße soll die Wohnung frei sein.
Google Street View 3 In diesem Haus in der Himmelreichstraße soll die Wohnung frei sein.
Dieser Messi ist kein Fußballspieler...
Screenshot studenten-wg.de 3 Dieser Messi ist kein Fußballspieler...

München - Es klingt so schön: Ein 18 Quadratmeter großes Zimmer in einer WG in der Himmelreichstraße in der Nähe des Englischen Gartens. Die Wohnung ist ausgerüstet mit einem Gäste-WC, Spülmaschine und großem Balkon. Frei ab dem 17.1.2020. Und das für 395 Euro warm. Was ein sensationelles Angebot.

395 Euro warm für eine Wohnung mitten in München - zu schön, um wahr zu sein?
395 Euro warm für eine Wohnung mitten in München - zu schön, um wahr zu sein? © Screenshot studenten-wg.de

Ist der irre Münchner Wohnungsmarkt etwa doch nicht mehr ganz so schlimm? Weit gefehlt: Das Angebot ist ein Fake, ein dreister Betrug. Und leider nur ein besonders krasses Beispiel.

Fake-Inserate: Die groben Daten stimmen meist

Online gestellt wurde das Inserat auf der Seite "studenten-wg.de". Eine Immo-Plattform, die sich speziell an die Bedürfnisse von Studenten richtet. Dort werden hauptsächlich Zwischennutzungen, WG-Zimmer oder kleine möblierte Appartements angeboten.

In diesem Haus in der Himmelreichstraße soll die Wohnung frei sein.
In diesem Haus in der Himmelreichstraße soll die Wohnung frei sein. © Google Street View

Im eingangs geschilderten Fall könnte man allerdings bereits stutzig werden, wenn man sich die angegebene Adresse auf Google-Maps ansieht. Die Hausnummer gibt es zwar. Auch dürfte es dort Wohnungen geben. Allerdings eher zu Preisen, die wohl eher eine Null nach der "395" haben – falls hier überhaupt zur Miete gewohnt wird.

München oder Köln? Hauptsache Fake!

Wer nun immer noch nicht stutzig ist, der sollte sich den beschreibenden Text zu Gemüte führen. Dort heißt es: "Das Highlight der Wohnung ist der großzügige Balkon, auf dem wir immer gefrühstückt oder abends mit ein paar Leuten ein Bierchen getrunken und das Wetter genossen haben." So weit, so gut. Das Haus hat ja auch einen tollen umlaufenden Balkon.

Dann aber kommt es: "Die Wohnung ist in einem super Zustand und würde unrenoviert übergeben. Dafür würden wir die Balkonmöbel sowie zwei Regale – falls gewünscht – in der Wohnung lassen. Dieses Setup ist perfekt, wenn man in Köln ankommt und sich nicht um den ganzen Wohnungskram kümmern will."

Das ist nun doppelt dreist: Erstens ist München nicht Köln (was man noch als Versehen abtun könnte) und zweitens gibt es in der Domstadt gar keine Himmelreichstraße. Hier hat also jemand offensichtlich Textbausteine kopiert und wieder eingefügt.

Der Handel mit Daten wird immer lukrativer

Als Ansprechpartner für die Wohnung wird im Inserat ein "Messi Dremo" genannt. Er ist nur via E-Mail zu kontaktieren. Macht man dies, bekommt man die Aufforderung, seine Telefonnummer zu hinterlassen. Man werde dann zu einem Besichtigungstermin eingeladen. Was natürlich nie passiert.

Dieser Messi ist kein Fußballspieler...
Dieser Messi ist kein Fußballspieler... © Screenshot studenten-wg.de

Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor solchen Anzeigen. "Es liegt nahe, dass die Daten missbräuchlich verwendet werden", so eine Sprecherin. Die Daten können etwa weiterverkauft werden, "es kann auch zu einem Identitätsdiebstahl kommen. Je nach Ausmaß kann hier auch ein finanzieller Schaden entstehen", so die Expertin weiter. Die Verbrauerzentrale rät: "Orientieren sollten sich Suchende grundsätzlich am ortsüblichen Mietpreis. Bei ungewöhnlich niedrigen Mietpreisen ist Vorsicht geboten."

Fake-Anzeigen müssen gemeldet werden

Das Portal "studenten-wg.de" selber schaltet zwar auf der Seite Warnhinweise vor betrügerischen Anzeigen, diese verhindern aber nicht, dass die Inserate immer wieder auf der Website landen. Im konkreten Fall war die Wohnung für knapp eine Stunde online, ehe sie offline genommen wurde.

Was das Unternehmen zu derlei Anzeigen sagt, war für die AZ nicht zu erfahren. Die Betreiber der Seite waren auch nach mehrmaliger Anfrage nicht zu erreichen.

Lesen Sie hier: Sex-Anzeige für preiswerte Wohnung in München - Das steckt dahinter

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