Abschied von einem Idyll: Münchner Stadtspaziergänger besucht die verlassene Eggarten-Siedlung

Der Eggarten spaltet die Stadt, weil er dem Wohnungsbau weichen soll – Ortstermin mit dem Stadtspaziergänger.
Sigi Müller |
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Wie aus einer anderen Zeit irgendwo auf dem Land und ganz sicher nicht in der Stadt: ein verwunschenes, eingewachsenes Häusl im Eggarten.
sigi mueller 9 Wie aus einer anderen Zeit irgendwo auf dem Land und ganz sicher nicht in der Stadt: ein verwunschenes, eingewachsenes Häusl im Eggarten.
Eggarten-Relikt: eine alte,verrostete Garten-Pumpe.
sigi mueller 9 Eggarten-Relikt: eine alte,verrostete Garten-Pumpe.
Der Eggarten bleibt? Wie man heute weiß: offenbar nicht.
sigi mueller 9 Der Eggarten bleibt? Wie man heute weiß: offenbar nicht.
Hier schaukelt schon lang niemand mehr.
sigi mueller 9 Hier schaukelt schon lang niemand mehr.
Ein Biotop: verwilderte Obstbäume in einem verwilderten Garten.
sigi mueller 9 Ein Biotop: verwilderte Obstbäume in einem verwilderten Garten.
Da fühlt man sich doch gleich willkommen, oder?
sigi mueller 9 Da fühlt man sich doch gleich willkommen, oder?
Der weiße Flieder blüht – in seiner wohl letzten Saison.
sigi mueller 9 Der weiße Flieder blüht – in seiner wohl letzten Saison.
Eggarten-, Ecke Marderstraße. Ob die Straßennamen wenigstens bleiben?
sigi mueller 9 Eggarten-, Ecke Marderstraße. Ob die Straßennamen wenigstens bleiben?
Stadtspaziergänger Sigi Müller.
sigi mueller 9 Stadtspaziergänger Sigi Müller.

Vor einigen Jahren habe ich schon einmal eine Kolumne über den Eggarten gemacht und fand ihn jetzt nicht viel anders als damals vor. Alles war vielleicht ein bisschen eingewachsener, verrosteter, verfallener. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor langer Zeit ab und zu einmal bei der Oma eines Spezls zum Kaffee im Garten eingeladen war. Eine wunderbare heile Welt.

Eine Park-Idylle ist es nicht

Nun, das ist alles leider vorbei, alles wuchert zu. Und nein, eine Park-Idylle ist es nicht, dafür ist ja alles viel zu kleinteilig eingezäunt. Maschendraht, Stacheldraht, Holzzäune, Kameraüberwachung. Natürlich haben sich Vogelarten angesiedelt, für die Zäune kein Hindernis sind. Bestimmt gibt es Fuchs und Marder, ein Eichhörnchen habe ich gesehen. Ich verstehe, dass viele Menschen das gerne erhalten möchten.

Ich muss dazu sagen, dass ich ein sehr Tier- und naturaffiner Mensch bin und dass es natürlich schön wäre, wenn man ein solches Gebiet der Natur überlassen könnte. Scheitern würde es aber meiner Meinung nach, da das Gelände auf drei Seiten von viel befahrenen Straßen und von einer Seite von Gleisen eingefasst ist. Umgeben alles von der Stadt. Somit wären Tierwanderungen immer eine Gefahr.

"Viele Ideen sind wirklich gut"

Nun, wir leben nun einmal in einer 1,6-Millionen-Stadt und da ist es oft schwierig, manchen Gedanken und Menschen zu folgen, die die Stadt zum Teil sehr radikal umbauen möchten. Natürlich muss sich einiges ändern und viele Ideen sind wirklich gut, aber wer Land und Wildnis möchte und damit Wohnungsbau verhindert, der muss wohl aufs Land ziehen. Nur Vorsicht! Die Kühe da haben Glocken und so mancher ehemalige Stadtbewohner hat schon den Bauern seines Vertrauens verklagt, weil die Kühe auch nachts bimmeln. Irgendwas ist halt immer.

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Eines der größten Probleme sind viele tausend fehlende Wohnungen. Die Mietpreise sind explodiert und viele können sich Wohnungen in München gar nicht mehr leisten, es sind schlicht zu wenige da.

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Und in dieser Situation finde ich es schwierig, dass immer wieder Bauprojekte über Jahre gestoppt werden, weil eine Kröte, ein Molch oder Eidechse, Käfer oder Falter dort leben, man über Umsiedelung redet und dass es ewig dauert, bis alle Ämter geprüft haben, wie der Molch heiliggesprochen werden kann.

Können wir es uns heute wirklich erlauben, dadurch Tausenden Menschen Wohnraum zu verweigern? Nachdenklich gehe ich zurück zur U-Bahn am OEZ und fahre nach Hause.

In diesem Sinne eine schöne Woche

Ihr Sigi Müller

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  • PeterBx am 15.06.2026 12:26 Uhr / Bewertung:

    Wenn das stimmen sollte, werden also weitere 1000 Wohnungen die Vergleichsmieten nach oben treiben. Denn Genossenschaftswohnungen werden normalerweise nicht dem allgemeinen Mietmarkt zur Verfügung gestellt.
    Nein, eine (ver-)dichte(nde) Besiedlung fördert die ohnehin bestehenden Probleme noch weiter!
    Siehe Freiham: Die öffentliche Infrastruktur ist für die Anzahl an Wohnraum unzureichend. Angeblich wurden nur 0,5 Parkplätze je Wohneinheit geplant (siehe auch: Artikel AZ vom 15.01.2026 "Bei vielen Bewohnern in Freiham hat sich wegen fehlender Parkplätze Frust angestaut") . Das ist/wird eine Katastrophe mit Ansage!
    Die Gewerbegebiete gibt es im Umland bereits zuhauf (siehe z.B. Oberpfaffenhofen/Dachau etc.), nur den zugehörigen Wohnraum, um die Stad zu entlasten, bauen sie nicht.

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  • Flo91 am 15.06.2026 13:56 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von PeterBx

    Durch solche Wohnungen wird es für viele überhaupt erst möglich anständig und bezahlbar in der Stadt zu wohnen.

    Die öffentliche Infrastruktur ist hier auch mehr als ausreichend, bzw. wird sogar ausgebaut.

    Die U-Bahn Oberwiesenfeld ist in 15 min zu Fuß zu erreichen,

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  • PeterBx am 15.06.2026 14:23 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Flo91

    Oops, da sollte der Kommentar hin:

    Das trifft aber nur auf die Genossenschaftswohnungen zu.
    Alle anderen dürfen sich über steigende (Vergleichs-) Mieten, mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Versiegelung und mehr sozialen Druck freuen. Letzteres trifft auch die Genossenschaftler.
    Das die Eggarten-Siedlung im derzeitigen Zustand kein Aushängeschild für Ökologie ist, ist unbestritten, aber darf kein Argument sein, diese einfach "platt" zu machen.
    Und was der Ausbau des ÖPNV bewirken kann, habe ich mit der Fürstenrieder Str. täglich vor meiner Haustür. Außer Fahrspurreduzierungen und jahrelanger Bauzeit nämlich gar nichts.

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