Abschied der Marktweiber in München: Ein letzter Tanz

Am Faschingsdienstag verabschieden sich die legendären Marktweiber des Viktualienmarkts mit einem letzten, farbenfrohen Tanz. Nach Jahrzehnten voller Leidenschaft und Tradition wird dieser Abschied ein emotionales Highlight für die treuen Fans.
Verabschieden sich heuer von ihrem treuen Publikum: die beliebten tanzenden Marktweiber (v.r.) Monika Schneider, Christl Lang (im berühmten Erdbeer-Kleid). und Hella Friedl mit Tanzlehrer Christian Langer. Letzte Woche nahmen sie mit der ganzen Tanzgruppe beim Umzug der Damischen Ritter teil.
Verabschieden sich heuer von ihrem treuen Publikum: die beliebten tanzenden Marktweiber (v.r.) Monika Schneider, Christl Lang (im berühmten Erdbeer-Kleid). und Hella Friedl mit Tanzlehrer Christian Langer. Letzte Woche nahmen sie mit der ganzen Tanzgruppe beim Umzug der Damischen Ritter teil. © Annette Baronikians

Christl Lang hat die Qual der Wahl. Sie steht vor ihrem großen Schrank und kann sich nicht entscheiden. Soll sie das grüne Tüllkleid nehmen, übersät mit farbenprächtigem (Plastik-) Obst? Das raffinierte gelbe "Ananas-Kleid" mit dem ausladenden "Frucht-Hut" oder doch lieber die rosafarbene Robe mit unzähligen aufgenähten Erdbeeren?

"Es ist keine einfache Entscheidung. Ich mag alle meine 15 Kleider, die in fast 40 Jahren so zusammengekommen sind", sagt Lang der AZ: "Doch jetzt geht es ja um den letzten Tanz."
Das klingt nach Abschied, und es ist auch einer. Am Faschingsdienstag, 17. Februar, tanzen die berühmten Münchner Marktweiber auf dem Viktualienmarkt zum letzten Mal in ihrer altbekannten Formation: Fünf Viktualienmarkt-Ikonen um die langjährige Marktfrauen-Sprecherin Christl Lang (die letztes Jahr den Bayerischen Verdienstorden bekommen hat) verabschieden sich heuer von ihren Fans.

"Ich stecke das Tanztraining nicht mehr so gut weg"

"Mein Rücken macht nicht mehr mit. Es hilft nichts", sagt Lang, die Jahrzehnte einen Obst- und Gemüsestand auf dem Viktualienmarkt hatte. Aus gesundheitlichen Gründen hören auch ihre vier Kolleginnen auf, die alle zwischen 67 und 72 Jahre alt sind: Bäckerin Annemarie Doll, Erika Schuster (Blumen) und Monika Schneider (Käse). Hella Friedl von der gleichnamigen Metzgerei spricht für alle fünf, wenn sie sagt: "Ich stecke auch das Tanztraining nicht mehr so gut weg."

Ikonen, die am Faschingsdienstag ein letztes Mal tanzen: die zwei Marktweiber Erika Schuster (l.) und Annemarie Doll.
Ikonen, die am Faschingsdienstag ein letztes Mal tanzen: die zwei Marktweiber Erika Schuster (l.) und Annemarie Doll. © IMAGO/STL Studio Liebhart

Wie jedes Jahr hat die bislang insgesamt zwölfköpfige Marktfrauen-Tanzgruppe auch dieses Mal ab Oktober im Pfarrsaal von Heilig Geist beim Viktualienmarkt fleißig ein neues Programm aus etwa zehn Tänzen einstudiert. Für die Choreografien und Training sorgte erneut der Münchner Tanzlehrer Christian Langer –, der heuer am Faschingsdienstag ebenfalls aufhört. Und zwar nach 22 Jahren.  "Natürlich ist man etwas wehmütig.

Wir sind ja so lang mit Herzblut dabei", sagt Christl Lang: "Wir sind aber auch dankbar und freuen uns, dass wir uns von unserem so fantastischen und treuen Publikum, das auch bei Wind und Wetter immer da war, nun richtig verabschieden können."

Nach dem Anschlag auf den Verdi-Protest wurden alle Straßenfeiern abgesagt

Ursprünglich hätte dieser Abschied von der Bühne bereits letztes Jahr stattfinden sollen. Durch den grausamen Anschlag am 13. Februar 2025 in München wurden dann aber der berühmte "Tanz der Marktweiber" und die anderen öffentlichen Faschingsveranstaltungen der Stadt abgesagt (AZ berichtete). Die gesamte Tanzgruppe entschied schließlich, was deren Fans in unzähligen Nachrichten gehofft und gewünscht hatten: eine Verlängerung der altbewährten Marktweiber-Formation um ein Jahr!

"Einfach ohne Abschied zu gehen, das wäre nicht gegangen", sagt Lang: "Wir fünf, die aufhören, wollen unserem Publikum, das uns so viel Liebe und Freude zurückgegeben hat, ja Danke sagen." So tanzt heuer am Faschingsdienstag ab etwa elf Uhr nochmal die zwölfköpfige Gruppe im Alter von 26 bis 72 Jahren.

Höhepunkt des Münchner Faschings

Ganz fraglos wird der farbenfrohe Auftritt nicht nur für das alljährlich begeisterte Publikum auf dem stets proppenvollen Viktualienmarkt wieder ein Highlight sein, sondern auch für die Stadt. Längst werden die tanzenden Marktweiber ganz offiziell als gefeierter "Höhepunkt des Münchner Faschings" bezeichnet.

Diesen wird es auch weiterhin geben. Die Tradition bleibt bestehen. Mit dem Weggang der fünf geradezu legendären Standlfrauen schrumpft die Gruppe zwar erstmal von zwölf auf nur noch sieben Marktfrauen. Doch neue Tänzerinnen sollen erklärtermaßen dazukommen. Gebraucht wird ja zudem auch ein neuer Tanzlehrer. Man darf also gespannt sein, wie sich der traditionsreiche Tanz der Marktweiber weiterentwickelt.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.