Abbusseln und Wampn - Sprachkurs für Zuagroaste

In einem neuen Bildband der etwas anderen Art erklären die Autoren 66 bairische Ausdrücke anhand von Kunstwerken aus Münchner Museen – von Bobbo bis Gschbusi.
| Rudolf Huber
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Schniedel, gamsig und Bobbo - diese Wörter werden mit den Bildern in dieser Kombination beschrieben. Hätten Sie's gedacht? Klicken Sie sich durch...
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Schniedel, gamsig und Bobbo - diese Wörter werden mit den Bildern in dieser Kombination beschrieben. Hätten Sie's gedacht? Klicken Sie sich durch...
Abbusseln: „Wotans Abschied“ haben die Autoren für die Erklärung von „abküssen“ ausgesucht. Ferdinand Leeke hat das Bild um 1895 gemalt, es befindet sich in München in Privatbesitz. „Smother with kisses“ heißt’s übrigens auf Englisch.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Abbusseln: „Wotans Abschied“ haben die Autoren für die Erklärung von „abküssen“ ausgesucht. Ferdinand Leeke hat das Bild um 1895 gemalt, es befindet sich in München in Privatbesitz. „Smother with kisses“ heißt’s übrigens auf Englisch.
Die fesche Dame auf diesem Lovis Corinth-Bild von 1910 hat noch etwas vor – das ist deutlich zu sehen. „Im Korsett“ heißt das Bild. Und das „Aufschwanzen“ wird mit „sich herausputzen“ übersetzt – auf italienisch „agghindarsi“.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Die fesche Dame auf diesem Lovis Corinth-Bild von 1910 hat noch etwas vor – das ist deutlich zu sehen. „Im Korsett“ heißt das Bild. Und das „Aufschwanzen“ wird mit „sich herausputzen“ übersetzt – auf italienisch „agghindarsi“.
Bobbo: Eine „Badende“ – vor oder nach dem Bade? – gibt ihr eindruckvolles Hinterteil für die Erklärung des Bobbos her. Théodore Chassériau hat das Bild 1842 geschaffen. Es zeigt ganz offensichtlich einen „Hintern“, „Bottom“ oder „Sedere“.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Bobbo: Eine „Badende“ – vor oder nach dem Bade? – gibt ihr eindruckvolles Hinterteil für die Erklärung des Bobbos her. Théodore Chassériau hat das Bild 1842 geschaffen. Es zeigt ganz offensichtlich einen „Hintern“, „Bottom“ oder „Sedere“.
Gamsig: „Lüstern“, „lustful“ und „cupido“ übersetzen die Autoren den schönen bairischen Begriff „gamsig“. Lovis Corinth hat anno 1897 mit seiner „Versuchung des heiligen Antonius“ eine ziemlich passende Vorlage dafür gegeben.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Gamsig: „Lüstern“, „lustful“ und „cupido“ übersetzen die Autoren den schönen bairischen Begriff „gamsig“. Lovis Corinth hat anno 1897 mit seiner „Versuchung des heiligen Antonius“ eine ziemlich passende Vorlage dafür gegeben.
Hallodri: Was ist ein Hallodri? Der Ausschnitt von Gerrit van Honthorsts „Fröhliche Gesellschaft“ soll das exemplarisch erklären. Deutlich wird, dass er dem weiblichen Geschlecht zugeneigt ist. Er heißt auch „Frauenheld“ und „Womaniser“.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Hallodri: Was ist ein Hallodri? Der Ausschnitt von Gerrit van Honthorsts „Fröhliche Gesellschaft“ soll das exemplarisch erklären. Deutlich wird, dass er dem weiblichen Geschlecht zugeneigt ist. Er heißt auch „Frauenheld“ und „Womaniser“.
Kuttenbrunzer: Egon Schiele schuf im Jahr 1912 das Werk „Agonie“, dessen Ausschnitt hier für eine wenig respektvolle Bezeichnung für einen Ordensbruder herhalten muss. Mit „Mönch“ übersetzen es die Buchautoren. Oder mit „Monk“.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Kuttenbrunzer: Egon Schiele schuf im Jahr 1912 das Werk „Agonie“, dessen Ausschnitt hier für eine wenig respektvolle Bezeichnung für einen Ordensbruder herhalten muss. Mit „Mönch“ übersetzen es die Buchautoren. Oder mit „Monk“.
Ruassln: Hier genügt ein Blick: Natürlich stammt die schöne Schlafende von Paul Gaugin, das Bild heißt „Die Geburt Christi“, stammt von 1896. Das mit dem Ruassln wird völlig korrekt als „schlafen“, „sleep“ und „dormire“ übersetzt.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Ruassln: Hier genügt ein Blick: Natürlich stammt die schöne Schlafende von Paul Gaugin, das Bild heißt „Die Geburt Christi“, stammt von 1896. Das mit dem Ruassln wird völlig korrekt als „schlafen“, „sleep“ und „dormire“ übersetzt.
Schniedel: Na gut, dem wahren Könner der baierischen Mundart wären durchaus noch prägnantere Synomyme für dieses Anhängsel eingefallen. „Zipfe“ zum Beispiel. Und die hochdeutsche Übersetzung „Penis“ ist auch eher akademisch . . .
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Schniedel: Na gut, dem wahren Könner der baierischen Mundart wären durchaus noch prägnantere Synomyme für dieses Anhängsel eingefallen. „Zipfe“ zum Beispiel. Und die hochdeutsche Übersetzung „Penis“ ist auch eher akademisch . . .
Tschamsterer: Ein wunderbarer bairischer Ausdruck. Der Tschamsterer stammt aus Ferdinand Georg Waldmüllers „Die Erwartete“ und zeigt einen beflissenen „Verehrer“ mit Blümchen – auch als „Admirer“ oder „Corteggiatore“ übersetzt.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Tschamsterer: Ein wunderbarer bairischer Ausdruck. Der Tschamsterer stammt aus Ferdinand Georg Waldmüllers „Die Erwartete“ und zeigt einen beflissenen „Verehrer“ mit Blümchen – auch als „Admirer“ oder „Corteggiatore“ übersetzt.
Wampn: In der Neuen Pinakothek hängt das Arnold Böcklin-Werk „Im Spiel der Wellen“ von 1883. Der Hauptdarsteller nennt eine annähernd perfekt ausgeprägte „Wampe“ sein eigen – auch „Potbelly“ oder „Pancione“ genannt.
"Museum auf Bairisch" / Kohlen und Rönneper 11 Wampn: In der Neuen Pinakothek hängt das Arnold Böcklin-Werk „Im Spiel der Wellen“ von 1883. Der Hauptdarsteller nennt eine annähernd perfekt ausgeprägte „Wampe“ sein eigen – auch „Potbelly“ oder „Pancione“ genannt.

München - Das Rezept ist richtig gut: Man nehme bedeutende Kunstwerke aus allen Epochen – und mache daraus einen etwas anderen Sprachkurs. „Museum auf Bairisch“ heißt das wohlschmeckende Gericht, das bei dieser ungewöhnlichen Kochmethode herausgekommen ist.

Es präsentiert, so der Untertitel, „66 x Kunst auf Bairisch von Abbusseln bis Zupfgeigenhansl“ (Emons Verlag, 14,95 Euro). Um an ihre 66 Begriffe zu kommen, haben die Autoren Georg Kohlen und Joachim Rönneper fleißig Münchner Musenhäuser abgeklappert.

Immer auf der Suche nach dem Kunstwerk zum bairischen Ausdruck. Das Ergebnis dieser künstlerisch-dialektischen Jagd darf durchaus als gelungen bezeichnet werden. Wenn etwa beim „Bobbo“ ein saftiger Ausschnitt von Théodore Chassériaus „Badender“ von der Seite lacht. Oder wenn für den Begriff „Gschbusi“ Hendrick Goltzius’ „Venus und Adonis“ in den Clinch gehen, wird sofort klar, um was es hier geht.

Dekoiddee, Diridari, Goschn, Hallodri oder Kuttenbrunzer – den Autoren ist nichts Menschliches fremd. In einem Aufwasch sorgen sie auch für weltumspannende Völkerverständigung. Denn ihr Büchlein ist auch auf deutsch, englisch, italienisch und chinesisch abgefasst.

 

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