Ab 2027: Diesen Tunnel muss die Stadt dringend sanieren

Um die 100.000 Autos, Lastwagen und Busse fahren täglich durch den Biedersteiner Tunnel - und das seit Jahrzehnten. Er wurde Mitte der 60er Jahre erbaut. Im Rahmen einer Bauwerksanalyse hat nun ein Gutachter Mängel festgestellt. So geht es aus einer Beschlussvorlage des Baureferats hervor, über die der Stadtrat am Dienstag abstimmen soll.
Darin heißt es, dass in den Betonbauteilen im Rahmen der vertieften Bauwerksanalyse ein großes "Schädigungspotential" festgestellt worden sei, "welches mittelfristig zu erheblichen Beeinträchtigungen führen kann".
Welche baulichen Maßnahmen genau erforderlich sind, soll eine detaillierte Prüfung zeigen. Fest steht aber, dass die Stadt auch den Brandschutz ertüchtigen muss. Und das will Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) möglichst schnell angehen.
So sieht der Zeitplan für den Tunnel aus
Die Nachrüstung des Brandschutzes soll laut der Vorlage in der zweiten Hälfte 2027 erfolgen. Etwa sechs Monate soll die Baustelle dauern. Tagsüber soll der Verkehr, so weit es geht, nicht beeinträchtigt sein, weil die Arbeiten hauptsächlich nachts durchgeführt werden sollen. Kosten soll die Maßnahme 5,7 Millionen Euro.
Doch das wird wohl nicht die einzige Baustelle in dem Tunnel bleiben. Für die grundlegende Instandsetzung des Tunnels sind allerdings weitere Prüfungen notwendig. Diese sollen laut der Vorlage rund 1,2 Millionen Euro kosten. Der Stadtrat wird darüber am Dienstag im Bauausschuss entscheiden. Auch die CSU wird der Maßnahme zustimmen, kündigt Stadtrat Thomas Schmid an. Schließlich sei die Sanierung aus Sicherheitsgründen notwendig. "Wir sprechen uns aber für eine kompaktere Planung der Bauarbeiten aus, indem parallel und damit insgesamt kürzer gearbeitet wird", sagt Schmid.
Wo in München bald weitere Baustellen zu erwarten sind
Auch an anderen Stellen ist Münchens Infrastruktur in die Jahre gekommen. Zahlreiche Brücken sind marode. So geht es aus einem Sachstandsbericht zu den Brückenbauwerken, den ebenfalls das Baureferat erstellt hat. In einem ersten Maßnahmenpaket wird die Stadt zwölf Brücken sanieren oder neu bauen.
Dazu zählt auch die etwa 60 Jahre alte John-F.-Kennedy-Brücke, über die man in den Biedersteiner Tunnel fährt. Wie die AZ bereits berichtet hat, überwacht das Baureferat die Brücke mit einem speziellen Monitoringsystem. Mit der Vorplanung für einen Ersatzneubau wurde laut der Vorlage bereits begonnen.
In einem besonders schlechten Zustand ist außerdem die Thalkirchner Brücke. Sie kommt auf eine Zustandsnote von 3,6 – ungenügend. Geplant ist, dass auch diese Brücke ab dem nächsten Jahr von Grund auf neu aufgebaut werden soll. Voraussichtlich für zwei Jahre kann man dann die Isar an dieser Stelle nicht queren.
Doch die JFK-Brücke und die Thalkirchner Brücke sind nicht die einzigen Querungen über die Isar, die die Stadt in den nächsten Jahren angehen muss. Auch die Wittelsbacherbrücke ist in keinem guten Zustand mehr. Die denkmalgeschützte Brücke, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, kommt auf eine Note 3,3 – Zustand nicht ausreichend heißt das. Noch in diesem Herbst soll der Stadtrat über die Vorplanungen für eine Instandsetzung entscheiden. Thema wird dann auch, wie der Verkehr künftig über die Brücke fahren soll.
Auch die Donnersbergerbrücke wird neu gebaut
Komplett neu bauen muss die Stadt zudem die Donnersbergerbrücke. Das Baureferat hat bereits mit einer Machbarkeitsuntersuchung begonnen. "Wenn wir sie einmal bauen werden, haben wir die Chance, der kommenden Generation statt einem eher unansehnlichen Stück Straße einen verbindenden öffentlichen Straßenraum zur Verfügung zu stellen", sagt Susanne Weiß, die baupolitische Sprecherin der Grünen. Das wird voraussichtlich noch Jahre dauern. Denn erst einmal soll der Stadtrat einen Planungswettbewerb in Auftrag geben. Doch aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs führt die Stadt bereits jetzt Reparaturen an der Brücke durch.
Und auch die Hackerbrücke muss die Stadt sanieren. Sie ist Münchens älteste Brücke und stammt aus dem Jahr 1892. Baubeginn soll Mitte des nächsten Jahres sein.
Wie viel die einzelnen Maßnahmen kosten, beziffert die Baureferentin in ihrer Vorlage nicht. Doch alleine all diese Maßnahmen zu planen und die Brücken zu überwachen soll bis 2031 rund 6,5 Millionen Euro kosten. Susanne Weiß von den Grünen nennt das "Bauwerkserhaltungsprogramm Brücken", wie die Vorlage offiziell heißt, ein "vorbildliches städtisches Infrastrukturprogramm" - an dem zumindest Autofahrer wenig Freude haben dürften.