6 Millionen für 500 Meter: Geplanter Fahrradweg spaltet das Rathaus

Auf einem 500 Meter langen Abschnitt auf der Leopoldstraße will die Stadt einen Radschnellweg bauen – für fast sechs Millionen Euro. Doch nicht nur die Opposition sieht das kritisch. Schließlich steckt München mitten in einer Haushaltskrise. 
von  Christina Hertel
Hier soll ein neuer Radweg gebaut werden. Doch wegen der Haushaltskrise gibt es im Stadtrat Ärger.
Hier soll ein neuer Radweg gebaut werden. Doch wegen der Haushaltskrise gibt es im Stadtrat Ärger. © Christina Hertel

Wie ein Stern sollte das Münchner Radschnellwege-Netz aussehen – mit Strahlen ins Umland: nach Markt Schwaben, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Oberhaching, Dachau und nach Garching. Dieser ist der Einzige, den die Stadt angefangen hat, zu bauen.

Fast 20 Kilometer ist die Strecke lang. Doch zumindest auf dem Stadtgebiet existieren nur Bruchstücke. Nächsten Mittwoch soll der Stadtrat den nächsten Abschnitt genehmigen – und zwar auf der Leopoldstraße, vom Siegestor bis zur Franz-Josef-Straße.

500 Meter ist der Abschnitt lang. Kosten soll das Ganze fast sechs Millionen Euro. Die Stadt rechnet mit einer Bundesförderung von 2,4 Millionen Euro.

Die Radwege sollen auf beiden Seiten von heute zwei Meter auf drei Meter verbreitert werden. Außerdem soll es einen 75 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen geben. Die Pappelallee mit ihren 201 Bäumen bleibt erhalten. Nur ein Baum wird gefällt. 14 neue sollen gepflanzt werden.

Die Fahrbahn schrumpft von heute 17,70 Meter auf 14 Meter. Für jede Richtung soll eine überbreite Fahrspur entstehen, die es Autos ermöglicht, nebeneinander zu fahren.

Die Linksabbiegespur von der Leopoldstraße in die Georgenstraße entfällt. Das Abbiegen soll möglich bleiben. Auch Parkplätze entfallen: Von 105 Kfz-Stellplätzen bleiben 44. Außerdem sollen die Bushaltestellen an der Georgenstraße barrierefrei werden. 14 zusätzliche Radabstellplätze sind geplant. Baubeginn soll im Frühjahr 2028 sein. Im Sommer 2029 soll alles fertig sein.

"Wir freuen uns natürlich sehr, dass die Stadt trotz der herausfordernden Haushaltslage in die Sicherheit des Radverkehrs investiert", sagt Andreas Schön, der Chef des Radlclubs ADFC. Auf dieser Strecke seien sehr viele Radfahrer unterwegs. Doch der Radweg sei zu schmal.

Es gibt auch Zweifel an dem Projekt

Doch es gibt Bedenken im Stadtrat – und zwar nicht nur in der Opposition. Aufgrund der Kosten sehe sie das Projekt sehr kritisch, teilt SPD-Chefin Anne Hübner mit. Auch die FDP-Stadträtin Patricia Riekel hat wegen der schlechten Haushaltslage Bedenken. Sie könne sich vorstellen, das Projekt zu verschieben – vorausgesetzt die Stadt verliert keine Fördergelder.

Die Grünen wollen den Radweg bauen: Stadtrat Florian Schönemann erinnert daran, dass die Stadt schon Abschnitte des Radschnellwegs gebaut und dafür Fördermittel in Millionenhöhe erhalten habe. "Gerade in finanziell schwierigen Zeiten wäre es falsch, solche Zuschüsse verfallen zu lassen oder bereits erhaltene Fördermittel zu gefährden", sagt er.

Doch ist das wirklich der Fall? Am Donnerstag hat die Mango-Koalition noch eine Besprechung mit der Baureferentin, wo diese Frage geklärt werden soll.

Die CSU jedenfalls hat sich festgelegt: Sie wird dagegen stimmen. Wegen der Parkplätze, die wegfallen. Aber auch wegen der Kosten: "Fast sechs Millionen Euro für 500 Meter Radl-Autobahn, die im Winter dann kaum jemand nutzt – das ist in Zeiten des Sparzwangs einfach zu viel", sagt CSU-Stadtrat Thomas Schmid.

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