400 Eltern fordern: Diese Straße muss für ihre Kinder sicherer werden

Jeden Morgen, Montag bis Freitag, steht Stefanie Touret am Curt-Mezger-Platz in Milbertshofen. Seit drei Jahren, immer von 7.30 bis 8 Uhr. Sie hilft als Schulweghelferin Grundschülern über die Straße. Das Erstaunliche: Sie hat nicht das Gefühl, dass sie die Kinder vor allem vor den Autofahrern schützen müsste – sondern vor den Radlern. So erzählt sie es am Telefon.
Touret schimpft nicht über Radl-Rambos. Denn das Problem liegt aus ihrer Sicht weniger bei den Radlern selbst und mehr bei der Verkehrsplanung der Stadt. Touret und mit ihr etwa 400 weitere Eltern fordern deshalb in einer Petition, dass die Stadt in Milbertshofen für mehr Sicherheit sorgen muss.
Auf ihrem Weg in die Grundschule an der Hanselmannstraße müssen die Kinder über die Schleißheimer Straße. Dort gibt es eine Fußgänger-Ampel. Das Problem sei aber: Um zu dieser Ampel zu kommen, müssen die Kinder einen Radweg passieren. "In der halben Stunde, die ich auf der Straße stehe, schreie ich bestimmt achtmal: Vorsicht, Fahrradfahrer!", erzählt Touret. Eine Zeit lang habe sie sich vor die Kinder auf den Fahrradweg gestellt. Doch darüber habe sich jemand beim Mobilitätsreferat beschwert. Seitdem dürfe sie das nicht mehr - und müsse nun noch mehr darum bangen, dass Kinder heil über den Radweg kommen.
400 Eltern haben eine Petition unterschrieben
Touret glaubt, dass die Stadt diese Gefahrenstelle recht einfach auflösen könnte: mit einer Fahrrad-Ampel vor dem Fußgänger-Übergang. Sie hat eine Petition gestartet, die inzwischen rund 400 Eltern unterschrieben haben. Diese haben sie jetzt an ÖDP-Chef Tobias Ruff übergeben. Er wird diese Woche einen Antrag in den Stadtrat einbringen, mit dem er fordert, die Petition umzusetzen.
Die Eltern wünschen sich nicht nur eine Fahrrad-Ampel. Mutter Britta Rottmann, deren neunjährige Tochter auch über die Schleißheimer Straße muss, nennt noch zwei weitere Problem-Stellen: die Hanselmannstraße und die Keferloher Straße. Für beide fordern sie und auch ÖDP-Chef Ruff Lösungen.
Die Hanselmannstraße, wo die Grundschule, mehrere Kinderbetreuungseinrichtungen und ein Spielplatz liegen, müsse zur Spielstraße werden. "Momentan ist die Straße so zugeparkt, dass die Kinder an keiner Stelle sicher über die Straße kommen", sagt Rottmann. Erst vor Kurzem habe sie beobachtet, dass ein Mädchen, das angefahren worden sei, vom Rettungsdienst abtransportiert werden musste.
Wichtig ist den Eltern außerdem, dass die Keferloher Straße zur Fahrradstraße wird. "Die Radwege dort sind schmal und nicht durchgehend. Immer wieder muss man auf die Straße wechseln", sagt Rottmann. Ihre Kinder würde sie dort nicht allein radeln lassen - und selbst als Erwachsene fühle es sich gefährlich an. Wäre es eine Fahrradstraße, müssten Autofahrer mehr Rücksicht nehmen, glaubt sie.
In Milbertshofen sicher radeln? Das ist schwierig, meint die ÖDP
"Ich habe volles Verständnis für die Petition", sagt ÖPD-Chef Tobias Ruff. Die meisten Radwege in Milbertshofen seien viel zu schmal, der Verkehr hauptsächlich auf das Auto ausgelegt. Vor allem von West nach Ost sei es schwierig, in Milbertshofen sicher mit dem Rad voranzukommen. Dabei sei Milbertshofen ein besonders kinderreiches Viertel. Tatsächlich gibt es rund um den Curt-Mezger-Platz zwei Schulen, mehrere Kindergärten und Krippen. Ruff hat allerdings das Gefühl, dass sich das grün-rot regierte Rathaus beim Ausbau der Radlwege eher auf die Innenstadt konzentriert. Das will er mit seinem Antrag ändern.