"200 Leute warten": Pendler-Frust über U-Bahn-Ersatzverkehr in München wächst

Seit Mitte Mai sind die U-Bahn-Linien U3 und U6 zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße gesperrt. Die Ersatzbusse sind oft überfüllt und wegen der vielen Baustellen unpünktlich. Die AZ hat sich die Lage vor Ort genau angeschaut.
Leonhard Pangratz |
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Vorsicht beim Fahren! Die Ersatzbusse und der normale Verkehr kommen sich in der Lindwurmstraße aktuell häufig in die Quere.
Vorsicht beim Fahren! Die Ersatzbusse und der normale Verkehr kommen sich in der Lindwurmstraße aktuell häufig in die Quere. © Leonhard Pangratz

Der Bus der Linie X6 ist an einem Dienstagvormittag gut gefüllt, als er vom Hauptbahnhof in Richtung Implerstraße startet. Kaum hat er die ersten Meter zurückgelegt, beginnt das Stop-and-Go, auf der Goethestraße geht es nur langsam vorwärts. Immer wieder blockieren in zweiter Reihe abgestellte Autos die Fahrbahn, auch der Lieferverkehr braucht Platz. Auf beiden Seiten der Straße sind Baustellen, eine Fußgängerin kollidiert beinahe mit einem Radfahrer, der Bus muss abrupt bremsen.

Seit Mitte Mai sind solche Szenen häufig zu beobachten, Grund dafür ist die Sperrung der U-Bahn-Linien U3 und U6 zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße. Als Ersatz verkehren zwei Buslinien. Die MVG versucht, die Verkehrsströme zu entzerren und den Zustieg zu den Bussen zu erleichtern. Trotzdem reicht das oft nicht.

"Kommt ewig kein Bus"

"Ganz selten geht es gut, aber oft stehen 200 Leute an der Haltestelle und es kommt ewig kein Bus", sagt Yvonne Maruhn. Die 56-Jährige ist auf ihrem Arbeitsweg auf den Schienenersatzverkehr angewiesen, oft braucht sie dafür starke Nerven. "Wenn die Busse am Sendlinger Tor losfahren, sind sie komplett voll. Wer dann an den Zwischenstationen einsteigen will, hat keine Chance."

"Ganz selten geht es gut": Yvonne Maruhn stören vor allem die überfüllten Ersatzbusse.
"Ganz selten geht es gut": Yvonne Maruhn stören vor allem die überfüllten Ersatzbusse. © Leonhard Pangratz

Besonders ärgert sie, dass auch auf den Straßen, die vom Ersatzverkehr betroffen sind, aktuell riesige Baustellen liegen. "Da muss ich halt mal die Wahl treffen: Baue ich unten oder oben?" Maruhns Wunsch an die Stadt: "Mehr Busse einsetzen und Straßen freihalten." Die angespannte Verkehrssituation beschäftigt auch Andreas Frank vom Fahrgastverband Pro Bahn. "Die Busfahrer können einem aktuell echt leid tun", sagt er im Gespräch mit der AZ. "Das Chaos ist nicht der Schienenersatzverkehr, sondern der Individualverkehr", meint er.

Frank fordert deshalb, dass die Ersatzbusse während der Sperrung Vorrang haben und Parken in zweiter Reihe konsequent geahndet wird. "Im Bereich Paul-Heyse-Straße und Goethestraße ist das Fahren ja gerade unmöglich", meint er dazu. "In der Goethestraße ist sowieso gerade alles ziemlich bescheiden wegen der ganzen Baustellen." Im Moment sei es einfach zu viel von allem: zusätzliche Busse, Baustellen, Radler und Fußgänger. Die Summe führe zu Chaos.

Er nimmt es ganz entspannt: Nicolas Neuburger lässt sich von der U-Bahn-Sperrung nicht stressen.
Er nimmt es ganz entspannt: Nicolas Neuburger lässt sich von der U-Bahn-Sperrung nicht stressen. © Leonhard Pangratz

"Lässt sich insgesamt ganz gut machen"

Niclas Neuburger sieht die Lage deutlich gelassener, als er an der Implerstraße aus dem Bus steigt. Von Stress ist bei dem 33-Jährigen nichts zu spüren. "Es ist natürlich aktuell nervig mit dem Schienenersatzverkehr, aber es lässt sich insgesamt ganz gut machen", sagt Neuburger.

Die Bauarbeiten müssten einfach erledigt werden, der Stadt macht er keinen Vorwurf. "Ich kann mich gut in deren Lage versetzen. Mehr Busse wären zwar cool, aber ansonsten sehe ich gar nicht viel Verbesserungspotenzial." Für ihn hält sich der Aufwand in Grenzen, mit dem Bus brauche er nur zehn Minuten länger als mit der U-Bahn und fahre ansonsten mit dem Rad.

Diese Möglichkeit hat in München nicht jeder. "Für Menschen mit Behinderung oder Mütter mit Kinderwagen ist das natürlich ein Albtraum", sagt Rentnerin Gabi L. Sie lebt seit über 40 Jahren in München und wohnt am Goetheplatz. Dadurch ist sie besonders von den Ersatzbussen abhängig.

""Aktuell brauche ich für meinen Weg die doppelte Zeit"

Deren Auslastung erlebe sie ganz unterschiedlich, häufig gebe es aber Probleme. "Zu manchen Zeiten sind die Busse sehr überfüllt und es ist wirklich schwierig, vom Goetheplatz zum Sendlinger Tor zu kommen." Außerdem seien die Busse deutlich langsamer unterwegs als die U-Bahn. "Aktuell brauche ich für meinen Weg die doppelte Zeit", meint die 72-Jährige.

Gabi L. wohnt am Goetheplatz und ist auf den Ersatzverkehr angewiesen. Sie wünscht sich mehr Busse.
Gabi L. wohnt am Goetheplatz und ist auf den Ersatzverkehr angewiesen. Sie wünscht sich mehr Busse. © Leonhard Pangratz

Die Bauarbeiten an den U-Bahnhöfen findet sie zwar richtig, nur die Größe und Häufigkeit der Sperrungen stören sie. "Man muss ja nicht erst alles kaputtgehen lassen, um es dann neu zu machen."

Für die Zukunft wünscht sich Gabi L. ebenfalls mehr Busse, vor allem zu den Stoßzeiten. "Da bin ich sonst zu Fuß vom Goetheplatz zum Sendlinger Tor fast schneller", sagt sie mit sarkastischem Unterton.

"Das Bestmögliche gemacht"

Neben Kritik gibt es aber auch vereinzeltes Lob für den Ersatzverkehr. Stefan Hofmeir ist Pressesprecher der Aktion Münchner Fahrgäste und findet: "Nach unserer Sicht hat die MVG das Bestmögliche gemacht, was aktuell zu machen ist. Es ist nur problematisch, während einer großen Baustellenphase auf Busse umzustellen."

Die Baustellen sind nicht nur in der Bahnhofsgegend ein Problem, die Arbeiten an der Eisenbahnunterführung in der Lindwurmstraße sind ein weiteres Beispiel für die unübersichtliche Verkehrssituation.

Hofmeir muss bei diesem Thema lachen. "Es kommt halt alles zusammen, wenn man jahrelang nichts macht“, erklärt er seine Sicht. "Wir müssen einfach schauen, dass dieses sternförmige Netz, bei dem alles auf die Bahnhöfe Sendlinger Tor, Hauptbahnhof und Marienplatz ausgerichtet ist, tangentialer gebaut wird, sodass man fahren kann, ohne in die Innenstadt zu müssen."

Kurzfristig rät er dazu, auf andere Routen zu setzen. "Der tägliche Fahrgast hat sich jetzt eingespielt und hat teilweise auch Alternativen gefunden." Dennoch brauchen die Münchner wohl auch künftig Geduld. "Diese U-Bahn-Baustelle ist ja nur eine von vielen, die in den nächsten Jahren kommen wird", warnt Hofmeir. Während der Sanierungsarbeiten werde es immer wieder zu solchen Unannehmlichkeiten kommen.

Sperrung und Sanierung bei U3 und U6

Bis zum 18. September 2026 läuft Sanierungsphase eins der U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz. Die Strecke zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße ist in dieser Zeit gesperrt.

Es gibt Ersatzverkehr mit zwei Buslinien: Die U6 fährt von der Implerstraße über Poccistraße und Goetheplatz zum Sendlinger Tor. Die Linie X6 fährt fast genauso, hält aber statt am Sendlinger Tor am Hauptbahnhof. Während der Wiesn und dem Winter ist Baupause. In der Phase zwei vom 5. Oktober bis 27. November 2026 verkehrt ein Pendelzug zwischen Implerstraße und Goetheplatz. 

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  • Huawa vor 31 Minuten / Bewertung:

    Baustellen und Verkehrschaos an allen Ecken und Enden in München. Und da will sich München ernsthaft als Olympia-Austragungsort bewerben? Bis dahin kriegt die Stadt niemals alles saniert. Einfach lächerlich!

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  • Radl Rainer vor 7 Stunden / Bewertung:

    Ich würde Rentner zum Arbeitsdienst verpflichten, sie könnten dann Falschparker und andere Störer ermitteln und anzeigen und sich so bei den zahlenden Generationen bedanken.

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  • Rigobert vor 9 Stunden / Bewertung:

    Die 500m von Poccistraße bis Sendlinger Tor kann man auch zu Fuß gehen. Aber lieber 30Minuten warten und dann jammern.

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