1976 eskalierte der Streit in München: André Heller verlässt Roncalli

München spielt für die Geschichte des "schönsten Circus der Welt" eine Hauptrolle. Am 16. August 1976 ging aus einem Streit der Roncalli von heute hervor.
Eva von Steinburg
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Duell der Direktoren: Bernhard Paul und André Heller 1976 vor einem alten Zirkuswagen.
Duell der Direktoren: Bernhard Paul und André Heller 1976 vor einem alten Zirkuswagen. © Imago

Circus Roncalli ist immer noch Kult – auch jetzt, zum 50. Geburtstag. Seit Ende der 70er Jahre steht er für die immense Sehnsucht der Menschen nach Poesie.

Tierfrei und "nachhaltig" ist der große Zirkus heute. Als letzter in Europa reist er, von einer E-Lok gezogen, über die Schiene von Stadt zu Stadt.

Neue Tournee zum 50. Jubiläum

1976 bis 2026 steht auf der goldenen Schleife unter dem Roncalli-Logo. Das Plakat zum 50. Jubiläum zeigt eine Torte, Tröten, viele Blumen und Seifenblasen – dazwischen versteckt sich auch das Gesicht des Roncalli-Direktors Bernhard Paul, der ursprünglich aus Wien kommt.

Historisches Foto: Circus Roncalli in der Maxvorstadt, auf der "Roncalliwiese" an der Barer Straße, als die Pinakothek der Moderne noch nicht stand.
Historisches Foto: Circus Roncalli in der Maxvorstadt, auf der "Roncalliwiese" an der Barer Straße, als die Pinakothek der Moderne noch nicht stand. © Roncalli Archiv

Der "Roncalliplatz" in der Maxvorstadt

Der erfolgreiche Grafik-Designer hatte 1975 seinen guten Job beim Nachrichtenmagazin Profil in Wien gekündigt. Er gründete "Roncalli", um einen Jugendtraum wahr werden zu lassen. Acht Monate lang arbeitete der bekannte Österreicher André Heller mit.

Viele Münchner erinnern sich daran: Auf einer großen Wiese in der Maxvorstadt, im Volksmund "Roncalliplatz" getauft, war Roncalli anfangs oft zu Gast. Das Zirkuszelt stand damals auf dem Ex-Türkenkasernen-Areal, an der Stelle, an der heute die Pinakothek der Moderne ist. In einigen Stadtplänen war sogar der Roncalliplatz eingetragen.

Roncalli im Münchner Werksviertel 2025.
Roncalli im Münchner Werksviertel 2025. © THOMAS BITTERA

Am Riesenrad im Werksviertel ist der neue Roncalli-Standort

Später gastierte Roncalli in München in der Arnulfstraße, auf dem Areal des Containerbahnhofs. Dann zogen die Zirkusmacher in den Viehhof, der heute mit dem Volkstheater bebaut ist. Auch die Theresienwiese bot den 80 historischen Wagen Raum für ihre magisch bunte Zirkusstadt.

"In München sind wir gerne. Denn hier können wir von vier Wochen bis zu zwei Monaten stehen. Zuletzt waren wir am Riesenrad im Werksviertel. Wir möchten nah an unserem Publikum sein", sagt Roncalli-Sprecherin Angela Weller.

Erfolgreiches Geschäftsmodell: das Münchner Intermezzo mit "Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann im Spiegelzelt am Ackermannbogen, wo Roncalli im Zelt-Ambiente ein Menü aus Artistik und Kulinarik bot. Das Münchner Publikum goutierte diese Art Unterhaltung am Olympiapark.

Historischer Raubtierwagen ist heute Grillwagen

Zu Roncalli gehört ein historischer Popcornwagen mit eisenbeschlagenen Rädern, ein alter Raubtierwagen ist der Grillstand. Im Kaffeewagen stehen alte Bänke aus der Pariser Metro. Vieles ist mit Blattgold verziert. Von der Optik liegt der Schwerpunkt auf der "Belle Époque", Ende des 19. Jahrhunderts. Mit seiner Sammlung restaurierter Zirkuswagen bewahrt Paul die traditionelle Zirkusarchitektur.

Berhard Paul mit einem Zrikus-Modell.
Berhard Paul mit einem Zrikus-Modell. © Roncalli

Clown Pic pustet schillernde Riesen-Seifenblasen

Seinen nostalgischen Circus versteht Paul als "Kunstwerk" mit atemberaubender Artistik und Clowns, wie Hofnarren des Mittelalters oder der italienischen Comedia dell´ arte. Sie sind das Roncalli-Markenzeichen. Legendär: Clown Pic pustet gigantische schillernde Seifenblasen. Er wird damit in den 80er Jahren zur Attraktion. Als gefeierter Clown "Zippo" tritt Roncalli-Direktor Paul selbst lange auf.

Statt echter Tiere lässt er über elf Projektoren glitzernde Hologramme von Pferden oder Elefanten als 3-D-Animation in die Manege projizieren.

Duell der "Direktoren"

München spielt bei der Entstehungsgeschichte des "schönsten Zirkus der Welt" eine Hauptrolle: Nicht nur AZ-Lesern ist der wilde Streit der beiden Roncalli-Zirkusmacher 1976 im Gedächtnis geblieben - vor 50 Jahren: Bei einem Gastspiel in München stritten sich Bernhard Paul und André Heller über Bühnenbilder und Dompteursnummern so sehr, dass es knallte: Am 16. August 1976 verließ Aktionskünstler André Heller Roncalli.

Roncalli-Direktor Berhard Paul heute.
Roncalli-Direktor Berhard Paul heute. © Roncalli

Traum vom Zirkus ohne Tiere

Bernhard Paul spielte weiter. In der spielfreien Winterszeit trat er auch als Clown auf. Paul verlegte den Roncalli-Sitz nach Köln und baute viele Nummern neu auf. In den 80ern begeisterte er das Publikum mit der "Reise zum Regenbogen"-Tournee. 2018 schaffte Roncalli die Tiere in der Manege komplett ab. 2023 gastiere das "Circus-Theater Roncalli" sogar in New York.

Berhard Paul als Clown Zippo.
Berhard Paul als Clown Zippo. © Roncalli

Zirkus hat etwas Traumhaftes

Der Münchner Stadthistoriker Reinhard Bauer erklärt die Faszination: "Zirkus ist für viele Menschen wichtig. Für Kinder kann das Erlebnis prägend sein: Denn Zirkus hat etwas Traumhaftes, ist kein Alltag."

So seien Zirkusse weiter "unbedingt nötig". Bauer erklärt: "Der große Glanz der Welt, die Musik, die Begeisterung, das Live-Erlebnis ist ein Phänomen und eine wichtige Kultur."

Roncalli gastiert in Innsbruck – DB-Paket von München geplant

Die Roncalli-Jubiläumstournee geht über zwei Jahre: Erst Ende 2027 ist der Circus mit seinem neuen Programm zurück in München. Im Oktober 2026 gastiert er allerdings in Innsbruck. Für Fans aus München sind Roncalli-Reisen mit der Deutschen Bahn geplant.

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  • Feuerdingsda am 16.08.2026 19:35 Uhr / Bewertung:

    Bernhard Paul kommt nicht aus Wien, sondern aus der österreichischen Stadt Wilhelmsburg. Ich war zur selben Zeit in derselben Hauptschule wie er in Wilhelmsburg, aber nicht in derselben Klasse.

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  • Der wahre tscharlie am 17.08.2026 18:25 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Feuerdingsda

    Ach, schon wieder ein neuer Nick. Mir fällt auf, dass die letzten 14 Tage viel neue Nicks hier rein purzeln.

    Aber um ein bissl korrekt zu sein, geboren wurde Bernhard Paul in Lilienfeld, aufgewachsen ist er in Wilhelmsburg. (Ob du in der selben Schule warst wie er, lass ich mal dahin gestellt)

    Und "ursprünglich aus Wien" heißt nicht automatisch, dass er in Wien geboren wurde.

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  • Der wahre tscharlie am 16.08.2026 16:15 Uhr / Bewertung:

    Ja, auch wir waren damals auf dem "Roncalliplatz". Schon an der Kasse spürte man, das ist ein anderer Zirkus. Und wir waren vollkommen begeistert.
    Und auch den Streit mit Andre Heller bekam man mit. Und nach der Trennung der Beiden, baute Andre Heller seine "Phantasieprojekte" auf, aus denen aber nie was richtig wurde,

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