170 Jahre Bavaria: Ein Denkmal hat Geburtstag

Vor genau 170 Jahren wird die Statue in mehreren Einzelteilen auf die Theresienhöhe gebracht. Nicht nur König Ludwig I. ist von ihrer Schönheit verzückt - am meisten schwärmt ihr Bildhauer.
| Lea Kramer
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2001 sind massive altersbedingte Schäden an der Figur entdeckt worden. Sie ist für etwa eine Million Euro saniert worden.
Heinz Gebhardt 11 2001 sind massive altersbedingte Schäden an der Figur entdeckt worden. Sie ist für etwa eine Million Euro saniert worden.
Dem Schriftsteller Franz Trautmann (1813-1887) erzählte Ludwig von Schwanthaler, dass eine unerfüllte Liebe namens Cornelia, eine Schönheit vom Land, für die Figur Modell gestanden habe.
Heinz Gebhardt 11 Dem Schriftsteller Franz Trautmann (1813-1887) erzählte Ludwig von Schwanthaler, dass eine unerfüllte Liebe namens Cornelia, eine Schönheit vom Land, für die Figur Modell gestanden habe.
Ferdinand von Miller mit der Totenmaske Schwanthalers vor dem frisch gegossenen Kopf der Bavaria.
Heinz Gebhardt 11 Ferdinand von Miller mit der Totenmaske Schwanthalers vor dem frisch gegossenen Kopf der Bavaria.
Schweißtreibende Arbeit: Mehrere Tonnen müssen die Arbeiter in Einzelteilen zur Theresienhöhe wuchten. Erzgießer Ludwig von Schwanthaler hat ihren Aufbau nicht mehr erlebt. Er starb 1848, als erst ein paar Teilstücke fertig gegossen waren. Sein Neffe Ferdinand von Miller beendete sein Monumentalwerk.
Heinz Gebhardt 11 Schweißtreibende Arbeit: Mehrere Tonnen müssen die Arbeiter in Einzelteilen zur Theresienhöhe wuchten. Erzgießer Ludwig von Schwanthaler hat ihren Aufbau nicht mehr erlebt. Er starb 1848, als erst ein paar Teilstücke fertig gegossen waren. Sein Neffe Ferdinand von Miller beendete sein Monumentalwerk.
Fotograf Alois Löcherer hat dokumentiert, wie die Bavaria 1850 auf die Theresienhöhe gebracht wird.
Heinz Gebhardt 11 Fotograf Alois Löcherer hat dokumentiert, wie die Bavaria 1850 auf die Theresienhöhe gebracht wird.
Erzgießer Ferdinand von Miller (1813-1887).
Heinz Gebhardt 11 Erzgießer Ferdinand von Miller (1813-1887).
Blick ins Atelier: Radierung aus dem Jahr 1850.
Heinz Gebhardt 11 Blick ins Atelier: Radierung aus dem Jahr 1850.
Einer der ersten von Klenzes Entwürfen - noch nach antikem Vorbild.
Heinz Gebhardt 11 Einer der ersten von Klenzes Entwürfen - noch nach antikem Vorbild.
Eine Lithographie von G. Kraus zeigt die Feierlichkeiten zur Enthüllung der Statue 1850.
Heinz Gebhardt 11 Eine Lithographie von G. Kraus zeigt die Feierlichkeiten zur Enthüllung der Statue 1850.
"Geh doch mal hin, wenn ich nimmer bin", sagte Schwanthaler einem Freund kurz vor seinem Tod.
Heinz Gebhardt 11 "Geh doch mal hin, wenn ich nimmer bin", sagte Schwanthaler einem Freund kurz vor seinem Tod.
Lässt sich anschauen, wird angeguckt: Im Kopf der Bavaria ist eine Aussichtsplattform.
Heinz Gebhardt 11 Lässt sich anschauen, wird angeguckt: Im Kopf der Bavaria ist eine Aussichtsplattform.

München - Musikkorps, Gärtner, Obstler, Haidhauser, Müller, Melber, Bäcker, Weber, Wagner, Hufschmiede, Bierbrauer: All diese und noch mehr Männer sind es, die am 9. Oktober 1850 zur Theresienhöhe aufbrechen, um einer Frau zu huldigen. Einer kolossalen noch dazu, der Statue Bavaria.

Architekt Leo von Klenze entwirft die Bavaria

"Ich bin 64 Jahre alt, hab viel des Schönen gesehen, so Schönes noch nie. Ich hab viel Freuden erlebt, doch so eine Freude noch nie", soll König Ludwig I. in der Festrede zu ihrer Enthüllung gesagt haben. Er, der Verehrer der griechischen Antike und Verfechter eines Nationalstaats hatte die 18,52 Meter hohe Bronzefigur 1834 gemeinsam mit der Gestaltung der Ruhmeshalle in Auftrag gegeben.

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Entworfen hat das Nationaldenkmal der Architekt Leo von Klenze. Vor allem die angestrebte Dimension der Plastik soll Ludwig I. beeindruckt haben. Er wähnte sich in den Fußstapfen von Nero. Er und der römische Kaiser seien "die einzigen, die so Großes gemacht haben", schrieb er in einem Brief als Reaktion auf Klenzes Entwürfe. Dieser hatte schon zehn Jahre zuvor Skizzen für eine griechische Amazone nach dem Vorbild der Athena Promachos angefertigt, die in vorchristlicher Zeit als Wächterin auf der Akropolis stand.

Das Haupt der Bavaria wird aus türkischen Kanonen gegossen

Leo von Klenze lieferte zwar die Entwürfe für das Monumentaldenkmal, erschaffen haben die Bavaria aber andere. Der Bildhauer Ludwig von Schwanthaler und Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier sowie dessen Neffe Ferdinand von Miller wurden 1837 mit der Herstellung der Plastik beauftragt.

Da geschieht dann auch der Bruch. Schwanthaler lehnte klassizistische Vorlagen ab. Er mochte das Mittelalter, liebte romanische und gotische Denkmäler. Bald entwarf er eigene Versionen der Statue. Sein Modell aus Gips für die Figur ist aus dem ursprünglichen Lorbeerkranz einer aus Eiche geworden. Das Gewand ist nur einfach drapiert, über die Schulter kommt ein Bärenfell. Das Schwert zeigt sie wehrhaft, sie soll ihr Land verteidigen.

In den Hallen der Königlichen Erzgießerei an der Nymphenburger Straße arbeitete Schwanthaler seit 1839 mit vielen Arbeitern an einem Modell in Originalgröße. 1843 wurde es zerlegt und als Vorlage für mehrere Gussformen verwendet. Kopf, Brust, Hüfte, untere Hälfte der Statue sowie der Löwe wiegen zusammen 87,36 Tonnen. Das Haupt der Bavaria ist 1844 aus türkischen Kanonen gegossen worden. 1849 gossen die Arbeiter das letzte Stück, den Unterleib. Die Gesamtkosten: 286.346 Gulden.

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