11 Orte in München , an denen du Griechenland spürst
Mit den Worten: "Griechenland, mein Griechenland, mein liebes Griechenland" soll Otto von Bayern aus dem Hause Wittelsbach im Jahr 1867 aus dem Leben geschieden sein. Der Besitzanspruch, der in diesem Satz mitschwingt, kommt nicht von ungefähr: 30 Jahre lang durfte er sich "König von Griechenland" nennen.
Dass es so weit kam, lag nicht zuletzt an seinem Vater, später König Ludwig I. von Bayern, der sich schon früh für die Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich aussprach. Nachdem Griechenland diese zunächst errungen hatte, folgten zwei kurzlebige griechische Herrschaften. Nach etwa zwei Jahren ging die Regentschaft an einen Europäer – den bayerischen Prinzen Otto.
Mit Otto, der seine Begeisterung für das Land im Süden wohl von seinem Vater geerbt hatte, zog auch ein Stückerl Bayern in den Süden. So galt etwa fortan in Griechenland sogar das bayerische Reinheitsgebot für Bier. Während sich sein Sohn also dort verwirklichte, gestaltete König Ludwig I. von Bayern derweil München um.
Antikes Griechenland mitten in München
Am Königsplatz reiht sich ein historisches Gebäude ans nächste und versetzt einen unmittelbar optisch ins alte Griechenland. Genau dieses Gefühl wollte König Ludwig wohl erzeugen. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, ein "Isar-Athen" zu erschaffen und die griechische Antike in Bayern wieder aufleben zu lassen. Ab 1816 wurden dafür am Königsplatz die Glyptothek, die Staatliche Antikensammlung und die Propyläen errichtet.
Hinzu kam etwa der Monopteros im Englischen Garten. Den ließ er so hoch errichten, um einen direkten Blick auf die Residenz zu haben. Noch heute nutzen die Münchner den Ziertempel im altgriechischen Stil gerne als Aussichtspunkt.
Athen und Athos in den Straßen
Eine weitere Erinnerung an Griechenland geht auf die Herrscherfamilie der Wittelsbacher zurück. 1910 wurde in Harlaching die Griechenstraße benannt, um an die Wahl von Prinz Otto von Bayern zum König Griechenlands durch die griechische Nationalversammlung zu erinnern.

Im gleichen Jahr wurden auch die Athener Straße und der Athener Platz in Gedenken daran benannt. 1920 folgte dann die Athosstraße, die einige Straßen weiter verläuft. Erst 1929 wurde der Griechenplatz, passend zur Griechenstraße, benannt, schreibt das Stadtarchiv auf Anfrage der AZ.
Besonders griechisch wirkt das Eckerl zwar nicht, doch nett ist es allemal. Der Athener Platz wird gerne von Spaziergängern mit ihren Hunden genutzt. Es wird Tischtennis gespielt, und für Kinder hängen Schaukeln an den Bäumen. Außerdem gibt es einen Spielplatz. Ein Spaziergang durch diese ruhigen, "griechisch" benannten Straßen lohnt sich also dennoch.
Ikonenpracht und Goldglanz
Deutlich authentischer als nur die Straßennamen sind die griechisch-orthodoxen Kirchen. Da wäre etwa die Metropolie, die Allerheiligenkirche in Schwabing, die zwischen 1993 und 1995 errichtet wurde. Bereits seit den 1980er Jahren wurde der griechischen Gemeinde die zuvor dort befindliche römisch-katholische Kirche zur Verfügung gestellt. Bei dem Neubau der heutigen Kirche, in der Ungererstraße 131, wurden Teile der Bestandsmauern integriert.

Das Innere beeindruckt mit farbenfrohen Ikonen, die die Heiligen darstellen und ist reich verziert mit Gold an Wänden und Decke. Ein Blick ins Kircheninnere lohnt sich besonders für diejenigen, die bereits einige römisch-katholische Kirchen besucht haben: Man entdeckt viele Ähnlichkeiten, aber auch faszinierende Unterschiede in der Gestaltung. Weitere griechische-orthodoxe Kirchen sind die Salvatorkirche in der Salvatorstraße 17 in der Innenstadt und die St. Georg in der Gollierstraße 55 im Westend.
Südliche Spezialitäten
Gefüllte Weinblätter, kräftiges Olivenöl, würziges Tsatsiki und herzhaftes Souflaki – wer Griechenland auf der Zunge schmecken möchte, findet in München viele Möglichkeiten. Eine davon ist die älteste griechische Taverne der Stadt, die seit 1972 Spezialitäten aus dem Süden serviert. Die Taverne Kyklos liegt in der Wilderich-Lang-Straße 10, nahe dem Rotkreuzplatz (Mo. bis Sa. 16 bis 0 Uhr, So. ab 12 Uhr, warme Küche bis 22.30 Uhr).
Schon der Eingang erinnert an Urlaub: Unter einem Weinstock führt eine steinerne Treppe hinab. Unten setzt sich die Atmosphäre fort – mit Steinboden, dunklem Holzmobiliar und Kerzenschein fühlt man sich fast wie in einer Dorf-Gaststube auf einer griechischen Insel.

Die Speisekarte bietet einen Vorspeisenteller mit Taramas, Tsatsiki und Dolmades, gefüllten Weinblättern (14,50 Euro). Ein Teller Gyros kostet 16,90 Euro, Baby-Calamaris 20,50 Euro. Für Vegetarier ist die Auswahl eher überschaubar: gefüllte Aubergine mit Gemüse, Feta und Salat für 16,50 Euro. Von Mai bis September hat der kleine Biergarten geöffnet – unter schattigen Bäumen lässt sich ein Glaserl Rotwein wunderbar genießen.
Südliche Schmankerl auf die Hand
... gibt es an dem georgisch-griechischen Imbiss Royal Healthy Slices am Hohenzollernplatz 4 (Di. bis Do. 11 bis 15.30 Uhr, Fr. bis So. bis 20 Uhr). Maria Lontaritze betreibt den kleinen Laden gemeinsam mit ihrem Sohn Irakli. Die Familie Lontaritze stammt ursprünglich aus Georgien, lebte jedoch 30 Jahre lang auf Kreta. In ihrem Imbiss verbinden sie die Aromen beider Küchen.

Dazu gehört etwa Skepasti – ein mit Zaziki und Schweinefleisch gefüllter Pita-Burger für 13 Euro. Ergänzt wird das Angebot durch wechselnde Tagesgerichte wie griechisches Briam (geschmortes Gemüse), Moussaka oder Pastitsio – ein griechischer Nudelauflauf, wahlweise vegetarisch oder mit Fleisch.

Seit 2017 führt das Mutter-Sohn-Duo das Lokal. Vor drei Jahren eröffnete Irakli Lontaritze zudem die Royal Cookhouse Pizzeria in der Belgradstraße 47. Diese wird derzeit renoviert und soll voraussichtlich Anfang September wieder öffnen. Wie lange der kleine Imbiss Royal Healthy Slices noch geöffnet bleibt, ist offen – Maria Lontaritze denkt wohl langsam an ihren wohlverdienten Ruhestand, verrät Sohn Irakli der AZ. Noch aber steht seine Mutter selbst in der Küche – und das schmeckt man.
Süßes und Deftiges aus Athen
Chocolab klingt nicht unbedingt griechisch – doch genau das erwartet einen in dem kleinen Café in der Baldestraße 21 im Glockenbachviertel. Täglich von 9 bis 20 Uhr werden dort verschiedene griechische Spezialitäten angeboten. Inhaber Dimitri Angelousis, der ursprünglich aus Athen stammt, verbindet in seinem Café französische Patisserie mit mediterranem Flair. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass "alles frisch hier produziert wird". Durch große Glasfenster kann man direkt vom Gastraum aus in die Backstube schauen – alles ganz transparent.

Sein junger Mitarbeiter Oleh Chmykhun zeigt der AZ eine kleine Auswahl klassischer griechischer Kuchen: zum Beispiel Walnusskuchen in Zuckersirup oder das Dessert Galaktoboureko – ein Grießauflauf mit knusprigem Blätterteig. Für alle, die es lieber herzhaft mögen: In der Theke neben der Kasse liegen Pita mit Spinat oder mit Hähnchen. Auf Speisen wird ein Aufpreis erhoben, wenn man sie im Laden verzehrt.
Griechische Feinkost für daheim
Wer den Geschmack des Südens lieber daheim genießt, wird in Sendling fündig: In der Baierbrunner Straße 20 bietet ein Feinkostladen frisches Obst und Gemüse, Backwaren, Weine sowie hausgemachte Vorspeisen, Olivenöl und Honig aus Griechenland. Auch eine authentische Mittagsküche gibt es dort, falls man sich entscheidet, doch außer Haus zu speisen – zum Beispiel Gyros oder Moussaka.
Ein Ort der Begegnung
Das Evangelische Migrationszentrum im Griechischen Haus (Bergmannstraße 46) ist ein interkultureller Treffpunkt und wurde 1974 gegründet. Hier gibt es verschiedene Kurse. Von Sprachkursen zum Griechischlernen bis zu Spieletreffs, die Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenbringen.

Unter dem Motto "Griechische Tänze aus allen Regionen Griechenlands – in authentischer Weise mit Thea & Takos" finden regelmäßig Tanzkurse statt. Eine Stunde kostet neun, zwei Stunden zwölf Euro. Im September werden die Kurse am 11., 18. und 25. jeweils von 19 bis 21 Uhr angeboten. Im August findet der Kurs nicht statt.
Gut, einen Urlaub in Griechenland ersetzt das alles natürlich nicht. Aber wer durch Münchens griechische Kirchen, Straßen, Tavernen und Tanzkurse streift, der spürt – ganz ohne Besitzansprüche – ein kleines Stück "mein liebes Griechenland" in der Stadt.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel stammt ursprünglich aus unserer Berichterstattung 2025 und wurde erneut veröffentlicht.
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