"Tetris-Manier": Wie in der Studentenstadt im Eiltempo neue Wohnungen entstehen
Die Inszenierung für die zahlreich erschienenen Medien sitzt: Am frühen Montagnachmittag startet der betont lässige Kranführer vor dem imposanten Haus 12 in der Studentenstadt in Freimann sein Arbeitsgerät – unter den Augen von Bauminister Bernreiter (CSU), Bildungsminister Markus Blume (CSU) und Baunova-Chefin Kristina Frank (CSU).
Dieser Kran hebt ein neues, bereits vorgefertigtes Badezimmer an seinen vorgesehenen Platz im komplett entkernten riesigen Studentenwohnblock.

"Tetris-Manier": Wie in der Studentenstadt gerade über 1.000 neue Wohnungen entstehen
Praktisch: in „Tetris-Manier“ (Frank) ist das restliche Mobiliar der Studentenwohnung gleich in das Bad mit reingepackt und muss dann nur noch aufgebaut und alles angeschlossen werden.
Die Konstruktion der Bäder komme aus dem Schiffsbau, erklärt ein Mann der verantwortlichen Firma Goldbeck beim Musterzimmer vor Ort.

Die Zahlen zur laufenden Sanierung: 151 Millionen Euro lässt sich die staatliche Bayernheim die Sanierung der beiden größten Häuser in der Studentenstadt kosten. Haus 12 mit 405 Wohnungen soll spätestens Ende 2027 fertig sein, Haus 9 mit noch einmal 620 Apartments spätestens Ende 2028.
"Eigentlich nicht zuständig": Warum der Freistaat in der Studentenstadt über 1.000 Wohnungen saniert
Dabei ist der Freistaat „eigentlich gar nicht so richtig zuständig“, sagt Blume. Denn das eigentlich verantwortliche Studierendenwerk arbeite als Anstalt des öffentlichen Rechts komplett unabhängig. Aber die Sanierung der Häuser habe „die Möglichkeiten des Studierendenwerks überschritten“, sagt Blume, mit der Situation habe man sich aber „nicht abfinden“ wollen. Jetzt sei der Freistaat dabei, die Häuser „in Rekordzeit“ zu ertüchtigen, sogar vor der Zeit.

Einen Wermutstropfen gibt es für künftige Bewohner und Bewohnerinnen des Haus 12. Es wird keine Balkone mehr geben, dafür werden die Wohnungen knapp vier Quadratmeter größer. „Freiflächen gibt es hier genug“, sagt Baunova-Chefin Kristina Frank, die Balkone seien ohnehin kaum nutzbar gewesen.

Die Miete soll erschwinglich sein: Aktuell liegt die Kaltmiete bei 300 Euro im Monat, 40 Jahre lang soll die sogenannte Belegungsbindung gelten, sollen die Apartments also günstig an Studenten und Studentinnen vermietet werden. „Für München sensationell“, findet Bauminister Bernreiter. Die Häuser bleiben nach der Sanierung im Eigentum der Bayernheim, das Studierendenwerk soll sie verwalten und bewirtschaften.

Sanierung, Sofortprogramm und Verdichtung
Von einem „Dreisprung“ der Maßnahmen in der Studentenstadt spricht der bestens gelaunte Bildungsminister Markus Blume. Der posiert zwischendurch auch gerne für Fotos, zum Beispiel mit Duschkopf im Modellapartment oder mit den Comic-Überbleibseln der studentischen Wandbemalung im Gerippe des Haus 12.
Neben den aktuellen Sanierungsmaßnahmen in den Häusern 9 und 12 sei Teil des „Dreisprungs“ das „Sofortprogramm“ in der Altstadt, die in den vergangenen Monaten mit vielen Bildern des Verfalls negative Schlagzeilen gemacht hatte. 4,5 Millionen Euro werden dort investiert. „Es gab zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung“, betont Blume aber bei der Gelegenheit, das hätten die zuständigen Behörden festgestellt (s. unten).

Der dritte Teil des „Dreisprungs“ ist eine Nachverdichtung der Studentenstadt, für die es aber noch keine konkreten Pläne gibt. Auch aus dem Stadtrat gab es dazu schon Vorschläge, zum Beispiel ein Stelzenhaus über dem Busbahnhof und über dem „Park-and-Ride“-Parkplatz. Letzten Sommer hatte das Studierendenwerk auf AZ-Nachfrage gesagt, man wolle dazu eine Machbarkeitsstudie anstoßen.
Zuerst soll aber in nicht allzu ferner Zukunft wieder Leben in die Häuser 9 und 12 zurückkehren. Nach einem Kellerbrand im Haus 13 im März 2021, als eine junge Frau starb, wurde das zunächst geräumt, wenige Monate später die Häuser 9 und 12. Seither standen sie leer.
Studenten schreiben offenen Brief
"Die Studentenstadt bekommt ihren Vibe zurück“, verkündete Baunova-Chefin Kristina Frank am Montag beim Medientermin, wo die Sanierungsmaßnahmen in den Häusern 9 und 12 des Studierendenwerks vorgestellt wurden.
Dass diese Infrastruktur aber nicht nur saniert, sondern auch mit Leben gefüllt werden muss, ist das Anliegen vieler Studenten, die sich vor Ort engagieren, entweder im Münchner Wohnheimforum oder im Arbeitskreis Wohnen. Die Wohnanlagen des Studierendenwerks haben eine lange Tradition der studentischen Selbstverwaltung, die diese zunehmend in Gefahr sehen.
Im vergangenen November haben sich Studenten und Studentinnen mit einer umfassenden Dokumentation zu den teils katastrophalen Zuständen in manchen Wohnhäusern in der Studentenstadt in Freimann an die Medien gewandt (AZ berichtete), dazu kam auch viel Kritik aus der Politik.
In einem offenen Brief an Bildungsminister Blume, Bauminister Bernreiter, die Universitäten und an das Studierendenwerk kritisieren sie darum die aktuelle Situation: Neben dem schlechten Zustand vieler Gebäude (AZ berichtete), kritisieren sie auch den Mangel an Wohnraum für Studierende, „hinzu kommt dass die maximalen Wohnzeiten in vielen Fällen nicht mehr zu den realen Studiendauern passen“, so der Brief. Und weiter: „Besonders problematisch erscheint uns zudem der Abbau demokratischer Strukturen.“ Bewohnervertretungen und selbstverwaltete Gremien hätten „über lange Zeit wichtige Aufgaben übernommen“.
Die Studierenden fordern unter anderem längere Mietlaufzeiten, mehr Selbstverwaltung und die Anerkennung und Stärkung der Bewohnervertretungen.
- Themen:
- CSU
- Kristina Frank
- Markus Blume

