100 000 Euro: Pflegerin beklaut Rentnerin (85)
Neuaubing - Jahrelang ging sie bei der alten Frau in Neuaubing ein und aus, kümmerte sich scheinbar rührend um die demenzkranke 85-Jährige. Die Krankenpflegerin (43) hatte Zugang zu den privatesten Dingen ihrer Patientin, sie genoss deren ganzes Vertrauen – und nutzte es schamlos aus: Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll die Pflegerin vom Konto der alten Frau einhundert Mal 1000 Euro abgehoben haben, wie die Polizei ermittelte.
Die dreiste Krankenpflegerin fühlte sich offenbar sehr sicher, doch schließlich kam ihr die ebenfalls betagte 87-jährige Schwester der Patientin auf die Schliche: Als die Ältere eines Tages die Kontoauszüge ihrer Schwester durchsah, merkte sie, dass von deren Konto regelmäßig Geld abgehoben worden war. Sie schaltete die Polizei ein.
Der Verdacht fiel schnell auf die Pflegerin, denn sie hatte den engsten Kontakt zu der pflegebedürftigen Frau. Die Kripo fand heraus, dass der Betrag, der bei der 85-Jährigen fehlte, auf das Konto der Pflegerin eingezahlt worden war. Bei ihrer Vernehmung behauptete die Frau: Die Patientin sei bei den Abhebungen immer dabei gewesen. Doch daran kann sich die Demenzkranke freilich nicht erinnern.
Es ist ein besonders gemeiner Fall, in dem ein hilfloser Mensch von einer Vertrauensperson skrupellos betrogen wurde. Pflegeexperte Claus Fussek vermutet, dass vieler solcher Fälle unerkannt bleiben: „Ich fürchte, die Dunkelziffer ist hoch.“ Er fordert, dass die Pflegerin ein Berufsverbot bekommt und „mit aller Härte bestraft“ wird.
In München gab es bereits mehrere spektakuläre Fälle: So wurde 2005 eine Pflegedienst-Chefin aus Pasing (genannt „Engel der Alten“) verurteilt, die 40 Patienten – darunter Ufa-Star Karl Schönböck – um eine halbe Million Euro prellte. Sie wurde zu 11,5 Jahren Gefängnis verurteilt, inzwischen soll sie frei sein.
Eine gute Nachricht zum jüngsten Fall gibt es: Der Kripo gelang es, drei Viertel des gestohlenen Geldes sicher zu stellen. Sie pfändete die Konten sowie einen Sparvertrag der Pflegerin.
„Scharen Sie Menschen um sich, die sich kümmern!“
Damit Ihre hilfsbedürftigen Angehörigen oder auch Sie selbst nicht Opfer von Kriminellen werden, rät die Polizei:
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