10-Millionen-Ausbildungszentrum eröffnet: So trainiert die S-Bahn ihre Fahrer von morgen

Simulatoren, VR-Brillen und sogar eine riesige Modelleisenbahn: In Steinhausen hat die S-Bahn München ihre neue Akademie eröffnet. Hier sollen die Lokführer ausgebildet werden, die künftig auch die Zweite Stammstrecke bedienen.
von  Maja Aralica
Alexandra und Awin lassen sich im neuen Ausbildungszentrum zu S-Bahn-Lokführerinnen ausbilden.
Alexandra und Awin lassen sich im neuen Ausbildungszentrum zu S-Bahn-Lokführerinnen ausbilden. © Daniel von Loeper

Azubi Felix sitzt vor einem Führerstand. Vor ihm leuchten bunte Kontrolllampen, Schalter und Monitore. Auf dem Bildschirm zu sehen ist der Bahnsteig am Westkreuz. Doch der 17-Jährige sitzt nicht in einer echten S-Bahn, sondern im Simulator der neu eröffneten S-Bahn-Akademie in Steinhausen. Hier lernen die Lokführer von morgen – für ein Netz, das in den kommenden Jahren deutlich wachsen soll.

10 Millionen Euro für die Lokführer-Akademie

Wer das Drehkreuz am Mitarbeitereingang passiert, erspäht den vierstöckigen grau-beigen Neubau schon von Weitem. In der lichtdurchfluteten Aula begrüßt der neue S-Bahn-Chef Matthias Glaub die Journalisten, die auf den Sitzstufen aus Sichtbeton Platz genommen haben.

"Das soll ein Ort sein, an dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen", sagt er. "Die Akademie ist ein wichtiger Baustein für die S-Bahn der Zukunft." Schließlich müsse das Unternehmen nicht nur die zweite Stammstrecke stemmen, sondern schon vorher die neuen 200 Meter langen XXL-S-Bahnen, die ab 2028 schrittweise in Betrieb gehen sollen. Dafür brauche es gut ausgebildetes Personal.

S-Bahn-Chef Matthias Glaub und Akademieleiter Marc Hildmann. Im Hintergrund die neu eröffnete Akademie für Lokführer.
S-Bahn-Chef Matthias Glaub und Akademieleiter Marc Hildmann. Im Hintergrund die neu eröffnete Akademie für Lokführer. © Daniel von Loeper

Mehr als zehn Millionen Euro hat die Deutsche Bahn in das Ausbildungszentrum investiert. Auf rund 3000 Quadratmetern sollen hier jedes Jahr etwa 100 Auszubildende und Quereinsteiger lernen. Auch die rund 800 Lokführerinnen und Lokführer der S-Bahn München werden hier regelmäßig weitergebildet.

Digital fahren, virtuell löschen

Im Gebäude riecht alles noch neu; nach frisch gestrichenen Wänden und kürzlich aufgebauten Möbeln. Die Räume sind modern gestaltet, mit hellem Holz und S-Bahn-grünen Akzenten und Mooswänden. Große Fenster lassen viel Tageslicht hinein.

In zwei Simulatoren üben angehende Lokführer den Alltag auf der Schiene. Dort trainieren sie Fahrten ebenso wie Störungen und Notfälle. Der Simulator für die künftigen XXL-S-Bahnen wird noch aufgebaut.

Azubi Felix übt das S-Bahnfahren am Simulator.
Azubi Felix übt das S-Bahnfahren am Simulator. © Daniel von Loeper

Aus einem Übungsraum dringt das regelmäßige Piepsen einer Brandmeldeanlage. In der Mitte steht Azubi Flo mit einer Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf und zwei Controllern in den Händen. Das Geräusch stammt aus einer virtuellen S-Bahn, die parallel auf einem Bildschirm zu sehen ist. Für Flo fühlt es sich an, als stünde er tatsächlich im Zug.

Er trainiert den Ernstfall: Brandalarm. Eine Situation, die sich in der Realität kaum üben lässt. Flo sucht die Ursache des Alarms und läuft durch den virtuellen Zug. Schließlich entdeckt er die Anzeige in der Nähe der Toiletten. Die Steuerung ist noch etwas holprig. Mehrmals greift er ins Leere, ehe er den virtuellen Feuerlöscher erwischt oder die Schiebetür öffnet. Am Ende löscht er den Brand erfolgreich. Ein kurzes Klingeln, wie man es aus Videospielen kennt, bestätigt die erfolgreiche Mission.

Azubi Flo übt mit einer VR-Brille für den Brandfall.
Azubi Flo übt mit einer VR-Brille für den Brandfall. © Daniel von Loeper

Lernen mit der Miniatur-S-Bahn

Ein Stockwerk höher liegt der wohl charmanteste Raum der Akademie. Auf einem sieben Meter langen Tisch rattern und surren ein Miniatur-Nightjet, ein Regionalzug und eine S-Bahn über die Mini-Schienen – im Maßstab 1:160.

Mit der Modelleisenbahn lassen sich Betriebsabläufe anschaulich erklären. Zum Beispiel was passiert, wenn eine S-Bahn von einem anderen Zug überholt werden soll.

Ein Miniatur-Regio fährt über Mini-Schienen.
Ein Miniatur-Regio fährt über Mini-Schienen. © Daniel von Loeper

Beim Rundgang wird deutlich, wie viel Aufwand die Verantwortlichen in die Ausbildungsinhalte stecken. Um zwischendurch Gelerntes aufzufrischen, gibt es einen Ausbildungspodcast mit 20 Folgen zu betrieblichen Themen und das dazugehörige Studio im Neubau. Ergänzt wird das Angebot durch eine eigene Lernplattform.

Im Herzen der S-Bahn

Auf zwei Dachterrassen können Azubis und Ausbilder Pause machen und durchatmen. Von der Terrasse im dritten Stock fällt der Blick direkt auf den Betriebshof. Einige S-Bahnen rollen langsam über die Gleise.

"Hier sind wir im Herzen der S-Bahn", sagt Akademieleiter Marc Hildmann. Die Auszubildenden profitierten von der Lage. Werkstätten und Fahrzeuge seien nur wenige Schritte entfernt. So gehe es "vom Teilnehmerstuhl direkt in die Praxis".

Von der Terasse der Lokführer-Akademie schaut man direkt auf den Betriebshof in Steinhausen.
Von der Terasse der Lokführer-Akademie schaut man direkt auf den Betriebshof in Steinhausen. © ma

Die Ausbildung zum Lokführer dauert regulär drei Jahre. Quereinsteiger können sie in rund zehn Monaten absolvieren. Voraussetzung für die Bewerbung ist ein Schulabschluss. Die Lebensläufe der Teilnehmer seien bunt gemischt, sagt Hildmann. Vom Bäcker bis zum Techniker sei alles dabei.

Trotz der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage sieht die S-Bahn München derzeit keinen Lokführermangel. Mit rund 800 Triebfahrzeugführern sei der Betrieb gesichert. Damit das auch künftig so bleibt, soll die Zahl der Lokführer mit Blick auf das wachsende Netz auf eine vierstellige Zahl steigen.

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